AMG C63 18
 

Mercedes-Benz C 63 AMG Testbericht

Ein Display zeigt uns, wann das Motoröl die richtige Temperatur erreicht hat. Richtig für was? Für: WOW!

01.05.2008 Online Redaktion

Die beste Beifahrerin von allen fror. Dafür war sie satt. Sie durfte das Käseweckerl von der Tankstelle nicht im Auto, sondern nur davor verzehren. Diese Szene beschreibt die Beziehung zwischen Fahrer und dem Mercedes-Benz C 63 AMG schon sehr detailliert. Denn zum einen kommt trotz AMG-Genen väterlicher Mercedes-Habitus auf, und penibel wird darauf geachtet, keine Brösel ins Auto zu lassen. Andererseits wird man sich damit abfinden müssen, viel Zeit an der Tankstelle zu verbringen.

Obwohl: Vielleicht ist diese Beurteilung zu bodenständig. 14 Liter Praxisverbrauch sind noch unter der Schmerzgrenze. Immerhin droht der C 63 der Tanknadel 457 PS aus 6,2 Liter Hubraum und 600 Newtonmeter Drehmoment an.

Die Power ist freilich nicht sofort abrufbar.

Ein spezielles AMG-Menü, das einem die Temperatur des Motoröls anzeigt, blinkt so lange, bis das Herzblut des Saugmotors 80 Grad Celsius erreicht hat.  Erst ab dieser Temperatur darf man dem Motor Leistung abverlangen, wie einem der Hersteller in Understatement-Manier erklärt. In der Praxis bedeutet das, dass nach etwa 15 Minuten Fahrzeit die Fesseln der Motorschonung abgelegt werden können, um alles zu richten, was es wagt, neben uns am Verkehr teilzunehmen. Akustisch kommt das den Posaunen zum Jüngsten Gericht schon ziemlich nahe. Das Getriebe dreht die sieben Gänge bis 7200 Touren. Dann kommt ultraschnell der nächste – per Schaltwippen sogar nochmal schneller.

Warum es aber ausgerechnet diese Auspuffanlage sein musste, bleibt ein Geheimnis. Die vier Auspuffrohre, die hoch präsent den Hintern zieren, sind zwar ein Statement, vielleicht aber nicht das richtige für jedermann. Etwas mehr optische Introvertiertheit würde dem Auto besser zu Gesicht stehen. Die Front hingegen ist gelungen. Die Powerdomes erheben sich bedrohlich wie Haifischflossen von der Motorhaube.

Doch nicht nur optisch, auch technisch stellt sich der Mercedes-Benz C 63 AMG über die Mercedes-Mainstream-Limousinen.

Mit großem Aufwand wurden Vorder- und Hinterachse komplett überarbeitet. Hinten ist die Spur um 12 Millimeter breiter, Gelenke und Antriebswelle wurden verstärkt. Vorne wuchs die Spurweite um 35 Millimeter, die Steifigkeit wurde verdoppelt, größere Stabilisatoren verwendet und neue Dämpfer eingebaut. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Die Lenkung ist vorbildlich präzise, Seitenneigung in Kurven tritt praktisch nicht auf, und gegen die Fliehkräfte helfen die Sportsitze, deren Seitenwände einen umklammern wie sonst nur der Sozius auf einem Motorrad. Doch man kann nicht alles haben. Und so stellt einem das Fahrwerk jeden Gullydeckel, jede Unebenheit einzeln und namentlich vor.

Ambitionierte Fahrer werden sich über das dreistufige ESP freuen. ON – und das ESP tut, was es soll. SPORT – und es tut, was es soll, nur eben etwas später. OFF – und es tut gar nichts mehr. Nur die Traktionslogik ist permanent aktiv. Sie bremst durchdrehende Antriebsräder ab.

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