paris Motorshow 2010 Christian Seidel
Parcours für Betrunkene.
 

Maafen fett

Was man sieht, wenn man sich gerade nichts anschaut.

01.10.2010 Online Redaktion

Oh, hier ist es aber schön ruhig. Der blaue Teppich wurde durch einen roten ersetzt, niemand geht einem vor der Kamera herum, es ist nicht laut, keine Models. Die grellen Scheinwerfer, die sonst die Autos bestrahlen, wurden durch sanfte Deckenleuchten ersetzt. Wer dies alles bei einer Messe spürt, der ist in einer Verbindungshalle. Also einer Art Durchgang zwischen den wirklich großen Gebäuden, in denen die Hersteller um Aufmerksamkeit buhlen. Hier tummeln sich vor allem Versicherungen und Magazine.

Beispielsweise die Versicherung Maaf, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Präventionsarbeit gegen durch Alkohol verursachte Unfälle zu betreiben. Gratis gibt es im iTunes-Store beispielsweise den Alcoteel. Ein Programm, bei dem man per witziger Drag&Drop Grafik eingeben kann, was man am Abend so getrunken hat. Man zieht einfach das Comic-Bierglas, das Comic-Cocktail-Glas und das Comic-Champagner-Glas in eine Leiste und Sekunden später hat das Programm berechnet, wann man wieder Auto fahren darf – freilich muss man vorher eingeben wie alt, schwer und groß man ist.

Natürlich muss der Messe-Besucher (ich) erst einmal erfahren, wie unterschiedlich die Wahrnehmung zwischen nüchternem und betrunkenem Zustand ist. Hèlen kümmert sich liebevoll um mich. Allerdings drückt sie mir statt eines kühlen Bieres eine Brille in die Hand. Diese Brille nennt sich „Fatal Vision“ und verzieht einem die Optik so, als wäre man betrunken. Das erspart mir immerhin viel Zeit. Der Effekt ist eine Mischung aus Fischauge, kaputter Brille, Spiegeleffekten und Seegang. Fatal Vision gibt es in verschiedenen Stärken. Weil Hélen in mir scheinbar einen geübten Trinker erkannt hat (danke dafür), drückt sie mir die stärkste Version aufs Auge. „It is like, you had eight beer.“

Derart ausgerüstet muss man eine gerade Linie lang gehen. Ich scheitere. Anschließend gilt es, einen Pylonenparcours im Slalom zu meistern. Der Trick ist, einfach auf den Boden zu starren. Hélen bemerkt das ich schummel und meint, ich soll geradeaus schauen. Ich reiße das letzte Hütchen um, muss mich am Gebüsch abstützen und mir wird übel. Boah, die Brille funktioniert gut.

Einen Stand weiter präsentiert sich ein französisches Videospielmagazin. Das Publikum einer Automesse ist aber, zumindest während der Pressetage, ein anderes. Und so ist der Stand verwaist. Dabei gibt es den echten Chevrolet-Van des A-Teams zu sehen. Boah. In so einer Karre fuhr damals Mr. T. (der, der immer einschlief, wenn er das präparierte Glas Milch getrunken hatte; auf den Trick fiel er in jeder Episode rein … tolle Serie). Hintergrund ist, dass das neue A-Team-Spiel für die Microsoft X-Box erschienen ist. Das ist allerdings nicht halb so lustig.

Statt zu zocken erfülle ich mir einen Kindheitstraum. Ich setze mich in den Van und sage: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

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