Mercedes-Benz C350 Coupé Exterieur Dynamisch Front Seite
Schwieriges Angurt-Procedere zwecks Erhalts der Beweglichkeit bis ins hohe Alter.
 

Testbericht: Mercedes-Benz C350

Vergnüglich Autofahren ist naturgemäß mehr als das Ergebnis der Summe aller technischen Raffinessen.

03.10.2011 Autorevue Magazin

Die Kernfrage wird immer lauten, wer braucht ein Coupé als Abkömmling einer Limousine, die mit ihren vier Türen doch viel geräumiger und praktischer ist oder gar als Kombi strengste rationale Kriterien erfüllt? Und die Antwort wird auch immer die gleiche sein: Eleganz ist ein Wertmaßstab, je ausgeprägter der Wohlstand, umso dringlicher sucht auch sie ihren Ausdruck. Etwas schwülstig gesagt: Kultur setzt dort auf, wo die Grundbedürfnisse befriedigt sind.

Alsdann, C 350 Coupé: Es geht hier schon ums Auto­fahren in seiner klassischen Ausprägung als vergnüglich erfrischende Zeit zwischen A und B, wobei die Notwendigkeit des Ortswechsels an sich gar nicht gegeben sein muss. Das funktioniert zugegebener­maßen im Grunde schon mit einem Fiat Panda, wobei es ­natürlich Autos gibt, die für das L’ art pour l’ art des Auto­fahrens viel besser geeignet sind, zum Beispiel dieses hier. Und das sei von jetzt an auch genauer erklärt.

Im Gegensatz zu einem echten Sportwagen zeigt das C Coupé doch zuerst einmal alle wesentlichen Talente einer ­Limousine, solange man nur zu zweit ist. Die etwas längeren Türen stören nur in engen Parklücken, darüber hinaus schaffen sie aber großzügig Platz zum Aus- und Einsteigen. Der Kofferraum ist mit 450 Litern ohnehin auf Limousinen-Niveau, noch dazu mit der ganzen Flexibilität umklappbarer Rücksitzlehnen. Die Lage des Sicherheitsgurts erscheint allerdings grenzwertig weit hinten, aber man kann selbst das Angurt-Procedere noch ­positiv sehen, etwa zwecks ­Erhalts der Beweglichkeit des Oberkörpers bis ins hohe Alter.

Das ist eben der Punkt: Wir haben hier alle Annehmlichkeiten einer Limousine zur Verfügung, weil hinten aber selten jemand mitfährt, und wenn, dann nicht besonders weit, hat sich Freiraum für elegant fließende Linien ergeben. Womit wir schon beim wichtigsten Diskussionspunkt sind: dem Design. Man kann Mercedes vorwerfen, dass die Linienführung generell nicht sehr feinfühlig oder zart erscheint, vor allem, was die Frontansicht ­betrifft, aber man kann nicht sagen, dass kein System dahinter steckt. Die wesentliche Zielvorgabe, eine scharfe Corporate Identity, ist erfüllt, ein unverwechselbares Markenbild trotz weitgehend klarer Differenzierung einzelner Modelle gegeben (im Kontrast zu Audi und teilweise BMW).

Dass unser spezielles Modell so dynamisch vorgespannt dasteht, mag am AMG-Sportpaket liegen, das neben dezentem optischem Aufputz (Spoiler und Schweller) auch ein ­etwas tiefer gelegtes Fahrwerk enthält – für zusätzliche 2.838 Euro. Die Tieferlegung ist ­jedoch nicht mit brettlhart gleichzusetzen. Das Fahrwerk bleibt trotz seiner direkten Art insgesamt noch recht komfortabel. Das ist im Wesentlichen ja der Punkt, wo nach wie vor schwer jemand an Mercedes rankommt.

306 PS, 370 Nm Drehmoment, feine Laufkultur des V6-Direkteinspritzers. Schmalz spontan in allen Lebenslagen bei einem Verbrauch, der ­Beachtung einfordert: 8 Prozent NoVA für ein 1,6-Tonnen-Kraftpaket. Die Sparsamkeit im Normverbrauch spiegelt sich weitgehend auch im wahren Leben: Knapp über 8 Liter Benzin auf 100 Kilometer ist durchaus ein entspannender Wert.

Obwohl die Basisausstattung nicht knausrig erscheint, lässt sich der Preis durch so­genannte Individualisierungsmaßnahmen naturgemäß kräftig nach oben schrauben. Immerhin: Während BMW jedes Schäuferl extra anbietet, kann man hier Assistenzsysteme und Lichtsysteme wenigstens paketweise kaufen. Apropos BMW: Rechnet man zwecks Vergleichbarkeit den Aufpreis für die Automatik und das ­obligatorische Österreich-­Paket gleich dazu, ergibt sich beim 335i Coupé bereits eine signifikant höhere Summe.

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