Maserati GranTurismo MC Stradale
Das matt als Sonderlackierung ist nicht ganz günstig (kostet so viel wie ein neuer Golf 1,2 TSI) und heißt „Grigio Granito“, also Granitgrau...
 

Testbericht: Maserati GranTurismo MC Stradale

Der erste Straßenmaserati, der die Dreihundertermauer durchbricht. Doch, doch, das ist sehr wohl wichtig.

01.03.2012 Autorevue Magazin

Der Aberwitz des Fahrens als seltener und kurzzeitiger Exzess kann in summa den Glanz des Besitzens nicht übertreffen. Denn das Besitzen füllt allezeit eventuell vorhandene Hohlräume in der eigenen Existenz, zum Beispiel beim Erzählen, genau genommen Renommieren. Und was gibt es Besseres, als erzählen zu können, das eigene Auto fährt über 300, befindet sich mithin in einem schon sehr exquisiten Club. Selbst, wenn es nur 301 sind: drin ist drin. 301 ist unendlich viel schneller als 299.

Wir fuhren nicht ganz so schnell, denn nicht einmal die Rennstrecke bei Venedig, die wir uns als gründliche Autotester auferlegten, ließ das zu, auf den österreichischen und italienischen Autobahnen trauten wir uns trotz fürstlichen Einkommens nicht über die Zwofuffzich hinaus, und in Deutschland waren wir nicht. Aber so viel sei gleich hier ­gesagt, selbst wenn die Sau nur halb aus dem Stall darf, so macht sie doch Krawall für zwei. Wir finden, dass Krawall eine eigene Olympische Disziplin ist. Und unter den räudigen Achtzylinderkrawall­machern tönt sich der Maserati in klingende Höhen.

Sein Name erklärt auch die Entwicklungsrichtung. GranTurismo ist heute arg verwässert (Beispiel: BMW 5er GT), soll aber auf Langstreckenrenntauglichkeit hinweisen, Maserati Corse (MC) ist die Rennsportabteilung der Firma und Stradale heißt Straße. Abgeleitet wurde der MC Stradale vom Trofeo GranTurismo MC, der im gleichnamigen Markencup seit Mai 2010 eingesetzt ist und seinerseits wiederum auf dem Granturismo S basiert. Verkürzt postuliert Maserati die Entwicklung eines Rennwagens hin zur Straßentauglichkeit, was schwieriger sein soll als umgekehrt. Ein straßentauglicher Rennwagen ist nun natürlich keines von beiden richtig, weder Rennwagen noch Sportcoupé, oder wie immer man das nennen mag. So gesehen ist bei diesem Auto das Glas halbvoll oder halbleer, das kann sich jeder aussuchen. Für uns war es halbvoll, denn wir sind erlebnisorientiert.

Was den MC Stradale ­ausmacht, lässt sich aus der Perspektive des GranTurismo S am besten erkennen: zehn PS mehr, 20 Nm Drehmoment mehr, 13 Prozent Verbrauch weniger (wie pfeifdrauf ist das denn?), Federn um acht Prozent härter, das ganze Auto um zehn Millimeter tiefergelegt, 110 Kilo weniger. Letzteres hat zu tun mit dem Rauswurf der Rücksitze, den Carbonschalensitzen vorne, den dünneren Kabelbäumen und dem Verzicht auf Dämm-­Material. Sportauspuff und Keramikbremsen sparen ebenfalls ­Gewicht. Gleichzeitig herrscht im Innenraum eitel Luxus mit Leder, Radio, Navigation und Klimatisierung. ­Potenzial zum Abnehmen wäre also noch dagewesen.

Maserati GranTurismo MC Stradale

Und eigentlich hätten sie es nutzen sollen, denn der MC Stradale ist immer noch ein schweres Viech. 1670 Kilo und nicht allzu flach, das nagt an der Performance. Zum Glück nur dort, wo kaum ein Autofahrer hinkommt (nicht geographisch, sondern fahrtechnisch).

Pflicht ist natürlich zunächst der Race-Modus, der alles freisetzt, was der Maserati bereithält. Die Schaltzeiten in diesem Programm betragen nur noch 60 Millisekunden, in denen aber für einen kleinen Beat ins Genick doch Zeit bleibt. Ein bissl das Gas lupfen schafft da Abhilfe, aber: Wer will das schon?
Das Auto ist kein präziser Athlet, eher ein Schläger.

Neigt zum Übersteuern, ist im ­Extremfall nicht leicht zu ­berechnen und zu kontrollieren, Wagenhöhe und Gewicht helfen auch nicht gerade beim Ruhighalten und Einfangen. Wer hier nicht sein Leben lang geübt hat, kann auf Race Mode auch verzichten und wird in der normalen Einstellung mit ESP-Einsatz immer noch Spaß haben. Ein bissl halt. Die Radikalität, mit der das Auto da manchmal zusammengebremst wird, wirkt irgendwo zwischen demütigend und ernüchternd. Sport-Modus ist ein netter Mittelweg zum Ärgern des Hecks, ständig will es überholen, darf aber nicht.

Unser Vorschlag, um ein superes Auto noch superer hinzukriegen, wäre: Lenkrad kleiner und dünner machen, Auto vielleicht noch etwas ­absenken, Klimaanlage und den ganzen anderen Kram rauswerfen und den optionalen Überrollkäfig serienmäßig bringen (ohne den gibt’s keine Renngurte). Den Maserati GranTurismo MC Stradale haben sie nämlich gebaut, weil Kunden immer wieder so ein Auto eingefordert haben. Und wer so was macht, freut sich sicher auch über härteren Stoff und kauft sich dann halt noch einen weiteren Maserati fürs Herumgondeln. So gesehen ist unsere Idee sogar gut fürs Geschäft und so.

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