Der motornahe Turbolader setzt den Dreizylinder unter Druck.
Der motornahe Turbolader setzt den Dreizylinder unter Druck.
 

Lexikon: Opel 1.0 SIDI Turbo

Rüsselsheim verjüngt sich. Nicht nur was die Modellpalette angeht, sondern auch in Sachen Antriebstechnik. Wir stellen ihnen hier den neuen 1.0 Liter SIDI Turbo genannten Dreizylinder vor, der in diesem Jahr im Opel Adam seine Premiere feiern wird.

04.04.2014 asphaltfrage

Erinnern sie sich noch an den ersten Dreizylinder von Opel? Das war 1997 im Corsa B. Das 54PS starke Motörchen machte vor allem durch seine fehlende Durchzugskraft auf sich aufmerksam. Heute, gut 17 Jahre später haben wir die Konstruktion zu schätzen gelernt. Vor allem wenn man bedenkt, dass es in der Kleinwagenklasse aktuell noch Motoren zu kaufen gibt, die technisch nicht auf dem Stand des kleinen Ecotec-Triebwerks von damals sind.

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Doch es soll keine Geschichtsstunde werden, zumal der neuen Downsizing-Motor nichts mit dem alten gemein hat – wir wollten bloß einmal darauf hinweisen wie ambitioniert die Rüsselsheimer-Motorenentwicklung schon immer gewesen ist. Deshalb gibt es auch bei neuen SIDI Turbo jede Menge Details zu besprechen.

SIDI Turbo – Spark Ignition Direct Injection Turbo

Fangen wir beim Namen an: SIDI Turbo – steht für Spark Ignition Direct Injection Turbo. Also: Fremdgezündeter Direkteinspritzer mit Turboaufladung. Seine Nennleistung liegt bei 85kW/115PS und damit mehr als doppelt so hoch wie bei seinem freisaugenden Vorgänger. Das Drehmoment stieg von 88Nm auf 166Nm und das, wie bei einem Dreizylinder typisch, in einem sehr breiten Drehzahlband. Der Einliter-Motor hält das Nenndrehmoment von 1800 bis hinauf auf 4700 Umdrehungen konstant.

Rückgrat des Triebwerks bildet ein Motorblock aus Aluminium. Im Gegensatz zu den meist verwendeten Graugussblöcken bietet das große Gewichtsvorteile, bringt aber auch akustische Probleme mit sich. Denn Aluminium leitet den Schall besser als Grauguss – weshalb die Konkurrenz bei kleinen Motoren mit wenig Zylinder und demensprechend untypischer Zündfolge gerne auf das altbewährte Material zurückgreift. Ford und der 1.0 Ecoboost-Motor ist hier ein Beispiel.

Doch bei Opel hat man sich bewusst für das leichte Aluminium entschieden, um alle Vorteile des leichten Downsizing-Konzepts ausspielen zu können. Für den Geräuschkomfort mussten also spezielle Maßnahmen getroffen werden:  so ist die Kettenarchitektur der Motorsteuerung extra auf einen leisen Lauf ausgelegt. Der hydraulische Spanner und die Führungen wurden ebenfalls zur Vermeidung von Störgeräuschen optimiert. In der Ölwanne – ein Alu-Druckguss-Teil mit integrierter Stahlplatte gegen ungewollte Schallabstrahlung – rotiert eine ebenfalls kettengetriebene (akustische optimiert, eh klar) Ausgleichswelle, die dem Dreizylinder seine Eigenvibrationen nimmt.

Opel_SIDI_Turbo-1

Wie ernst Opel das Thema Geräuschkomfort nimmt zeigt die akustische Entkopplung des Einspritzsystems. Die Kraftstoffleitungen, die das unter 200bar Druck stehende Benzin zu den Injektoren verteilen, sind per Gummi-Stahl-Dämpfern vom Motorblock entkoppelt, die Einspritzdüsen selbst sitzen in carbongefüllten Teflondichtungen und vermeiden so die Übertragung von Schwingungen. Die Hochdruck-Kraftstoffpumpe wurde extra in Schaumstoff gekapselt um Geräusche zu vermeiden.

Derart gerüstet braucht es bloß noch eine geräuschisolierende Motorabdeckung und einen Unterfahrschutz mit geringer Dämmwirkung um den Geräuschkomfort auf ein besseres Niveau als bei einem leistungsvergleichbaren Vierzylinder zu bringen.

Motornaher Turbo: schnelle Leistug bei wenig Verbrauch

Um die Leistung mit einem Vierzylinder vergleichbar zu machen kommt ein einstufiger Turbolader zum Einsatz. Die wassergekühlte Turbine sitzt direkt am Zylinderkopf, der Abgaskrümmer ist in der Zylinderkopf integriert. Das bringt nicht nur Vorteile im Ansprechverhalten durch die kurzen Wege, sondern auch ein leichteres Abgastemperaturmanagement, durch die Kühlung im Zylinderkopf. Das ermöglicht ein magereres Gemisch und dementsprechend geringere Emissionen und einen günstigeren Verbrauch. Der Zylinderkopf beherbergt aber nicht nur den Abgaskrümmer, sondern auch zwei verstellbare Nockenwellen. Sie betätigen je vier Ventile pro Zylinder über reibungsarme Rollenschepphebel.

Weitere bemerkenswerte Konstruktionsdetail sind die aus Pulvermetall geschmiedeten Pleuel, spritzölgekühlte Alukolben und polymerbeschichtete Hauptlager an der Kurbelwelle.

Der SIDI Turbo übertragt seine Kraft an ein neuentwickeltes Sechsgang-Handschaltgetriebe, das mit 37kg Trockengewicht über 30% leichter als die aktuell verwendete Variante ist. Seine Drehmomentkapazität liegt bei 220Nm – es wird also auch in den kommenden Motorvarianten Verwendung finden, die von der Konstruktion des kleinen Dreizylinders abgeleitet werden. Opel spricht von über 13 Varianten mit drei und vier Zylindern, die auf Basis der neuen Architektur auf den Markt kommen werden.

Den Verbrauch gibt Opel übrigens mit weniger als vier Litern auf 100 Kilometer an.

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  • Ott Wolfgang

    Opel ist motortechnisch also innovativ. Also ich fahre Ca 15-18000 Km/Jahr mit hohem Stadtverkehranteil. Ein Antrieb mit Turbo kommt deßhalb für mich definitiv NICHT in Frage.

    Warum baut Opel keinen Sauger mit den Oben beschriebenen Erneuerungen aber Ohne Turbo. Ein moderner Dreizylinder mit 13-1400 ccm Hubraum und 90-100 PS. Für die sportlicheren kann man ja noch einen Turbo draufpacken.

    Ich hatte den Corsa B mit dem 1l Dreizylinder und war zufrieden mit dem Kleinwagen.

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