Mercedes-Benz 300SL – Tauchstation

Wir sind ja jetzt so ein bisschen untergetaucht im grauen Kasten, ein wenig vertrauter mit ihm, und nun dabei seine Geheimnisse nach und nach zu lüften. Dies als kleine Erklärung, was am 300SL so ein bisschen anders ist, als bei den anderen, denn: er ist schon ein bisschen schräg stellenweise. Etwa: Der Fettzug.

19.05.2016 Online Redaktion

Im Flügel gibt es – Benzineinspritzung, du weisst – keinen Choke. Stattdessen hat man ihm einen Fettzug montiert. Ein herrliches Wort übrigens, so etwas kann einfach nur aus Stuttgart kommen. Die Funktion: volles Rohr. Einmal gezogen, schippt die zierliche Bosch-Reiheneinspritzpumpe allen ihr zur Verfügung stehenden Kraftstoff in die Brennräume. Damit derweil der Druck nicht zusammenbricht braucht es dazu sogar noch eine elektrische Zusatzpumpe. Du bist also beim Kaltstart mit allerlei Hebel- und Knopfdrückerei beschäftigt und das parallel zum Hakeln mit Gas und Zündschloss. Läuft er dann, ist man gut beraten möglichst sofort den Fettzug wieder zu lösen und auch die Pumpe abzustellen. Denn es sind Sturzbäche an Sprit, die sich der Flügel gerade in die Zylinder gießt.

Im Bild findet sich der Fettzug als Registerzug links des Lenkrades.

Im Bild findet sich der Fettzug als Registerzug links des Lenkrades.

Wer das nicht beachtet, dem säuft der Bock entweder direkt ab. Oder, schlimmer, es kommt zu massiver Ölverdünnung, durch den an den Kolbenringen vorbeirinnenden Kraftstoff. Dieser wäscht dann gerne auch gleich noch das Öl aus der Zylinderbahn und man erntet einen saftigen Kolbenfresser. Man sollte ihn also besser im Auge behalten, den bösen Zug.

Ansonsten ist der Warmlauf wie gewohnt. Die ersten 120 Sekunden schön konstant auf 2000 Touren halten, nicht pumpen, aber auch nicht zu zaghaft – schon ist der Flügel bereit für die große Tat!

Unser Flügel unter Freunden. Nur Petrus gefällt es irgendwie gar nicht. #autorevuemille #millemiglia #mbmille #brescia #417

Ein von Autorevue (@autorevue) gepostetes Foto am

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