Mercedes-Benz CLA 220 CDI dynamisch vorne links
Sie sehen hier den CLA in der AMG-Line, welche 2.495 Euro kostet und nicht unbedingt notwendig ist.
 

Testbericht: Mercedes-Benz CLA 220 CDI

Frontantrieb, peppiges Design, frische Anmutung: Mit dem CLA pfeilt Mercedes in neue Welten hinein.

25.06.2013 Autorevue Magazin

Während der CLS technisch auf der vergleichbaren E-Klasse basiert, hat der Mercedes-Benz CLA mit der ebenso vergleichbaren C-Klasse technisch weniger am Hut. Vielmehr gehört er konzep­tionell zur neuen „modularen Frontantriebsarchitektur“, womit schon der wichtigste Unterschied zur C-Klasse formuliert ist: der Frontantrieb. Der ist allerdings beim Herumfahren auch nicht anders als der Heckantrieb. Keiner merkt was.

Mercedes-Benz CLA 220 CDI, was sind deine Käufer?

Wir betraten das Auto und fragten uns sofort, wie sich Mercedes die Käufer dafür denkt. Umsteiger von der C-Klasse? Die würden mit kleinerer Motorenauswahl, kopfbeengten Fondverhältnissen und einem Cockpit von, sagen wir mal: deutlich preisgünstigerer Anmutung bezahlen (bei marginal geringerem Kaufpreis). Das sind nur durchschnittliche Voraussetzungen, die Herzen zu gewinnen, zumal wir dem typischen C-Klasse-Käufer eine Weltsicht auf gutem Fundament unterstellen wollen.

Also junge Neukunden. Die müsste man unter anderem von BMW abziehen, wo der als Gegner insbesondere in Frage kommende Dreier aber auch schon sehr gut positioniert ist und sich obendrein gar keine Schwächen leistet. Oder von Audi – auch nicht einfach (jenseits des Argumentativen ist der Mercedes-Benz CLA so ein typisches Auto, das dann trotzdem weggeht wie Derbykarten – wir würden uns nicht wundern).

Mercedes-Benz CLA 220 CDI Detail

Was Um- und Neueinsteiger aber bekommen, ist ein sehr hübsches Auto und das Bewusstsein, in eine neue Art von Mercedes einzusteigen. Denkt man an die wertkonservative Ehrpusseligkeit der ­früheren Jahre, steht hier ein geradezu erfrischend freches Auto. Es ist erfrischender als die vergleichbaren Audis und BMWs, die, was das Design betrifft, die wahren Wertkonservativen sind, das muss auch einmal gesagt sein. Stellen wir fest: Das CLA-Design ist besser, weil kühner. Und es ist, eine gute Leistung, nicht zu kühn.

Best of Aerodynamik: Mercedes-Benz CLA

Was beim Fahren am meisten auffällt, ist die Abwesenheit von Windgeräuschen, eine Folge der Weltrekord-Aerodynamik. Das beeindruckt wirklich. Wie ein heißes Messer durch die Butter schneidet der CLA durch die Luft. Eine Folge davon ist der Verbrauch, den wir bei genauer Nachstellung eines Drittelmixes nicht über 5,1 Liter brachten. Aber das ist bei 170 PS Leistung schon beachtlich. In der Stadt, wo der Windschlupf keine ­Bedeutung hat, kamen wir mit 8,8 Litern schon leichter über die Prospektangaben hinaus.

Auch wenn der Kern des Mercedes-Benz CLA im über den gewohnten Radius hinausweisenden Design liegt, muss er sich doch fahren wie ein Mercedes, und das tut er. Alles muss grundsolide in der Hand liegen und sich nicht zu leicht bewegen lassen. Das Lenkrad gleitet ledrigtrocken durch die Hände. Die Sitze sind straff, wie es üblich ist. Man erkennt den Mercedes am Klang, an der Haptik, am Geruch. Der Getriebewählstick sitzt platzsparend am Lenkrad, daher gibt es ausreichend Ablagen. Man sieht gut hinaus, nach hinten nicht ganz so toll, aber immer noch ausreichend. Der 220 CDI-Diesel arbeitet natürlich wirkmächtig. Er ist kein ganz leiser, klingt aber weniger nagelig als turbinenhaft kraftvoll. Das ist ein dezidiert sportliches Auto, da soll man auch was hören.

Die Front-Plattform ist für den CLA kein Schaden. Das Auto läuft gut bei hohem Tempo und ist agil in den Kurven. Es macht mehr Freude als die C-Klasse, ist bei Bedarf aber eine völlig entspannte Kompaktlimousine für den Kindergartentransport.

Mercedes-Benz CLA 220 CDI mit Struppe Struppinger

Kindergarten schon deswegen, weil Erwachsene sich hinten nicht so toll fühlen werden, zu sehr sind sie zusammengestaucht. Wer Design will, kauft so was aber mit, das ist also kein Kritikpunkt. Schon eher ist es einer, dass hier die Armaturenlandschaft der A-Klasse übernommen wurde. Die ­befindet sich nun wirklich in einer tieferen Liga, ist allerdings gar nicht so viel billiger, im Fall der 220-CDI-Motorisierung sind es nur 6.250 Euro.

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