Mercedes-C-Kl._3
 

Mercedes-Benz C Testbericht

Alles ist, wie es immer war, nur ein bischen besser. Vom besonderen Reiz, den vernünftigsten Vernunft-Mercedes zu fahren.

01.01.2008 Autorevue Magazin

Ein Mercedes Kombi also. Klassisch. Ohne Anbiederung an Höhersitzenwoller. Die Limousine, behutsam erweitert durch den Kombiladeraum. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Autotesterdasein ist es wie Heimkommen. Die Vorgeschichte: 1981 hatte die Autorevue einen Dauertestwagen, namentlich den 240 D mit 72 PS, und das war gar nicht der Schwächste. Es gab noch einen 200 D mit 60 PS. Diese Autos hatten vor allem eines: Die Strahlkraft des Sterns, eine unendlich exakte Lenkung, einen sagenhaft geringen Wendekreis und eine Federung, die jeder Mensch für immer wiederzuerkennen imstande ist.

So etwas wie Überholen war hingegen eher schwierig. Heute, sechsundzwanzig Jahre später und viele Turbulenzen weiter, dürfen wir beruhigt feststellen: Es gibt sie noch, die guten Dinge. Ein Wunder, dass dieses Auto noch nicht im Manufactum-Katalog angeboten wird. Denn es wäre da noch einiges an Positivem hinzuzufügen. Die Zähigkeit beim Beschleunigen ist nun mit 136 PS rudimentär noch immer vorhanden, hat aber nichts Bedrohliches mehr. Nicht nur der Stern hockt noch immer auf der Schnauze, es gibt nach wie vor diese verblüffende Wendigkeit durch Vorderräder, die sich in engen Kehren regelrecht in die Kurve legen. Und noch immer kannst du diesen Mercedes an der Federung blind erkennen. Rein atmosphärisch ein Monolith der Automobilgeschichte.

Stellen wir dieses Auto in die Gegenwart. Das Mercedes-Sein ist eine Qualität für sich und ganz gewiss alleine ein paar tausend Euro wert. Objektiv gesehen ist der 200-CDI-Motor eine Sparvariante mit nicht so tollen Eigenschaften im Klassenvergleich. Der Murl ist praktisch nur zwischen 2000 und 3500 Touren zu fahren. Unter 2000 brummt er dermaßen, dass es das ganze Auto durchbeutelt. Damit kommt man trotz aller Bescheidenheit auf keinen vernünftigen Verbrauch, weil ein Tempo von 80 km/h im höchsten Gang nicht fahrbar ist. Es ist auch unmöglich, im zweiten Gang im Schritttempo ums Eck zu biegen. Dabei ist das Problem ganz einfach zu lösen: Man nehme den gleichen Motor in der nicht abgewürgten Variante mit 170 PS, und das Leben wird schön.

Was die Mercedes-Menschen dazu getrieben hat zu behaupten, das neue Sechsgang-Getriebe würde sich durch hohe Präzision und kurze Schaltwege auszeichnen, ist schwer nachzuvollziehen. Präzise ja, aber man legt noch immer einen großen Hebel um. Und jetzt eines noch dazu: Wir mögen das irgendwie, weil auch das ein Stück Mercedes-Welt ist.

Kommen wir zur Nützlichkeit: Sitze und Sitzposition sind grandios. Dieses Auto nimmt seine Fahrgäste, wie sie sind, erklärt niemanden für zu klein, zu groß oder zu dick. Und das ist auch Mercedes. Was den Laderaum betrifft: keine Rekorde, aber hoher Respekt vor den Bedürfnissen der Klientel. Sitzumlegen geht ohne Bandscheibenvorfall auch im fortgeschrittenen Alter. Das Kofferraumrollo samt Hundenetz ist an der Rücksitzlehne festgemacht, fällt automatisch mit der Lehne nach vorne und liegt hernach nirgendwo lästig rum. Es gäbe da noch einen Haufen Zeugs, um die Nützlichkeit des Kofferraums zu erweitern, wir nehmen es aber klassisch und begnügen uns mit dem Sauwandl zum Schutze des Kofferraumbodens. Selbstverständlich ist das elektrische Öffnen und Schließen des Kofferraums eine feine Sache. Da macht sogar die Nachbarin große Augen. Übrigens: Wir freuen uns wieder einmal auf einen Dauertestwagen, und mit dem 320 CDI werden wir auch kaum etwas zu jammern finden.

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