man unterstellt sich vw
Wolfsburg wird MAN die Richtung vorgeben
 

Künftig wird MAN von VW gelenkt

Krise auf den europäischen Nutzfahrzeugmärkten und in der Maschinenbausparte

06.06.2013 APA

 

Der deutsche Lastwagenbauer MAN verabschiedet sich in schwierigen Zeiten aus der unternehmerischen Selbstständigkeit. Das traditionsreiche Unternehmen hat wie die Konkurrenz heftig mit der Krise auf den europäischen Nutzfahrzeugmärkten zu kämpfen, auch die Maschinenbausparte bekommt etwa die Flaute in der Frachtschifffahrt in ihrem Dieselmotorengeschäft deutlich zu spüren. In diesem Jahr wird das auch kaum besser werden. „Die Konjunktur hat sich leider nicht nennenswert erholt“, sagte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in München.

MAN rechnet mit Gewinneinbruch

Erst am Dienstag hatte MAN die Prognose für 2013 nach unten geschraubt und rechnet nun mit einem deutlichen Gewinneinbruch. Doch mehr als diese bekannten Zahlen dürfte viele Aktionäre ein anderer Tagesordnungspunkt des Treffen interessieren. MAN hat mit der Konzernmutter VW einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag geschlossen, der von den Aktionären abgenickt werden muss. Da VW bereits mehr als die nötigen 75 Prozent hält, ist die Abstimmung allerdings reine Formsache. Mit dem Vertrag zieht MAN einen Schlussstrich unter ihre unternehmerische Selbstständigkeit.

VW gibt die Richtung an

Künftig muss MAN Weisungen aus Wolfsburg erfüllen. Pachta-Reyhofen verteidigte das Vorgehen des Mutterkonzerns. Ohne diesen Schritt sei es kaum möglich, die Vorteile der engen Verflechtung mit Volkswagen zu nutzen. „Ein Beherrschungsvertrag schafft hingegen die rechtliche Basis für eine deutlich unbürokratischere und effektivere Zusammenarbeit“, sagte Pachta-Reyhofen. VW will MAN und die zweite Lkw-Tochter Scania enger zusammenführen und damit unter anderem Kosten senken. Die Wolfsburger hatten 2011 die Mehrheit des traditionsreichen früheren DAX-Konzerns übernommen.

Die Eigenständigkeit der Marke MAN solle auf jeden Fall erhalten bleiben. „MAN wird auch weiterhin für das operative Geschäft verantwortlich zeichnen“, sagte der Manager. Für MAN habe die Zusammenarbeit vor allem Vorteile. VW will auch im Bereich Nutzfahrzeuge mit MAN, der Tochter Scania und der Marke VW Nutzfahrzeuge weltweit führend werden.

MAN ein traditionsreiches Unternehmen

MAN ist eines der ältesten deutschen Industrieunternehmen und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Wurzeln des Konzerns reichen zurück bis zur 1758 gegründeten Eisenhütte St. Antony in Oberhausen. 1897 baute der Ingenieur Rudolf Diesel den ersten Dieselmotor für die damalige Maschinenfabrik Augsburg AG. Inzwischen ist MAN eine der vielen Töchter des VW-Konzerns. Weltweit beschäftigen die Münchner, die neben Lkw auch Schiffsdiesel und Kraftwerksturbinen fertigen, 54 000 Menschen. 2012 lag der Umsatz bei fast 15,8 Mrd. Euro, der Gewinn bei 189 Mio. Euro. MAN ist nach Volkswagen PKW und Audi die drittgrößte Marke im VW-Konzern.

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