Verkehr auf der Südost Tangente
Drei Viertel der Befragten fühlen sich von Linksfahrern gestört.
 

Studie zum Linksfahren: Drängeln, Rechtsüberholen und Stress

Eine Studie der Universität für Bodenkultur und dem ÖAMTC behandelt das Thema Linksfahren auf österreichischen Autobahnen und bietet Maßnahmen zur Reduktion dieses Phänomens an.

13.12.2013 APA

Das häufige Auftreten des Linksfahrens auf österreichischen Autobahnen ist nicht nur ein Streitthema, es führt zu einem höheren Sicherheitsrisiko und zum Anstieg der Unfallwahrscheinlichkeit. Drei Viertel aller Lenker fühlen sich dadurch das Linksfahren gestört, fast jeder Zweite lässt sich zum verbotenen Rechtsüberholen verleiten. Das sind die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums und der Asfinag.

Drängeln, Rechtsüberholen und Stress

Links- oder Mittelstreifenfahrer gehen selbst meist kein Risiko ein. Sie provozieren aber bei anderen Autofahrern aggressives Verhalten wie Drängeln, verbotenes Rechtsüberholen und lösen Stress aus. Obwohl neun von zehn befragten Österreichern das Rechtsfahrtgebot auf Autobahnen kennen, gaben zwei Drittel zu, zumindest gelegentlich selbst links zu fahren. „Linksfahren ist mit Sicherheit gefährlich“, sagte Josef Fiala, Geschäftsführer der Asfinag Service Gesellschaft, bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Er sprach sich dafür aus, dass ausreichend Abstand gehalten und rechts gefahren werden soll.

Strafe könnte deutlich steigen

„Die übliche Strafe bei Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot ist ein Organmandat mit 21 Euro“, sagte Wolfgang Berger vom Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur. Zumindest diese Strafe könnte jedoch noch steigen, im Juli wurde die Obergrenze für Organmandate von 36 auf 90 Euro hinaufgesetzt, bisher hat nur das Bundesland Wien einen neuen Organstrafenkatalog erlassen.

Definition als Streitfrage

Generell gebe es für Linksfahrer „moderate Strafen“, sagte ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. So reicht der Verwaltungsstrafrahmen bis zu 726 Euro. Hoffer führte aus, dass „gedankenlose Linksfahrer“ im Gegensatz zu Dränglern über „kein Aggressionspotenzial“ verfügen. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist das Rechtsfahrgebot unscharf definiert. Auf Freilandstraßen hat ein Fahrzeuglenker so weit rechts zu fahren, wie ihm das zumutbar ist, erläuterte Hoffer. Und Zumutbarkeit ist natürlich subjektiv, ergänzte Berger.

3.500 Anzeigen in NÖ

„Linksfahren als Auslöser für Unfälle ist nicht erfassbar“, so Berger. Zumindest zu den Strafen gibt es dennoch Zahlen: So wurden von Jänner bis August allein in Niederösterreich 3.500 Amtshandlungen wegen Linksfahrens erfasst, die Anzeigen erfolgten „oft in Verbindung mit anderen Delikten“, sagte Berger.

Studie der Universität für Bodenkultur und dem ÖAMTC

Insgesamt wurden bei der umfangreichen Studie zum Phänomen Linksfahren auf mehrstreifigen Richtungsfahrbahnen, durchgeführt von der Universität für Bodenkultur und dem ÖAMTC mit Vertiefungsinterviews, Raststättenerhebung und Fokusgruppen drei Typen von Linksfahrern festgemacht:

  • Aktive Linksfahrer bzw. Linksdrängler wollen zügig und ungehindert vorankommen und gehen durch dichtes Auffahren ein hohes Risiko ein, sie fahren aktiv und schnell auf dem linken Fahrstreifen. In diese Gruppe gehören eher Männer, Personen mittleren Alters, Vielfahrer sowie Lenker, die beruflich unterwegs sind und auch leistungsstarke Autos steuern.
  • Der passive Linksfahrer bzw. Linksbremser beobachten das Drängeln und Rechtsüberholen häufiger, tun es aber selbst seltener. Sie sind spürbar unter der möglichen Geschwindigkeit unterwegs. Hierzu gehören eher Frauen sowie jüngere und ältere Personen, Lenker mit wenig Fahrpraxis und Personen, die privat unterwegs sind. Sie handeln oftmals aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit, ohne böse Absicht, erläuterte Berger.
  • Die dritte Gruppe umfasst den Sonderfall Linksausweichen im Bereich von Autobahnauffahrten. Hier handeln Lenker aus Rücksicht, um auffahrenden Lenkern das Einfädeln zu erleichtern, das stört weniger. „Alle machen das“, so Berger.

 

Empfehlung: Entspannte Reaktion

„Niemand kann gezwungen werden, Höchstgeschwindigkeiten immer auszunutzen“, sagte Hoffer. „Ich brauche nicht schneller zu fahren als mir zumutbar ist.“ Fährt man beispielsweise beim Überholen einer Lkw-Kolonne auf der linken Spur und wird von anderen Lenkern bedrängt, rät Hoffer zu einer entspannten Reaktion: „Rechtsblinken um zu signalisieren, ich hab dich wahrgenommen. Sobald ich bei den Lkw vorbei bin, fahre ich nach rechts, ich bitte noch um etwas Geduld“, erklärte Hoffer.

Das Fazit der Studie

Die einzige Maßnahme, um dem Phänomen Linksfahren zu begegnen, die direkt und unmittelbar umsetzbar ist, sind die Anordnung von Hinweisen entlang der Straße. Die Asfinag wird daher 2014 zusätzliche Hinweisschilder gegebenenfalls in Kombination mit Bodenmarkierungen anbringen. Auf Überkopfanzeigen soll verstärkt der Erinnerungstext „Nach dem Überholen rechts einordnen!“ geschaltet werden.

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  • Marko Weiß

    120 km/h als Mindestgeschindikeit(Blaues Gebotsschild) für die 3. Spur wäre denkbar.
    PKW – Fahrer die mit 100km/h dahinschleichen haben auf der 3. Spur einfach nichts verloren, die bremsen sogar Reisebusse aus.

    Wie soll/kann man eigentlich mit einem Abstand von 2 Sekunden einen „Schnellerfahrwillen“ dem Vorderen kundtun, ohne daß sich dieser angegriffen fühlt?
    Manche zucken ja schon aus und latschen extra auf die Bremse, wenn man nur den Blinker blinken lässt, bei flotten 90km/h 3km neben einem LKW…

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