Lola T70 Mk IIIb Sbarro vorne seite
Franco Sbarros Aufgabe war es, die Lola T70-Rennchassis straßentauglich zu machen.
 

Lola T70 Mk IIIb by Sbarro

Ein Ferrari zu langweilig, ein Porsche zu profan? Wie wäre es mit diesem Lola T70, der einst tatsächlich eine Strassenzulassung hatte?

06.03.2014 radical mag

Francesco Zefferino Sbarro, geboren 1939 im süditalienischen Lecce, wollte eigentlich Literatur studieren. Doch dann war seine Leidenschaft für alles Automobile doch größer – und er nahm als 17-jähriger einen Job als Auto-Mechaniker in der Schweiz an. Wenig später traf er Georges Filipinetti, den Chef der legendären Scuderia Filipinetti, wurde bald schon Chef-Mechaniker dort, baute auch sein erstes eigenes Auto, das Filipnetti Coupé. 1968 machte sich Sbarro, genannt Franco, in Grandson am Neuenburgersee mit einem eigenen Konstruktionsbüro selbständig. Anfangs ohne großen Erfolg, sein erstes Werk, der Sbarro ACA Spider auf Basis des NSU TTS1000, blieb ein Prototyp.

Lola T70 Mk IIIb by Sbarro

Die Rennen des Lola T70

Doch Sbarro hatte einen guten Namen in der Rennszene. Und so wurde er 1968 von Eric Broadley, dem Gründer und Besitzer von Lola angesprochen, ob er nicht vielleicht den Lola T70 zum Straßenauto umbauen könnte. Lola, gegründet 1958, hatte bereits mit seinem Erstling, dem Mk 1, einen Rennwagen geschaffen, der für Furore sorgte. Später kam dann der Mk 6, besser bekannt als GT, der die Basis darstellte für den Ford GT40, der in Le Mans vier Mal gewann. Broadley war damals mit Ford verbandelt, doch die Liebe hielt nicht ewig, und so baute er ein neues Renngerät, den T70. Und das war ein großartiges Gerät, bei den 24 Stunden von Daytona gewann der Lola in den Händen von Donohue/Parsons, Rang zwei schaffte der Schauspieler James Garner, bekannt etwa aus «Detektiv Rockford». Ein außergewöhnlicher Erfolg, denn die Konkurrenz von Porsche, Ford und Alfa Romeo sowie Fahrern wie Jo Siffert, Vic Elford oder Brian Redmanwar damals stark.

Vom T70 entstanden in mindestens drei Versionen (Mk II, Mk III und Mk IIIb) etwas über 100 Stück. Und weil der Lola auch ein schönes Fahrzeug war, wurde Broadley immer wieder angefragt, ob er nicht vielleicht eine Straßenversion verkaufen wolle.

Lola T70 Mk IIIb by Sbarro

Sbarro machte den T70 komfortabel und straßentauglich

Und dann kam eben Franco Sbarro ins Spiel. Er kleidete den T70 mit einem Lederinterieur aus, verpasste ihm eine Klimaanlage und ein HiFi-System – und stellte den Wagen 1969 auf den Rennwagenshow in London aus. Broadley, heißt es, war nicht ganz überzeugt, doch er willigte trotzdem ein, Sbarro sieben T70-Chassis (Fahrgestellnummern SL-101 bis 107) zu liefern.

Wie viele Lola T70 Sbarro tatsächlich umbaute, das weiß man heute nicht mehr so genau. Wahrscheinlich waren es 11 Stück, ein letzter im Jahr 1978, ausgerüstet mit dem 3,3-Liter-Motor aus dem Porsche 911 Turbo und einem Getriebe aus dem Porsche 935. Verkaufspreis: 100.000 Franken. Ein Schnäppchen für einen Sportwagen, der damals schon 310 km/h schnell war. Und nur gerade 95 Zentimeter hoch. Die anderen Lola T70 von Sbarro waren mit V8-Maschinen von Chevrolet motorisiert, ein Exemplar erhielt einen 4-Liter-V12 von Ferrari.

_autorevue-classic-cars-lola-t70-mkiiib-sbarro-9

Chassisnummer SL-106

Das hier gezeigte Fahrzeug, Chassisnummer SL-106, kaufte der Rennfahrer Chuck Parsons, der ja gute Erfahrungen mit den Lola hatte. Er wandelte ihn wieder in einen Rennwagen um, bewegte ihn in den Saisons 1969 und 1970 mit anscheinend wenig Erfolg (wobei, man weiß es nicht so genau). 1971 erlitt das Fahrzeug einen Unfall, wurde abgestellt – und erst 1999 von einem neuen Besitzer komplett restauriert. Später erhielt der Sbarro-Lola die blaue Sunoco-Lackierung des Daytona-Siegers von 1969 und wurde regelmäßig bei historischen Rennen eingesetzt.

_autorevue-classic-cars-lola-t70-mkiiib-sbarro-7

Unter dem Hammer für 168.000 Euro

Anfang Februar versteigerte RM Auctions dieses Fahrzeug, mit einem 450 PS starken Chevy-V8 unter der hinteren Haube, in Paris. Der Zuschlag erfolgte bei 168.000 Euro – weit unter den Erwartungen. Es wäre also eine gute Gelegenheit gewesen – ob der Lola von Sbarro allerdings wieder eine Straßenzulassung, die er einst auch in der Schweiz hatte, erhalten würde, darf man als fraglich bezeichnen.

Mehr Bilder in der Galerie.

Besten Dank an die Kollegen von radical-classics.com.

Mehr zum Thema
pixel