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Schönheit ist relativ: Mercedes 190 E 2.5 Evo II

Schönheit, das Auge des Betrachters und so weiter. Egal, hier handelt es sich um ein technisches Schmankerl aus den 90er Jahren. Den 190 E 2.5-16 Evo II.

18.03.2015 Press Inform

Die schwarz-blaue Metalliclackierung mit dem internen Code 199 stammt noch aus dem Daimlerschen Serienlager; gleiches bei Lampen, Rückleuchten, Kühlergrill, Spiegel und weiteren Kleinteilen. Doch sonst hat der Evo II nicht mehr viel mit einem müden 190er Benz gemein.

Schön musste er nicht sein, der 190 E 2.5 Evo II

Der Mercedes 190 E 2.5 Evo II hatte einen Gegner und dem wollte er so schmerzhaft wie möglich in seine fahrdynamisch vielfach ausgezeichnete Parade fahren: den BMW M3. Der kompakte Bayer war zu seiner Zeit das Maß der Dinge und von seiner Basis um Klassen sportlicher als der 190er-Benz, der im Alltag nur zu gern mit einer umhäkelten Toilettenrolle auf der Hutablage unterwegs war. Der 190er Evo II war und ist keine Schönheit. Zu sehr mussten ihm seinerzeit die Entwickler technisch auf den Leib rücken, um den letzten Funken Sportlichkeit aus ihm herauszukitzeln. Tiefer Frontspoiler, Spurverbreiterungen, dicke Backen und Schweller rundum sowie einen gigantischen Heckflügel, der selbst Manta-Maniacs die Schamesröte ins Gesicht trieb. Schön, nein schön war wirklich anders. Aber der Mercedes 190 E 2.5 Evo II war schnell – sehr schnell. Voll ausgedreht schaffte der Straßenrennwagen 250 km/h.

Mercedes-190-E (12)
© Bild: Andreas Lindlahr

Gewöhnungsbedürftige besondere Schaltung

Dafür sorgte der mehrfach überarbeitete Vierzylinder, der noch auf dem des Mercedes 190 E 2.3-16 basierte. Im Jahre 1990 vorgestellten Evo II war der 2,5 Liter große Vierzylinder mit seinen 16 Ventilen von 150 kW / 204 PS des Evo I auf 173 kW / 235 PS und ein maximales Drehmoment von 245 Nm erstarkt. Aus dem Drehzahlkeller ist der düstere Straßenbolide eine müde Nummer. Seine Maximalleistung steht erst bei über 7.000 Touren zur Verfügung und auch das maximale Drehmoment ist erst jenseits der 5.000 U/min bereit. Doch lässt man den Rennwagen an der langen Leine und dreht die Gänge engagierter aus, erwacht der 2,5 Liter große Vierzylinder zu wahrem Leben und donnert hintergründig brummend los, als gäbe es kein Morgen. An die ungewöhnliche Fünfgang-Schaltung mit dem ersten Gang unten links gewöhnt man sich ebenso wie beim ebenfalls vierzylindrigen BMW M3 schneller als an die Übersetzung, die an die hohen Drehzahlen angelegt ist. Die Fahrwerksabstimmung mit ihren 235er-17-Zoll-Rädern ist straff – die Lenkung angenehm direkt.

Mit dem Mercedes-Benz 190E 2.5 16V EVO II am Nürburgring

Unter dem Heckflügel

Die seltsame Symbiose aus müder Familienkutsche und scharfem Rennwagen, die einen bereits von außen in seinen Bann zieht, gibt es auch im Innern. Fade Instrumente, blasse Bedienelemente und Normalo-Verkleidungen kennt man bestens aus dem Serien-Benz der 80er und frühen 90er. Der Tacho des DTM-Ablegers reicht jedoch bis 260, der Drehzahlmesser sogar bis 9.000 Touren und erst bei 7.700 U/min wird der Drehzahlbereich rot untermalt. Den sportlichen Anspruch unterstreichen Bordcomputer sowie Voltmeter und die ablesbare Öltemperatur. Zudem gibt es bequeme Sport-Teilledersitze mit dem charakteristischen Karomuster, ein elektrisches Schiebedach, Fensterheber vorn und hinten, Fahrerairbag sowie konturstarke Einzelsitze auch im Fond. Die Sicht nach hinten ist besser, als man es von außer erwartet. Der gigantische Heckflügel ist derart hoch, dass man im Rückspiegel darunter durchschauen kann und nur der obere Teil der Heckscheibe ist abgeklebt. Die Abrisskante des Heckspoilers verlängert den familientauglichen Laderaum der besseren Aerodynamik wegen um ein paar Zentimeter. Auf solche Ideen muss man erst einmal kommen.

Mercedes-190-E (17)
© Bild: Andreas Lindlahr

Was kosten Evo I und II heute?

Auf dem freien Markt braucht man nach einem der seltenen 502 Modelle nicht zu suchen. Ein realer Markt ist nicht vorhanden und so muss man nehmen, was angeboten wird. Der 204 PS starke Evo I ohne den martialischen Auftritt seines großen Bruders kostet je nach Zustand zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Einen der 235 PS starken Mercedes 190 E 2.5 Evo II mit ihren 235 PS in die eigene Garage zu bekommen, schlägt mit mindestens 100.000 Euro zu Buche. Die verfügbaren Modelle kommen dabei nicht selten aus Japan und befinden sich daher in einem allerdings sehr guten Pflegezustand ohne Rennkilometer. Die laufende Nummer des Wagens, von dem offiziell 502 Modelle gebaut wurden, befindet sich auf dem Schaltknauf, auf dem allerdings nur von 500 Autos die Rede ist. Real sind es 502. Nach wie vor eine der schärfsten Möglichkeiten, einen Mercedes zu fahren – mit einzigartigem 90er-Charme.

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