mercedes b electric drive seite seitlich
Ohne optischen Gestaltungsdrang prescht die B-Klasse mit 177 PS ins Territorium des i3.
 

Immer mit der Ruhe: Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive

Ökobewusstsein ohne exaltiertes Auftreten. Was anderes haben wir von Mercedes nicht erwartet.

09.07.2014 Autorevue Magazin

Ökologische Ansinnen zu verbreiten, ohne viel Wirbel drum zu machen, ist ein seltenes Gut auf dieser Welt. Mercedes besitzt diese noble Zurückhaltung, wenn man einmal vom leuchtfarbenen SLS AMG electric drive absieht. Doch der war nur als Liebesgruß nach Ingolstadt gedacht, wo man beim R8 E-tron in letzter Sekunde die Nerven geschmissen hat.

Die B-Klasse Electric Drive fährt mit Tesla-Technik

Diese B-Klasse ist dagegen ganz nahe am Volk. Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die einen Sinn für ökologische Fort­bewegung haben, denen aber der optische Geltungsdrang eines Opel Ampera oder BMW i3 schlicht auf die Nerven geht. Bekannten Autos, denen man im Nachhinein einen Elektroantrieb eingepflanzt hat, merkt man das zumeist im ­täglichen Leben an – beim ­Akku-Pack, das den Kofferraum schmälert, etwa. All das ist bei der elektrifizierten B-Klasse nicht der Fall. Diese ­basiert auf dem Erdgasmodell, das untenrum über einen Hilfsrahmen für die Gas­flaschen verfügt – in dem jetzt stattdessen die 28 kWh fassende Batterie sitzt. Kofferraum? Genau wie beim Verbrenner. Lediglich die Fondpassagiere sitzen dadurch kaum fühlbar ein paar Millimeter höher. ­Einziger signifikanter Unterschied: Der B ist um 4 Zentimeter höher als der Normalo, was aber nicht auffällt, denn die Optik wurde mit eigenen Stoßfängern und nachmodellierten Radläufen gekonnt ­angepasst. Unter der Haube sitzt die mit Daimler-Partner Tesla entwickelte „Traction Unit“- also die ­E-Maschine mit ­Getriebe, ­getoppt von der Ladeeinheit für die Batterie.

mercedes b electric drive motor motorraum

Schaut aus wie die Motor­abdeckung eines Diesels, ist aber die Ladeeinheit für die Batterie.

Das Wesen eines Elektroautos

Zwei Fahrmodi lassen sich am Armaturenbrett auswählen. „Eco“ gibt 98 kW frei und entfesselt die restlichen 34 mög­lichen beim Kickdown, im „Sport“-Modus ist die Gaspedalkennlinie etwas schärfer aus­geformt, alle 132 kW stehen ohne Umwege zur Verfügung. Dass man den Sport­modus eher selten nutzen wird, liegt am prinzipiellen Wesen eines Elektroautos. Ganz von selbst gewöhnt man sich einen defensiven Fahrstil an und versucht im Fluss zu bleiben, zu rollen (und damit Energie zu rekuperieren). Genau hierfür hat Mercedes eine Spezerei in den Wagen gebaut, die sich über die Schaltpaddles hinter dem Lenkrad steuern lässt. Der Standard-Rekuperationsmodus bremst den Wagen bei Gaswegnahme etwa so, wie man das von einem herkömmlichen Benziner kennt. „D-“ deutlich stärker, ähnlich der Motorbremse beim Bergabfahren, „D+“ lässt der kinetischen Energie freien Lauf – sprich: Rollen im Leerlauf. Wer das Spiel damit erst verinnerlicht hat, wird künftig an roten ­Ampeln vorrollen, ohne das Bremspedal zu betätigen. ­Wie viel Strom man damit wieder in die Batterie bekommt, zeigt die Leistungsanzeige im rechten Rundinstrument.

mercedes b electric drive tacho display anzeige armaturen

An der Kraftstromsteck­dose (400V/16A) ist der B nach drei Stunden wieder ­geladen. Connected Service gibt via Smartphone-App oder Laptop Auskunft über den ­Ladestand und lässt den Wagen auch aus der Ferne vorklimatisieren.

  • Harald Stenico

    Kann man den Mercedes mit einem Stecker „Typ 2 “ laden oder nur mit Schukostecker bzw. Gleichstromladen?

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