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Mehr ist weniger: neuer B-Zyklus-Motor im Audi A4 2.0 TFSI

Downsizing? Nein! Audi geht einen neuen Weg und kombiniert im B-Zyklus-Motor mehr Hubraum und mehr Leistung mit weniger Verbrauch. Rightsizing nennt sich das.

11.08.2015 Press Inform

Optisch ist der neue Audi A4 seinem Vorgänger beinahe wie aus dem Gesicht geschnitten. Folge: der bisherige Chefzeichner Wolfgang Egger wurde in die norditalienische Designlandschaft verbannt. Der Nachfolger heißt Marc Lichte, kam mit Golfes-Ehren dekoriert von Volkswagen aus Wolfsburg und hat mit der Kreation des A4 so viel zu tun wie die Tesla mit der Erfindung des Automobils vor knapp 130 Jahren. Lichte hat der kommenden Generation von A6, A7 und A8 ein Gesicht gegeben und werkelt in der stillen Kammer unter wachen Augen der Doppelspitze Stadler / Hackenberg an allen neuen Ideen mit vier Ringen.

Unter der Hülle hat sich viel getan

Der noch unter Egger entstandene Audi A4 soll sich in erster Linie BMW 3er und Mercedes C-Klasse zur Brust nehmen. So blass sein Außendesign auch ist, so viel hat sich im Innern und bei der Technik getan. Zum Beispiel haben Limousine und Avant um bis zu 120 Kilogramm abgespeckt, was sich nicht erst im fahrdynamischen Grenzbereich bemerkbar macht. Über den Fahrprogrammschalter lassen sich nicht nur Lenkung, Gaspedalkennlinie und Motorelektronik, sondern auf Wunsch auch die elektronischen Dämpfer ansteuern. Der A4 fährt sich kompakter, leichter als bisher ohne besonders aufzufallen.

Rightsizing

Die Grenzen des Downsizing scheinen erreicht und selbst die technikgetriebenen deutschen Hersteller fahren langsam auf den Pfad der Tugend zurück. Bestes Beispiel ist der neu entwickelte Zweiliter-Benziner im Audi A4, der im November zu den Händlern rollt. Aus einem ehemals 1,8 Liter großen Turbovierzylinder mit 180 PS wurde nunmehr ein zwei Liter großes Triebwerk mit 140 kW / 190 PS. Der zugegeben recht kernige Klang bringt unter dem Strich eine hoch effiziente Verbrennung und einen Normverbrauch von 4,8 Litern auf 100 Kilometer – beeindruckend wenig für einen Benziner in einem Mittelklassemodell, der mit seinen 190 PS und 320 Nm maximalem Drehmoment allemal Laune macht und Tempo 240 schafft. 0 auf Tempo 100: 7,3 Sekunden.

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© Bild: Audi

Das neue 2.0 TFSI Triebwerk mit 190 PS. Der Abgaskrümmer wurde in den Zylinderkopf integriert.

 

Der Miller-Zyklus wurde optimiert

Der neue Ultra-Motor ohne Hang zur übertriebenen Enthaltsamkeit wurde in den vergangenen Jahren von einem Entwicklerteam rund um den Ingolstädter Motorenpapst Dr. Ralf Budack entwickelt und wird nach seiner Premiere im A4 in verschiedenen Triebwerken des VW-Konzerns – auch mit sechs und acht Zylindern – eingesetzt. „Wir haben vor fünf Jahren mit der Entwicklung dieses Triebwerks begonnen“, erzählt Audi-Antriebsentwickler Dr. Thomas Heiduk, „der Motor hatte bei uns intern die Bezeichnung B-Zyklus, nach dem Entwickler Budack.“ Das Hubraumplus von 200 Kubikzentimetern im Vergleich zum Vorgänger wurde nicht komplett zur Leistungssteigerung, sondern für eine effizientere Verbrennung verwandt. „Unsere Hubkurve wird geschaltet und das Ansaugvolumen von 1,4 Litern stark aufgeladen“, versucht Dr. Thomas Heiduk zu erklären Die Verdichtung wurde auf 11,6:1 statt der üblichen 9,6:1 angehoben. Es ist der sogenannte Miller-Zyklus, den Audi optimiert und leicht abgeändert hat. Es ergibt sich ein höherer Wirkungsgrad und so können sechs bis sieben Gramm CO2 eingespart werden. Einen Plug-In-Hybriden lässt Audi aufgrund der erwartet geringen Nachfrage außen vor.

Innere Werte

So wenig sich der Audi A4 von außen verändert hat, so viel hat sich im Innern bewegt. Die Sitze bieten besonders in der Sportkonfiguration exzellenten Langstreckenkomfort, der sich durch Belederung, Heizung und Belüftung noch deutlich toppen lässt. Überhaupt hat sich der neue A4 kräftig in den höheren Fahrzeugklassen bedient: Fahrerassistenzsysteme wohin das Auge reicht, geräuschisolierendes Dämmglas, beheizte Frontscheibe, Drei-Zonen-Klimaautomatik, animierte Instrumente und Vernetzung inklusiv WLan-Funkwabe lassen keine Wünsche offen. Das hat seinen Preis, denn für knapp 30.000 Euro gibt es wie bisher nur das Basisprogramm des Audi A4 1.4 TSI mit 150 PS einschließlich wertiger Materialien und einer Grundversorgung an Komfort und Sicherheit.

  • Ing. Smurzek W.

    Es wird nachzuweisen sein, ob der neue Moter auch außerhalb der Normzyklen unter normalen Bedingungen sparsam ist oder so wie bei fast allen Turbobenzinmotoren im Vergleich zum Diesel zum Säufer wird. Der Mille bzw Atkinsonmotor wird in Japan schon seit 20 Jahren mit (Mazda Xedos 9) und ohne Aufladung (Toyota Prius) eingesetzt – also im Prinzip nichts Neues.

    • Marcus Lang

      In einem Deutschen Fahrzeug ist es aber ein Novum. Wie Sie hoffe auch ich, dass für den Realverbrauch ebenfalls ein Effekt spürbar ist. Beim Toyota Hybrid ist ja der Atkinson Zyklus ca. für die Hälfte der Verbrauchseinsparung verantwortlich – und nur die zweite Hälfte macht der Elektro- Teil des Hybrid Gesamtsystems aus.

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