Mercedes-Benz C 63 AMG Black Series
Nichts ist deprimierender als eine Landschaft ohne Black Series, in der eben noch ein Black Series stand.
 

Testbericht: Mercedes-Benz C63 AMG Black Series

Die turbogeladenen Hightechwunder baggern, aber der dicke Sauger macht den Aufriss.

15.04.2013 Online Redaktion

Diese ans Kitschige grenzende Landschaft und die perfekt ­gekräuselte Landstraße sind ein trostloser Anblick. Gerade stand vor uns das C63 AMG Coupé Black Series. Der archai­sche Spoiler funkelte in der Sonne, die Bremsen knisterten und dampften, die Auspuffrohre schrien still nach Aufmerksamkeit und das Rot war rot. Dann setzte sich ein Kollege ins Auto und fuhr weg. Die Landschaft war die gleiche, aber der C63 fehlte. Nichts ist deprimierender als eine Landschaft ohne Black Series, in der eben noch ein Black Series stand. Unter diesem Namen lanciert AMG seit 2006 Modelle, die aus der ­ohnehin schon extrovertierten Marschkapelle der Marke ­hervorstechen wie der Tambourmajor.

Uns Höhlenmenschen wird jedes Mal ein Atemzug der ­Zukunft gegönnt, wann immer AMG ein Auto auf die Straße stellt.

Zarte Vokabeln werden bemüht wie Leichtfüßigkeit und Eleganz, Kraft und Präzision, Perfektion und Genius. Als ob das Auto flüchten würde, täte man mehr als ehrfurchtsvoll flüstern. So war es immer, und wir befürchteten, es würde ewig so sein. Angefangen hatte alles 2006 mit dem SLK 55 Black Series. Es folgten Sonderversionen des CLK 63 (2007) und des SL 65 (2008). Mitte diesen ­Jahres wird dann der SLS nachgeschärft. Wie elegant. Wie ­perfekt. Wie leichtfüßig und tänzelnd.

Mercedes-Benz C 63 AMG Black Series

Erfrischend ist es, wenn die großen Geister von AMG für ein Modell den Rocksaum der Jahrzehnte lupfen und eigentlich Vergangenes in die Jetztzeit holen, um mit der geballten Faust Schwung zu holen. Der C63 AMG Black Series hat nichts Tänzelndes und gibt sich auch nicht versöhnlich. Rohe Gewalt, Macht des Stärkeren, Devolution – per 6,2-Liter-Saugmotor wird zum großen Halali geblasen (während der neue V8-Biturbo schon auf seinen Einsatz wartet).

517 PS und 620 Newton­meter fluten gen Hinterachse. Der Paradespurt ist nach 4,2 Sekunden erledigt und es wird bis Tempo 300 weiter­marschiert. Selten kommt der Bewunderer dem Wesen eines Autos auf die Schliche, wenn er die blanken Eckdaten kennt. In diesem Fall hilft es, ist es sogar der einzig logische erste Schritt.

Dieses Coupé verdichtet ­alles, was AMG zu einer Legende macht, in einem Auto.

Es sei daran erinnert, dass eine C-Klasse als Basis dient. Das ist wichtig zu wissen, um den Aufwand zu würdigen, der hinter diesem Auto steckt. Die Spur ist breiter (vorne um 40, hinten um 79 Millimeter), an der Hinterachse arbeitet ein Sperrdifferenzial, die Stabilisatoren haben nichts mehr mit denen in der Zivilvariante zu tun, und überhaupt wurde ein Gewinde-Sportfahrwerk verbaut. Beim Motor lehnte sich AMG am eigenen SLS an. Die gleiche Leichtbau-Kurbelwelle, acht Schmiedekolben und ebenfalls geschmiedete Crack-Pleuel. Neues Motorsteuer­gerät, verbesserte Ölkühlung. Die Ingenieure gingen derart detailverliebt und gewissenhaft ans Werk, dass ihnen die Heiligsprechung garantiert ist.

Schrullig wird es beim ­Thema Gewicht. Im Lastenheft stehen ein Karbon-Paket und ein ausgeräumter Fond – raus mit der Rücksitzbank. Nicht wegzudiskutieren ist aber, dass es sich um eine C-Klasse handelt. Die eben auch nicht die Physik wegdesignt, sondern aussieht, wie eine C-Klasse heute aussieht. So kommt es – für einen Supersportwagen – zu einem hohen Schwerpunkt und wuchtigen 1,7 Tonnen. Und weil das so ist, gibt sich der Vertrieb konsequent: Der Black Series kann optional mit vier Einzelsitzen ausgestattet werden. Wie das dann, voll ­besetzt, auf der Nordschleife aussieht, will sich niemand vorstellen. Wobei er natürlich genau da seinen Dienst verrichten soll.

Eine C-Klasse, die mal eben Ferraris und Porsches zersägt. Einfach nur, weil AMG es kann.

Dafür gibt es dann auch speziell entwickelte Pneus von Dunlop (Sport Maxx Race). Die Lenkung ist unglaublich präzise und es gibt immer genug ­Leistung. Dazu eine Race-Start-Funktion, und die Schaltvorgänge dauern unter Volllast lediglich 100 Millisekunden. Für solche Superlative ersetzten die AMG-Ingenieure den Drehmomentwandler durch eine im Ölbad laufende Kupplung und tauften das Werk MCT – Multi-Clutch-Transmission.
Eine Zwischengasfunktion kommt obendrauf, und die ­bekannten Fahrprogramme S, S+ und M zwingen einen, erst einmal aktiviert, zu mehr Sport und Eigenverantwortung. Eigentlich.

Mercedes-Benz C 63 AMG Black Series

Ganz uneigentlich ist es so, dass einen dieses Auto am meisten begeistert, wenn es steht. Dann ist es einmalig. Auch noch, wenn es eher langsam fährt. Die Kombination aus Motor-Getriebe und Auspuff wurde nicht für die Rennstrecke, sondern offensichtlich für den Sound optimiert. Nein, Fahren ist hier reiner Overkill.

Du wirst immer zu langsam sein. Das Auto wird immer noch mehr vertragen und eine Reserve im Motor haben. Sätze wie „er tut sich am ­Scheitel ein wenig schwer. Da spürt man das Gewicht auf der Vorderachse“, können eben nur von einem wie Karl Wendlinger kommen. Wir freuen uns lieber an der Landschaft. Mit C63 AMG Coupé Black Series.

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