Lotus Modelle
"Gegen die Wand" ist ein (sehr guter) Film von Fatih Akin und sollte nicht der Leitspruch von Lotus sein.
 

Was wurde eigentlich aus … Lotus?

Knapp 10 Millionen Dollar Ablöse für den Lotus-Chef Dany Bahar, der Abbau von 325 Jobs und dann noch ein Crossover-Modell. Was wird aus Lotus?

15.10.2014 radical mag

Doch fangen wir vorne an. Dany Bahar hatte hochtrabende Pläne mit Lotus. Der „Schweizer“ wollte aus der britischen Marke einen Ferrari-Konkurrenten machen, zahllose neue Modelle lancieren und und und… Leider hatte er wohl vergessen, dass es dafür Geld braucht. Und wer Kohle ausgibt, die er nicht hat der – wird in die Wüste geschickt. In der Wüste ist er nicht gelandet, er schiebt irgendwo auf der Welt eine ruhige Kugel. Denn er hat sich außergerichtlich mit dem damaligen Lotus-Besitzern geeignet, dass sein Gehalt noch bis 2015 bezahlt wird.

10 Millionen „Abfindung“ und der Abbau von 325 Jobs

Fast 10 Millionen Dollar bekommt der in Istanbul geborene Bahar nun auf sein Konto. Nett, erst eine Marke ruinieren und dann 10 Milliönchen bekommen. Aber das ist Schnee von gestern. Mittlerweile hat Jean-Marc Gales die Leitung bei Lotus übernommen. Und gleich mal die Keule ausgepackt. Im September hat er angekündigt, 325 Jobs bei Lotus zu streichen – nicht weniger als einen Viertel aller Beschäftigten auf die Straße zu stellen. Diese Leute werden besonders erfreut sein, dass Bahar in der gleichen Zeit 10 Millionen fürs Nichtstun bekommt… Immerhin, Gales scheint im Gegensatz zu Bahar etwas von Autos zu verstehen. Er war unter anderem Verkaufsverantwortlicher für Mercedes-Benz und war ab 2009 oberster Boss bei Citroën. Der Luxemburger proklamierte bei seiner Amtseinführung, dass man sich bei Lotus auf die alten Werte besinnen müsse. Alle von Bahr angedachten neuen Modelle wurden in den Papierkorb entsorgt.

Lotus Elise Cup

Cup-Modell der Elise

Garantie für drei Lotus-Modelle erweitert

Eigentlich eine gute Idee, denn Lotus musste erst einmal ein paar Rechnungen bezahlen. Die Zulieferer versorgten den Autobauer nur noch gegen Cash mit Bauteilen, die Liefersituation war deswegen zeitweise prekär. Aber, Gales hat Wort gehalten, die bestehenden drei Modell verbessert und die Garantie für Evora, Exige und Elise auf drei Jahre erweitert.

Alles im Lot also bei Lotus?

Naja, nicht ganz. Erstens ist es um einen Nachfolger für das eigentliche Volumenmodell Elise schlecht bestellt. Die Elise der dritten Generation wird seit dem Jahr 2000 gebaut, seit 2010 gibt es ein Facelift. Ein 14 Jahre altes Auto, das muss ersetzt werden. Aber, da ist nichts in Sicht, und es kommt noch schlimmer. Während Gales von der Stärkung des Markenkerns redete, nimmt er auf einmal das Wort Crossover in den Mund.

Lotus Evora GT4

Lotus Evora GT4

Ein Crossover-Modell von Lotus

Auf Basis des Evora soll ein solches Modell innerhalb von 24 Monaten lanciert werden. Nur zur Erinnerung, auch ein Nissan Juke ist ein Crossover-Modell – wir ahnen Böses. Wieso zum Henker man jetzt von Crossovern statt von einer neuen Elise redet, wir können nur den Kopf schütteln. Wenn etwas den Kern der Marke nicht trifft, dann so ein Auto dass weder Fisch noch Vogel ist. Ach, was kümmert mich das Geschwätz von gestern…

Lotus Elise Cup

Cup-Modell der Elise

Neuer Technikchef bei Lotus

Immerhin ist mittlerweile klar, dass Toyota weiterhin die Antriebe liefern wird. Und zumindest diese Kontinuität wird der Marke gut tun. Da muss sich der neue Technikchef, der Spanier Miguel Fragoso, immerhin nicht groß umgewöhnen. Bevor er ein Entwicklungszentrum in England leitete war er bei General Motors unter der japanischen Marke Isuzu unter Vertrag. Wir sind skeptisch, ob ein Crossover-Modell die Marke zu altem Glanz führen wird. Aber immerhin scheint bei den neuen Leuten an der Spitze einiges an Know-how vorhanden zu sein. Und das ist doch immerhin etwas.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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  • Castrol TWS

    An dem Tag, an welchem dieser Schaumschlaeger Taner Bahar die fuenf Luftschloss-Loti vorgestellt hat, entschloss ich mich dazu meine bemani-ELISE zu veraeussern um mir hernach eine S1 zuzulegen. Mir schwante bereits damals Schlimmes (Verrat an den Core-Values der Firma LOTUS und damit einhergehend die gefaehrliche Absicht die gut besetzte Nische zu verlassen). Das konnte meiner Meinung nach nur schief gehen. Nebenbei, er schiebt mitnichten eine ruhige Kugel: offenbar beabsichtigt er mithilfe der Ares Performance GmbH (scheint irgendwie aus diesem graesslichen “Veredler“ Mansory hervorgegangen zu sein) Menschen mit endlos Geld, etwas Benzin im Blut und null Geschmack begluecken zu wollen.

    http://www.bilanz.ch/unternehmen/dany-bahar-edles-blech-385150
    und
    http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/industry/engineering/11077576/Want-a-1m-car-like-nothing-else-on-the-road-Dany-Bahars-your-man.html

    Mit Fragoso ist es auch so eine Sache: man weiss nicht so recht ob man seinen Stellenantritt fuer gut befinden soll oder nicht. Immerhin hatte er, soviel ich weiss, den Millbrook Proving Ground in Engineering und Teststrecke aufgesplittet. Anschliessend wurde an Investoren verkauft. Das war seine letzte grosse Tat bei GM. Angeblich wird jetzt bei LOTUS hausintern gemunkelt, dass Fragoso das Engineering abspalten und veraeussern soll. Immerhin bleibt sich LOTUS insofern treu, als dass sie bereits zu Colin Chapman’s Zeiten ab und an in finanziellen Schwierigkeiten steckten oder sich mit dubiosen Investoren eingelassen haben. Hoffen wir das Beste, sonst bleibt am Ende nur noch der C4. Und der ist, so gut er auch sein mag, kein adaequates Subsitut fuer einen Lotus-Junkie.

  • aral

    ein trauerspiel um nicht zu sagen fiasko.
    und ein beeindruckendes beispiel für das herrschaftsverständnis der kemalistischen oberschicht.

    wie dem auch sei; einem crossover den vorzug vor einem nachfolger der elise zu geben würde das markenbild entgültig niederwerfen und einen der letzten hersteller, der noch fahrspass produziert und verkauft im einheitsbrei des kontinentaleuropäischen autoangebots untergehen lassen.

    niemals wird ein lotus einen deutschen autobahn-lkw an assistenz- und komfortsystemen übertreffen können. immer wird er ihn an sleekness, fahrbarkeit und erlebnis übertreffen und das ohne sechsstellige eurobeträge zu kosten.

    was der autojoe da im übrigen schreibt ist mir nicht ganz verständlich. ein lotus war nie inflationär verbreitet sondern ein besonderes auto für auskenner und fahrer und kein café racer.
    und genau diese art von autos ist es, was porsche so erfolgreich hat werden lassen.
    ich sehe in porsches hauptsächlich millionärsgattinen oder -töchterchen zum shoppen fahren.
    oder glaubt irgenjemand, dass ein cayenne oder ein heutiger carrera noch sportwagen sind?
    bleiben ja noch die gts oder gar gt, werden manche sagen.
    aber zum preis einer solchen dampfwalze bekomme ich zwei lotus, ganz abgesehen davon, dass es schon an kundenverarschung grenzt für eine spitzere kennlinie, breitreifen und die entfernung aller komfortausstattung 50% aufpreis vom basismodell zu verlangen.
    immerhin muss ich dann nicht mehr allzuviel investieren um cuptauglich unterwegs zu sein.
    ja schon klass, so ein zuffenhausener…

    was daran gut sein soll, dass toyota weiterhin die motoren liefert ist mir ebenfalls schleierhaft.
    so zuverlässig die marke sonst auch sein mag, die 1zz und 2zz aggregate der mittleren elisen waren alles andere als standfest. immerhin soll der aufgeblasene sechser in der exige sehr gut sein, wie man so hört.

    abschließend: alles versuche sich richtung massen- und imagemarkt zu entwickeln, können nur schiefgehen, denn frauen lassen sich noch immer von einem lamborghini (knallbunter A8) mehr beeindrucken als von einer elise.
    und leute die das geld haben und einen spaßbringenden sportwagen kaufen wollen werden immer ein kleine gruppe darstellen. deswegen bleibt lotus nichts anderes übrig als sein glück in der nische zu suchen.
    ohne türkische blindgänger in der unternehmensführung.

  • Autojoe

    Lotus hatte bereits mit dem Elan in den sechziger Jahren Sportwagen gebaut welche zur damaligen Zeit auf Augenhöhe mit Porsche waren. Mazda hat dieses Konzept in ihrem Model MX5 (miata) aufgenommen und bis dato erfolgreich verkauft. Lotus konnte sich seit damals nicht mehr weiterentwickeln und alle weitern Modell haben nun Seltenheitswert.

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