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Meine Freundin, die Ideallinie

Wenn ein Trackday nicht nur zur Belustigung, sondern auch zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten dienlich sein soll, hilft nur ein Fahrertraining.

07.04.2015 Online Redaktion

Wer kennt es nicht – das ­Bedürfnis, einmal sein Auto auf legale Art und Weise fliegen zu lassen? Einmal damit auf die Rennstrecke zu gehen und das Gerät und sich selbst ans Limit zu bringen? Mehrere Wege führen zur Erfüllung dieses Wunschtraums, schlau ist es, das unter sachkundiger ­Anleitung zu tun. Eine Möglichkeit ist ein Training am Pannoniaring bei sportfahrer.at. Chefinstruktor Marko Klein kann auf respektable motorsportliche Erfolge (Porsche-Cup, ­X-Bow-Battle etc.) zurück­blicken und vermag sein Wissen auch gut zu übermitteln. Steht kein eigenes Auto zur Verfügung, unterstützt das sympathische Team um Mastermind Marko gerne bei der Organisation eines Tracktools.

Vertraut machen

Nach kurzer Begrüßung und theoretischer Einweisung sitzt man schon im Auto, schließlich sind wir ja zum Fahren hier. Raus auf die ­Strecke, Marko am Beifahrersitz, zwei, drei Runden lang. „Zur Feststellung, wo der Fahrer steht“, meint er, und natürlich zum Kennenlernen der Strecke. Danach werden die Plätze getauscht, ein Daten­logger eingebaut. Marko zeigt vor, wie es geht, wo die Bremspunkte liegen, wo richtig eingelenkt wird, wo die Linie liegt. Was etwas leicht Deprimierendes hat, wenn man gezeigt bekommt, was man nicht kann. Egal, schließlich sind wir zum Lernen hier, außerdem gibt’s kaum einen, der mehr Pannoniaringrunden am Zähler hat als Marko. Jeder Kiesel auf der Strecke grüßt ihn schon von weitem. Im Anschluss knallt er eine Referenzzeit mit dem Auto hin, die die Grundlage des Trainings bildet.

Tagesziel gesteckt und Attacke

Nachdem der X-Bow zwar ein fantastisches Tracktool ­darstellt, jetzt aber nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für Unterhaltungen im Auto bietet, gibt’s die erste Unterweisung in der Box. Marko hält den Streckenplan in der Hand: „Von der Linie passt’s bei dir schon ganz gut – dein gröbster Fehler: Du schaltest zu viel. Das bringt nicht nur Unruhe ins Auto, sondern stresst auch dich sehr. Schau: Zwischen diesen Kurven hast du vier Mal geschaltet, ich fahr’ das alles im Vierten. Und jetzt viel Spaß, beim nächsten Mal sitzt du alleine im Auto.“ Ich versuche, mir seine Tipps zu Herzen zu nehmen, was bei dem nervös eingestellten Shiftlight im Auto gar nicht so einfach ist – man hört im X-Bow außer dem schlürfenden Turbo und dem zischenden Pop-Off-Ventil ja nix. Erneut an der Box, vergleichen wir die Zeiten und die Linie. Das Delta ist atemberaubend schlecht. Marko hat eine 2.03 in den Asphalt gebrannt, ich bin mit 2.13 um den Kurs geeiert. Ich tröste mich mit der Tatsache, dass er schon mal die X-Bow-Battle gewonnen und auch sonst ziemlich alles Denkbare um diesen Kurs getrieben hat. „Die langsamen Ecken sind sehr schön, da passen Linie und Speed. Bei den Mut-Ecken musst du dich mehr trauen, aber das ist am Anfang völlig normal. Stecken wir uns eine 2.10 als Tagesziel.“ Klingt ­plausibel. Ich bitte ihn auf den Co-Sitz, wegen der zeitnahen Unterweisung, wir einigen uns auf eine Zeichensprache zur Verständigung.

Ein guter Tag

Und wie das läuft. Bei den meisten Ecken geht mir unter seiner Führung der sprichwörtliche Knopf auf, andere wollen freilich noch geübt werden. Und dann ist noch folgende Geschichte: Nimmst du aus einer Kurve zu viel Schwung mit, muss das nicht immer von Vorteil sein – was ich, weil viel zu schnell angegangen, mit ­einem prächtigen Dreher eingangs der Zielgerade feststellen muss. Wie peinlich.

An der Box gibt’s wieder Tipps und Tricks am Streckenplan plus eine Garnitur neuer Reifen. Tribut an den Übermut. Und die Bestätigung: „Wenn du merkst, es geht sich nimmer aus, dann brauchst net den Helden spielen. Insofern hast’ völlig richtig reagiert.“

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© Bild: Michael Szemes

Den nächsten Stint sitze ich demütig und dennoch heiß bis in die Haarspitzen im Cockpit. Immer besser passt mir das Auto, dieses kleine Biest, das nach einer harten Hand bettelt. Gottseidank ist kaum Verkehr, sodass ich mich aufs Wesent­liche konzentrieren kann. ­Anbremsen, zurückschalten, einlenken, rausbeschleunigen – immer wieder. Du kommst in einen richtigen Flow, in dem alles mit einer Leichtigkeit von der Hand geht, so ­du dich nicht gegen die Ratschläge gesperrt hast.

Zielflagge, auf in die Box. Marko steckt die Speicherkarte des Dataloggers in den Laptop – und macht ähnlich große ­Augen wie ich. „Hey, eine hohe 2.05 – eine fantastische ­Leistung!“

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