B200 CDI Mercedes-Benz B-Klasse
Vielleicht ist es der smartere Mercedes überhaupt geworden.
 

Testbericht: Mercedes-Benz B 200 CDI

Mit der B-Klasse hat Mercedes auf die klügere Art Premium auf Kompaktformat konzentriert.

01.01.2012 Autorevue Magazin

Sachlicher Hedonismus ist eine feine Art, sich dem Selbstverständnis von Überfluss zu entziehen, ohne Schmerzen zu leiden. Das ist jetzt keine neue Erkenntnis. Die Autowelt übt sich seit geraumer Zeit im Komprimieren und Konzentrieren von Werten und Maßen. Jetzt aber würfelt ausgerechnet Mercedes mit einem stringenten und frappierend punkt­genau auf eine große Bandbreite an Bedürfnissen zugeschnittenen Auto die Grundprinzipien der automobilen Wertewelt durcheinander. Was für eine Überraschung.

Die neue B-Klasse kann ­alles besser.

Betrachten wir es nüchtern: Unser B 200 CDI hat nichts, aber auch gar nichts mehr von der peinlichen Verquollenheit, mit der sein Vorgänger das Fehlen von staatstragender Mercedeshaftigkeit wettmachen wollte. Er hat sich gestreckt und ist mit 4,36 Meter Länge fast schon dort, wo man früher ehrfürchtig von Mittelklasse gesprochen hätte. Im Auto-Umfeld hebt er sich durch seine nun niedrigere Dachlinie ab (minus vier Zentimeter), die ihn im Vergleich zu den mächtigen SUV-Burgen und plumpen Van-Kisten elegant, ja beinahe zart wirken lässt, ihn aber immer noch ausreichend dominant gegenüber dem traurigen Fußvolk der Altwaren-, City-Floh- und Spardosen-Fahrer macht.

Überhaupt ist die B-Klasse stilistisch leicht, fließend, frisch.

Was sich in einer freundlichen Aura fortsetzt, innerlich und äußerlich. Es treffen sich jetzt die Genera­tionen, geschmacklich und aus freien Stücken. Das ist ein riesen Gewinn in dieser symbolschweren Welt klassischer Werte. Man kann eben auch als Junger nicht leugnen, was technische Reife und Fertigungstiefe wiegt: Die neue ­B-Klasse fährt sich munter und präzise. Das Fahrwerk
mit der neuen Vierlenker-­Hinterachse verwaltet straff alle fahrdynamischen Kommandos, ­filtert im Gegenzug aber zuvorkommend störende Einflüsse weg. Kaum dringen Geräusche und harte Unebenheiten zum Fahrer durch. Auch die elektromechanische Servolenkung liegt an einem guten Schnittpunkt von präziser Selbstbestimmung und komfortabler Leichtläufigkeit.

Wie die haptisch und optisch wohltuende Gestaltung des Innenraums (diese Luft­düsen!) und die ausgefeilte ­Ergonomie (an diesen einen Ich-kann-alles-Lenkradhebel müssen sich Nicht-Mercedes-Kenner halt gewöhnen) gehören diese auch für einen kleinen Mercedes erfrischenden fahrerischen Qualitäten zu dem, was man einem Preis von 31.200 Euro für eine doch irgendwie experimentelle Auto-Identität gegenrechnen muss. Aber: Was wären die Alternativen zu unserer B-Klasse?

B 200 CDI: 436 cm Länge, max. 1545 l, 1475 kg, ab 31.200 Euro.

B200 CDI Mercedes-Benz B-Klasse


Rein der Raum

Die Nützlichkeit eines Autos misst man gerne am Kofferraum: 1545 Liter Stauraum bietet die neue B-Klasse ma­ximal (normal knapp 500), das ist etwas weniger als zum ­Beispiel der Vorgänger mitbrachte, aber mehr, als teurere Mittelklasse-Kombis der ­Premiumklasse zur Verfügung stellen. Das Umlegen der Rücksitzlehnen funktioniert mercedesmäßig, also schnell und anstrengungsfrei, und es treten natürlich auch nirgendwo hässliche Säume oder Innereien zutage. Auch die Unterflurlade (Tire-Fit-Kit statt Reserverad) ist makellos ausgeschlagen.

Wegen der feinen Streckung der B-Klasse sitzt man vor allem hinten komfortabel mit viel Spiel um die Knie und über dem Kopf. Das ist wichtig, denn unser B 200 CDI hat auch gute Qualitäten als Langstrecken-Reiseauto, wobei lediglich eine Besetzung mit vier Personen (alle erwachsen) anzuraten ist. Der Mittelsitz hinten taugt eher nur fürs Abstellen einer Handtasche. Natürlich verspricht fast jeder Kompaktvan mehr Stauraum und Sitzplätze, aber da hat der freie Wille dann ­ohnehin ausgedient und die Sachlichkeit jeden hedonistischen Anspruch verloren.

Raum-Alternativen: VW Golf Plus 2,0 TDI: 420 cm Länge, max. 1450 l; ab 26.450 Euro.
Peugeot 3008 HDi 150: 437 cm, max. 1604 l, ab 28.740 Euro.

Höher oben

Die erhöhte Sitzposition der B-Klasse hat ihre Meriten. Man bekommt einen besseren Überblick über das Verkehrsgeschehen als in konventionellen Kompakten und fühlt sich zwischen den großen, breiten Lieferwagen und Speckgürtel-Protzkisten weniger ausgeliefert. Das ist ja mit ein Grund, warum auf SUVs so ein Run herrscht: Höher hinaus ist der einzige Weg an die Sonne.

Mercedes hält bei der B-Klasse die Höhen-Latte aber vorsichtig an der Untergrenze. Die Sitzfläche (plus/minus Höhenverstellung) ist etwa auf gleichem Niveau wie die Ladekante, also etwas mehr als 50 Zentimeter über dem Boden, das reicht, um die Bequemlichkeit beim Ein- und Aussteigen zu fördern, ohne dass man beim Einladen der Mineralwasserkisten ins Stöhnen gerät oder die hoch aufschwingende Heckklappe nicht mehr erreichen würde.

Option auf Allrad gibt es bei der B-Klasse halt nicht, was aber nur dann ein Argument ist, wenn man im echt alpinen Österreich daheim ist. In witterungsmäßig softeren Einzugsbereichen sorgt die Fahrwerkselektronik des Frontantriebs-Mercedes für gutes Alljahres-Fortkommen, und man schleppt an schneefreien Tagen kein zusätzliches Gewicht mit sich herum, das sich beim Verbrauch wichtig macht. Quasi-SUVs wie der BMW X1 und der Audi Q3 werden aus diesen Gründen an der Basis auch als 2WD-Varianten angeboten. Start-Stopp-Automatik haben alle B-Klasse-Modelle übrigens serienmäßig. Unser 200 CDI kam mit 6,3 Litern durch den Alltag.

SUV-Alternativen:
Audi Q3 2,0 TDI (2WD): 438 cm, 1520 kg, ab 31.300 Euro.
BMW X1 sDrive 18d (2WD): 445 cm, 1545 kg, ab 31.400 Euro.

B200 CDI Mercedes-Benz B-Klasse

Klassenlose Gesellschaft

Mercedes hat für seine Modelle punkto Sicherheitstechnik weitgehend die klassenlose Gesellschaft ausgerufen. Also warnt auch die B-Klasse den Fahrer serienmäßig dezent, wenn dieser müde wird, und hilft über Radarerkennung Kollisionen durch Warnhinweis und Bremseingriff zu verhindern (funktioniert ab 30 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit). So etwas gibt es bei anderen Kompakten nicht einmal als Extra.

Spurhalte-Hilfe und Tote-Winkel-Warner muss man extra bezahlen, was schnell den einen oder anderen knappen Tausender zusätzlich auf die B-Klasse-Rechnung schreibt. Ausschlaggebend ist aber: Man hat die Wahl. Wem es wichtig ist, durch Lenkradrütteln und leuchtende Dreiecke in den Rückspiegeln in seiner Aufmerksamkeit unterstützt zu werden, der muss sich deshalb nicht eine C-Klasse oder ein anderes Premium-­Modell mit empfindlich höherem Grundpreis kaufen.

Man kann sein Geld aber auch anders ausgeben. Für ­Leder. Oder schmucke Räder. Oder ein Internet-Navigations-Infotainmentpaket (Comand Online), das so manche Heimcomputerlösung an Ästhetik und Funktion in den Schatten stellt. Auch das hat natürlich seinen Preis. Aber keine Bindung an eine Modell-Klasse eben.

Mittelklasse-Alternativen:
Mercedes C 200 T CDI: 460 cm; max. 1500 l; ab 38.130 Euro.
Audi A4 Avant 2,0 TDI 136 PS: 470 cm; max. 1430 l; ab 35.520 Euro.n

  • Alles klar. Der Vergleichswunsch wird in die Chefetage weitergeleitet.

  • Georg

    Habe seit nunmehr über acht Jahren einen Renault Scenic in Prestige-Ausführung mit 1,9 dci und 120 PS. Fahre im Durchschnitt über Alles mit 6,4l Diesel bei einem vergleichbarem Raumangebot. Es wäre daher viel einfacher einen aktuellen Scenic mit dem Mercedes zu vrgleichen. Bis auf einige Gimmicks, die es eben vor acht Jahren noch nicht gab, ist es fast das Gleiche. Man kann immer etwas besser machen. Aber zu welchem Preis. Vergleicht mal.

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