Untypisch wenige Reparaturen.
Untypisch wenige Reparaturen.
 

Schlichte Eleganz der Helden

Kein Auto übersetzt das Flair der 1960er so in die Moderne wie ein Maserati Ghibli II. Muss so sein – denn Alexander Fojtik (24) ist Großes gewohnt.

02.03.2013 Online Redaktion

Luxus ist ein Problem. Luxus sättigt, macht müde und im schlimmsten Fall zynisch. Das alles ist Alexander Fojtik bislang noch nicht passiert. Was an ein Wunder grenzt. Sein Vater hat einst eine freie Werkstatt gegründet, bei der er mittlerweile als Mechaniker arbeitet und die sich einen Ruf als Spezialist fürs Delikate erschraubt hat: Oldtimer und Sportwagen der Sonderklasse. Aston Martin DB4 Super­leggera (kaum unter 500.000 Euro zu haben) und ein Lotus Eleven (noch seltener) sind die bisherigen Höhe­punkte von Alex’ Mechaniker-Karriere und lassen andere Feuchttraumautos, die regelmäßig in der Werkstatt zu sichten sind – Ford Mustang GT500, Shelby Cobra –, wie Massenware ­wirken.

Angesteckt von seiner Umwelt, holte sich Alex, damals gerade 18 Jahre alt, den Maserati Ghibli II. Das Auto gilt bis heute als eine Meisterleistung in Sachen Flair-Transfer. Das Pompöse und Legendenhafte der 1960er galt es in ein modernes, frisches und leistbares Auto zu gießen. Et voilà!

Für 10.000 Euro ging das Auto damals her und kam ohne Mängel, die ein Mechaniker nicht problemlos beheben kann. Neue Auspuffkrümmer, Zahnriemen, Bremsen, Lenkung und ein paar Drähte der Elektronik mussten ersetzt werden, fertig.

Ein Problem gab es trotzdem. Denn obwohl es sich um die große Maschine handelt – also den 2,8-Liter-Biturbo mit 286 PS und 430 Newtonmeter –, klang der Ghibli doch ziemlich kastriert. Das Problem ­löste Alex mit einer selbst ­gebauten Edelstahl-Auspuff­anlage. Die Töpfe gab es im Handel, die Rohrabbiegungen baute er selbst (nur zwei statt deren vier), und seitdem hält der Sound das Versprechen, das die Leistungskurve gibt.

 

Sechs Zylinder, zwei Turbolader, 286 PS.

Sechs Zylinder, zwei Turbolader, 286 PS.

„Das Auto musste nur einmal durchrepariert werden. Seitdem musste ich außer Service und Verschleißteilwechsel nicht viel machen. Das spricht gegen den Ruf der Marke“, erklärt Alex. Gerade einmal tausend Euro seien seitdem ins Auto geflossen. Dabei nutzte er das Auto bis letztes Jahr sogar als Alltagsauto (jetzt hat er dafür einen BMW E30 von 1990). Zur Komfortsteigerung verbaute er ein Raulederlenkrad. Das Originallenkrad sei zu weit weg vom Fahrer.

Bei so viel Edelmetall braucht Alex natürlich eine Erdung. Dazu hat er einen Ford Escort, mit dem er 2011 seine Klasse beim Histocup gewonnen hat. Angereist ist er übrigens immer mit dem Maserati, der Vater brachte den Escort dann auf einem Hänger. In diesem Jahr trat er aus finanziellen Gründen nicht an. Er spart auf ein BMW 1er M Coupé. In spätestens zwei Jahren soll es so weit sein. 

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