Ein verbasteltes Auto um 302.500 Dollar
Ein verbasteltes Auto um 302.500 Dollar
 

Die unglaubliche Geschichte des Magnus Walker – Teil 2

Eine Melange aus Wahnsinn, Kunst, Jeans und Benzin und das Highlight seiner Sammlung

20.09.2014 asphaltfrage

Der Traum des Magnus Walker

Und so wurde ein Teil des Lagers der Willow Street 1317 zu seiner Garage. Einer, in der sein Traum Wirklichkeit werden konnte: jeden Porsche 911 vom ersten Kurzen aus 1964 bis hin zum letzten F-Modell aus 1973 zu besitzen.

Worauf es Walker bei seinen Autos ankommt

Dabei ging es ihm nicht nur ums bloße Besitzen, sondern um die Geschichte hinter den Autos. Ihre Patina und ihre Story. Er fuhr sie täglich, bei jedem Wetter und manchmal einfach nur zum Spaß. Wenn etwas kaputtging, dann reparierte er es in Eigenregie, nutzte die Gelegenheit dann auch oft, den Elfer nach seinen eigenen Vorstellungen umzubauen. Originalität spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Es musste die Funktion erfüllen und ihm gefallen._Magnus Walker Porsche LA (11)

Bunter Hund

Ob ein Dreikommazweier-Einspritzer in einem 72er-Ölklappenmodell, Rückleuchten vom 911 R oder Motorhaube mit Belüftungsöffnungen im Stil des 356ers – Walker machte, was ihm gefiel. Längst sind seine Kreationen Kult, und es bildete sich eine große Fangemeinde im Netz. Auch, weil er selbst in den einschlägigen Foren aktiv ist, um sich auszutauschen, Ideen, Anregungen und Anleitungen zu bekommen. Noch bekannter wurden seine Ideen durch seine neuentdeckte Leidenschaft am Motorsport.

Faszination Porsche 911er

Es scheint keine Clubsport-Veranstaltung zu geben, von der er nicht einen Pokal im Regal stehen hat – und doch sieht er sich nicht als Rennfahrer. Es sei die Faszination des Elfers, der er erlegen ist. Ein Auto, mit dem du jeden Tag in der Stadt Schlange stehen – und im nächsten Augenblick der Bestzeit hinterher sein kannst. Dass sein Lieblingsauto auf breiten Rennfelgen und Hoosier-Slicks steht, dazu gelochte Türgriffe und andere Leichtbaumaßnahmen trägt, zeugt davon: Walker ist kein Blender._Magnus Walker Porsche LA (12)

Autos sind zum fahren da

«Dirt don’t slow you down», sagt er und stellt lässig den Kaffeebecher auf den Spoiler. Autos sind zum Fahren da – und warum sollte er jedem Stäubchen mit dem Lappen zu Leibe rücken? Sie sind zum Fahren da. Gerade die 911er sind zum Fahren da. Für das Erlebnis, die Freude und für nichts anderes.

Das Highlight seiner Sammlung

Wie viele Elfer er in seinem Besitz hatte, weiß er nicht mehr so genau. 40, vielleicht auch 50 werden es schon gewesen sein. Einige hat der Rost dahingerafft, andere wurden auf dem Weg, seine Sammlung zu vervollständigen, eingetauscht. Heute hat er es schon lange geschafft. Bunt zusammengewürfelt stehen sie nebeneinander, vom 64er SWB bis hin zum wunderschönen 73er. Der Feinste jedoch, da ist er sich mit uns einig, ist sein 1966er in irischgrün._Magnus Walker Porsche LA (28)

Der heisere Schrei

Innen ein bisschen verlebt, die Holzfurnier hier und dort aufgeplatzt, und doch ist der Zweiliter wach wie am ersten Tag. Der heisere Schrei, mit dem der Luftgekühlte ins Leben springt, das fordernde Sägen kurz vor der 7.000 – unnachahmlich. Auch befindet sich der Grüne noch in absolutem Originalzustand. Einfach, weil er ihm so gefällt und perfekt ist, wie er eben ist.

Ein verbasteltes Auto um 302.500 Dollar

Die Frage, ob er Autos auch verkaufe, ist schnell geklärt. Natürlich. Wenn er mit einem Projekt fertig ist, dann ist es nicht so, als dass er den Spaß direkt verliere, aber wenn ihn jemand anspricht und den Elfer kaufen will, dann gibt er ihn her – um Platz für einen Neuen zu schaffen. Und mit der Kreativität von vorne zu beginnen. Dass ein Ex-Magnus-Walker-Auto durchaus zu ambitionierten Preisen fähig ist, zeigte die Auktion in Pebble Beach im vergangenen Jahr: sein breiter 72er mit einem 275 PS starken 3.2er, den goldenen Felgen, der roten S-Schnauze und den R-Zusatzleuchten brachte unfassbare 302.500 Dollar ein. Für ein – in Fachkreisen – komplett verbasteltes Auto._Magnus Walker Porsche LA (22)

Der ist wirklich verrückt!

Wir müssen zugeben, auch wir sind ihm mit ein bisschen Skepsis begegnet. Konnten den Hype nicht so ganz nachvollziehen, wirkte er doch an manchen Stellen nach ein bisschen zu viel Hollywood. Wenn man ihn dann aber erzählen hört, seine Begeisterung spürt und von ihm durch die Hallen geführt wird, vorbei an handsignierten Gitarren von Keith Richards, Led-Zeppelin-Postern, Büchern über Stalin, Hitler und Handfeuerwaffen und die sich regalweise stapelnden Stoffrollen, zwischen denen sich hier ein Motorgehäuse und dort eine Hinterachsschwinge findet, weiß man: der ist wirklich verrückt. Nicht nur bloß ein bisschen, sondern: richtig.

Eine Melange aus Wahnsinn, Kunst, Jeans und Benzin

Selten haben wir eine Melange aus Wahnsinn, Kunst, Jeans und Benzin gesehen, die uns derart gepackt hat. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er ein wunderbar ehrlicher Typ ist. Klar, er versteht es, sich auf der PR-Bühne bestens zu bewegen, beantwortet artig alle Fragen, auch wenn sie ihm schon zum hundertmal gestellt wurden – wenn Du ihn aber kitzelst, zu verstehen gibst, dass Du weißt, die 911-E-Nockenwelle ist die beste Tuning-Maßnahme für kleines Geld in den Luftgekühlten, dann horcht er auf. Dann sprudelt es nur so aus ihm heraus, dann zieht er Dich in die hintersten Ecken seiner Garage, zeigt voller Stolz rare RSR-Einspritzungen, Spoiler von Brumos-Rennern und Teile seines allerersten Elfers._Magnus Walker Porsche LA (9)

Dass er nach der Komplettierung seiner F-Modell-Sammlung und dem Besitz aller Modelljahre der nicht ladeluftgekühlten 930 mit der Suche nach Transaxle-Modellen angefangen hat, macht ihn nur noch sympathischer. Weil er keine Lust mehr auf die explodierenden Preise hat. Weil er den Elfer zwar liebt, aus ihm aber nicht den heiligen Gral macht, wie zu viele andere. Weil es ihn mit dem Kopf schütteln lässt, dass er heute den dreifachen Preis für einen 71er Targa bezahlen soll wie noch vor fünf Jahren.

Es bleibt spannend

Weniger als fünftausend Dollar habe sein 924 turbo gekostet. Ein tolles Auto. Eigentlich der Anfang für seine Interpretation des Carrera GT – doch nach den ersten hundert Meilen war ihm klar: er ist viel zu gut, um ihn auseinanderzunehmen. Er wird weitersuchen, einen 931 nehmen, der nicht so gut beinander ist, um daraus eine echte Waffe zu machen. Wir empfahlen ihm dann noch sich auch nach einem 944 der ersten Serie umzusehen, dazu einen 928 S als Handschalter mit dem kleinen Gummispoiler. Genau die beiden wolle er auch, vielleicht aber auch noch einen 928 GTS aus dem letzten Baujahr: weil es ihn reizen würde, aus dem «land shark» einen «outlaw» zu machen. Wir sind gespannt und versprechen, von seinem Baufortschritt zu berichten.

Vielen Dank an radical-mag und Fabian Mechtel

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