Vorne P1, hinten 12C - der neue 650S.
Vorne P1, hinten 12C - der neue 650S.
 

Seelenheil? McLaren 650S

McLaren MP4-12C. Kein Name wie ein Gedicht, mehr wie: Faxgerät. Sicher die Briten kürzen so seit jeher ihre Renner ab, deklinieren brav durch und doch klingt das bei Ferrari einfach besser. Italia, California, überhaupt. Dazu gesellen sich dann Zahlen wie 458 – was für 4.5 Liter Hubraum verteilt auf 8 Zylinder steht.

27.03.2014 asphaltfrage

Und schon sind wir auch am wunden Punkt der Sportwagen aus Woking: Seele. Denn sie wirken in etwa wie ihre Typenbezeichnung. Technoid und ein bisschen gar kühl. Da hilft auch orangefarbener Glitzerlack nicht weiter.

Dabei ist der 12C auf dem Papier ein echter Hammer: 625PS, 3.2 sec auf Hundert, dazu 329km/h Spitze. Da musste das Gegenstück aus Maranello zurückstecken, brachte es nur auf 570PS, 3.4 Sekunden und läppische 325km/h. Und doch traf er tiefer ins Herz als der McLaren. Zu allem Überfluss präsentierten die Italiener im vergangenen Jahr dann die Speciale-Version des 458. Eine feinere Aerodynamik, den schärfsten Saugmotor seit Menschengedenken, dazu Erleichterung und eine computergeregelte Driftwinkelkontrolle.

„Schon in der ersten Kurve stellt sich heraus, dass wir ­Insassen offenbar die einzigen Massenträger sind, von der Fliehkraft gebeutelte Säcke, während dieser Technologieträger insektenhaft in die Kurve zuckt, wohingegen das oft gerne zum Vergleich herbei­zitierte Go-Kart als Linienbus durch Kurven eiert.“ – so beschreibt Kollege Staretz diese Eskalationsstufe des kleinen Ferraris.

Klar das Woking das nicht auf sich sitzen lassen konnte. Deshalb: 650S.

650PS, 678Nm, neues Fahrwerk und neue Aero. Dazu: Flammenwerfer!

650PS, 678Nm, neues Fahrwerk und neue Aero. Dazu: Flammenwerfer!

Seelenheil? Nein, bloß 650PS und Sport. Versteht dafür jeder. Im Prinzip ist der Neue ein großes Facelift des 12C, denn er behält das technische Rückgrat aus Carbon-Monocoque. Der Vorderwagen darf sich nun im Design des Hypersportlers P1 in den Wind strecken und produziert bessere Abtriebswerte. Es sollte sich damit also noch agiler einlenken lassen. An der Flanke wurden die Lufteinlässe vergrößert – nötig weil zur Leistungssteigerung ein höheren Ladedruck gefahren wird. 650PS und 678Nm sind das Ergebnis, filetiert von einem verbesserten Siebengang-DKG.

Damit das Drama endlich nicht mehr zu kurz kommt wurden Techniken wie „cylinder cut“ und „inertia push“ erfunden. Erstere macht den 650S zum rotzenden Feuerspucker, weil er beim Hochschalten die Zündung ausblendet, aber die Einspritzung offen hält. Im Moment des Einkuppelns und des wieder einsetzenden Zündfunkens wird das unverbrannte Gemisch dann optisch und akustisch fröhlich im Auspuff entzündet. Das „intertia push“ sorgt im Race-Modus für eine gezielte Drehmomentüberhöhung kurz vor dem Hochschalten. Dieser kurze Schub sorgt für besseren Vorwärtsdranganschluss im nächsten Gang.

Und so reißt es den 650S dann auch in glatten drei Sekunden auf 100km/h. Beeindruckender ist bloß der Wert auf 200km/h: 8.4 Sekunden. Neuer Topspeed: 333km/h. Doch McLaren ging es beim 650S nicht nur um nackte Zahlen. Komfort, Alltagstauglichkeit und all jene Dinge, die das Fahren angenehmer machen, sollen auch verbessert worden sein.

Vorne P1, hinten 12C - der neue 650S.

Vorne P1, hinten 12C – der neue 650S.

So wurde die Befestigung der Stoßdämpfer am Chassis optimiert um die Übertragung von Geräuschen und Vibrationen zu minimieren, gleichzeitig wurde aber die sportliche Geometrie für maximale Agilität beibehalten. Weiterhin kümmert sich die ProActive Chassis Control um die Kontrolle von Dämpferhärte. Zur Auswahl stehen Normal, Sport und Track-Modi, die sich – wie aus dem 12C bekannt – auch unabhängig von der jeweils gewählten Einstellung des Antriebs.

Im Interieur gibt es neben großflächiger Alcantaratapezierung auch ein Touchscreen-Infotainment mit Navi, DAB-Radio, Bluetooth für Telefon und Audio-Streaming, sowie Sprachsteuerung. Auf Wunsch gibt es noch die Leichtbausitze aus dem P1, eine Einparkhilfe mit Rückfahrkamera und zum leichteren Aussteigen eine elektrische Lenksäulenverstellung.

Auf der Kostenseite wird sich der 650S über den 12C setzen, der übrigens „preisangepasst“ im Programm bleibt. Was das genau heißen soll, das hoffen wir in Kürze erklärt zu bekommen. Klar ist aber: der 650S bringt an den entscheidenden Stellen Verbesserungen, die ihn nicht nur schärfer, sondern auch emotionaler machen. Es wird also ein heißer Sommer werden, wenn er auf den 458 Special trifft.

pixel