Mercedes-Benz CL dyn VoLi
Stil kann man kaufen.
 

Testbericht: Mercedes-Benz CL

Wir lernen: Großes Auftreten setzt nicht mehr einen ebensolchen Fußabdruck voraus.

16.12.2010 Autorevue Magazin

Natürlich könnten wir hier versuchen, uns vorsichtig an den Kern dieses CL heranzuschreiben, alle Regeln der politischen Korrektheit beachtend, unter vorsichtiger Abwägung des ecological footprint. Aber ehrlich, wenn man einmal eingestiegen ist, die schwere Maschine an­geworfen und sich sodann ­majestätisch von der Gehsteigkante gelöst hat, denkt man ­einfach nur: Es geht nichts über ein fettes Mercedes-Coupé mit einem richtig fetten V8.

Und da reden wir jetzt nicht von der Tragödie, dass sich die wahre ingeniöse Exzellenz dieses Fahrzeugs erst weit über 180 zu entfalten beginnt. Langsam können sogar die Amerikaner, aber der CL scheint sich an der Führerscheingrenze nochmals zu strecken, 220, 240 kriegen eine nahezu gespenstische Beiläufigkeit.

Das geht, muss aber nicht sein. Jedes einzelne Anfahren erzeugt schon das tief befriedigende Gefühl, es geschafft zu haben, und so muss es ja auch sein, auf die eine oder andere Art, bei einem Kaufpreis von rund 150.000 Euro aufwärts (es sind 137.750 Euro für Heckantrieb, um genau sein, 144.610 Euro für 4matic, aber da ist man noch nicht den ­Verlockungen der Extraliste erlegen – wir sagen nur: Innenhimmel in Nappaleder für schlappe 2230komma62).

Kritik über den eigentlich indiskutablen Fußraum hinten müssen Sie anderswo nach­lesen. Wir reden lieber über
den betörenden allgemeinen Komfort (Luftfederung!) und die überwältigende Eleganz des 5-Meter-Coupés. Der CL offenbart noch die einst oberste Mercedes-Tugend, nämlich Zurückhaltung. Kein unnötiges Spiel von Falz und Sicke, einfach nur Form. Und wenn dich beim Tanken gleich zwei Leute zu deinem Auto beglück­wünschen – „Sieht man viel
zu selten“ –, darf zumindest der Verdacht keimen, dass die derzeit deutlich offensivere Designlinie der Marke zumindest an einem Teil der Kundschaft vorbeiläuft.

Apropos Tanken: Das Herzstück der Modellpflege (in ­Nebenrollen: umgestaltete Front mit LED-Blinkern und adaptivem Licht) liefert ein neuer direkteinspritzender ­Biturbo-V8 mit energiesparendem Nebenaggregat-Management und Start-Stopp, der aus weniger Hubraum (0,8 Liter) mehr Leistung (+ 47 PS, + 170 Nm) schöpft. Beides wäre auf diesem Level der Üppigkeit ­eigentlich unerheblich, wäre da nicht der drastisch verringerte Verbrauch. Mercedes verspricht minus 22 Prozent, die sich an der Tankstelle auch tatsächlich umsetzen lassen. Die Lader sind weder hörbar noch spürbar, die einzige Wahrnehmung findet sozusagen am Bordcomputer statt (in seltenen Fällen auch beim Bergaufbeschleunigen, wegen der nun 700 Nm). Ohne sich hinterm Lenkrad groß zu kasteien, lässt sich der Verbrauch unter 12 Liter halten – und nicht ­vergessen, wir reden hier von knapp 2,2 Tonnen überbordendem Luxus samt 435 PS und Allrad –, und mit einiger Selbstdisziplin steht irgendwann sogar ein Neuner vor dem Komma. Der ökologische Fußabdruck ist für diese Schuhgröße also mehr als okay.

Der Abstandstempomat Distronic verhält sich in der neuesten Generation wie ein guter, gelassener Fahrer. Bremst im Stau selber bis zum Stillstand runter und fährt auch wieder an. Das funktioniert so angenehm und selbstverständlich, dass man es bald als Zumutung empfindet, bei Ampeln selber fürs Stehenbleiben sorgen zu müssen.

Engagiert man dann auch noch den Spurhalte-Assi dazu, braucht man eigentlich nur mehr drinnensitzen, beschäftigt dreinschauen und hin und wieder zart lenkend eingreifen. Aber so ist das halt, wenn man es einmal geschafft hat, auf die eine oder andere Art.

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