Mercedes E-Klasse T Detail
 

Light Emitting Idiotie

Neue Technologie macht nicht zwingend alles besser.

15.11.2011 Online Redaktion

LEDs sind ja was Tolles: wenig Stromverbrauch, quasi endlose Haltbarkeit und dazu noch viele Freiheiten beim Design. Eh klar, dass sowas in der Autoindustrie gerne angenommen wird – schließlich gilt es, den umweltfreundlichen Innovationsgeist und die Zusammengehörigkeit der Modellpalette zu demonstrieren. Also gibt es fröhliche Leuchtkringel an den vorderen Scheinwerfern und markante Dioden-Balken an den Rücklichtern.

Blöderweise vergessen einige Hersteller dabei, die Dioden in irgendeiner Weise abzuschirmen, was dazu führt, dass einige Modelle Bremslichter mit sich führen, mit denen man wohl auch ein Fußballstadion erleuchten könnte. Die oben abgebildete Leuchteinheit einer Mercedes E-Klasse ist hierfür nicht das einzige, aber eines der markantesten Beispiele. In der Nacht, an der Ampel hinter diesem Rotlicht-Tsunami: das ist nicht nur störend, es tut schlicht weh in den Augen, die auf Dunkelheit eingerichtet sind, und nicht auf eine taghelle Bremsleuchte. Bei der E-Klasse kommt erschwerend hinzu, dass das Modell a) sehr weit verbreitet ist (Taxi!) und b) meist über ein Automatik-Getriebe verfügt, bei dem man an der Ampel ständig auf der Bremse steht. Der Lösungsansatz „Augen zu und abwarten“ kann im Abendverkehr übrigens zu gefährlichen Situationen führen, wir raten davon ab.

Und hoffen stattdessen auf den ungebremsten Innovationsgeist der Autohersteller, auf dass er auch dieses Problem einer galanten Lösung zuführen wird. Simple Streulinsen beispielsweise. Und wo wir schon bei Lichtverschmutzung sind: Können alle Fahrzeughalter und -halterinnen bitte einmal überprüfen, ob ihre Scheinwerfer richtig eingestellt sind? Danke.

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  • Markus Dahmann

    Das kann gar nicht oft genug hervorgehoben werden!

    Audi setzt aber noch „einen drauf“: Bei einem bremsen Audi ist der Blinker schier unsichtbar, denn des Rotlichtzaubers wegen fällt er extremst schmal aus. Ist dann noch das Fahrlicht an, ist’s um seine Sichtbarkeit endgültig geschehen.

    Daß so ein Mumpitz die EU-Zulassungshürden schafft, erstaunt mich immer wieder.

  • Reine Softwaresache. Und Relikt des gesetzlich vorgeschriebenen Tagfahrlichtes: Bis Ende 2007 musste ein Auto vorne beleuchtet sein, hinten aber nicht.

  • berki75

    mir ist noch was viel gefährlicheres aufgefallen in der jetzt herrschenden düsteren Jahreszeit: sämtliche neuen VW und Audi modelle mit Xenon und LED Tagfahrlicht solange die Lichtautomatik nicht die Scheinwerfer einschaltet (oder man es manuell vornimmt) OHNE Heckleuchten unterwegs! So gesehen gestern auf der A1 Wien-Salzburg-Wien. Bei leichtem Nebel echt eine "spannende" Sache. Scheint aber ein eindeutiges Problem der Lichtsensor-einstellung zu sein.

  • man bräuchte ja die Brems-LEDs ja nur dimmen am Stand, wenn man z.B. länger als 5 sec. auf dem Pedal steht …

  • Zustimmung! Besonders auffällig in dieser Hinsicht ist aber nicht so sehr ein SUV, wie ein Kleintransporter: Die Scheinwerfer des aktuellen Fiat Ducato (und Konsorten) brennen sich nächtens in alle Netzhäute.

  • Rotervogel

    Chapeau; aber wesentlich störender, vor allem aber unendlich gefährlicher erscheint mir die inzwischen fast flächendeckende Ausrüstung mit Projektionsscheinwerfern, vor allem bei Xenonlicht. Kleinere Lichtaustrittsfläche ergibt höhere Lichtdichte, das versteh sogar ich als absoluter Nichtphysiker… Und die fürs Design großzügig rundum verteilten glänzenden Flächen ähneln nicht nur in Farbe, sondern auch Funktion den in Badezimmern gefürchteten Silberfischchen – sie haben nämlich keine!
    Vielleicht sollte man hier mal die Kostenbremse etwas lockern und wieder zur früheren Leuchtenvielfalt zurückkehren?
    Solange nicht 100 % aller Neuwagenkäufer ein SUV wählen und damit gefeit davor sind, einem solchen NICHT auf "Augenhöhe ", sondern in grell erhellter Bodennähe zu begegnen und die nächsten Hundert Meter im Blindflug zurückzulegen, könnte das die Unfallstatistik durchaus merklich beeinflussen!

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