Fahrerlager im Morgengrauen auf Schloss Bensberg.
 

Letzter – Porsche 911 SC 3.0 targa

Heuer durften wir bei den Schloss Bensberg Classics ein bisschen Fahrlehrer spielen. Die Angst Letzter zu werden teilte nicht nur Schauspielerein und Ersttäterin in Sachen Oldie-Rallye, Sophie Wepper, sondern auch der indischrote 911 SC 3.0 targa, den man in den Achtzigern als letzten 911 vom Band rollen lassen wollte. Doch es kam anders.

09.08.2014 asphaltfrage

Lange Beine auf kurzer Haube. Sophie Wepper auf 911.

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„Unendlich ist des Schlossers Kraft, wenn er mit Verlängerung schafft“. In Kombination mit stehenden Pedalen und strammer Kupplung ist der große Hebel in Form langer Beinen dann aber mehr Schwierigkeit, als Hilfe. Entsprechend groß war die Anspannung bei Schauspielerin Sophie Wepper, als sie zum Start der Rallye Historique im Rahmen der Schloss Bensberg Classics 2014 rollte. Noch nie eine Rallye gefahren, noch nie penibel auf die Ansagen des Beifahrers achten müssen und auch noch nie einen klassischen Elfer bewegt – die Angst Letzter zu werden war ihr nur mit einiger Mühe zu nehmen.

Als Ironie des Schicksals teilte sie ihre Angst mit ihrem Fahrzeug. Auch der 911 SC wäre fast der Letzte in der Reihe der luftgekühlten Heckmotorlegende aus Zuffenhausen geworden. In der Vorstellung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Ernst Fuhrmann sollte der moderne und komfortable 928 den Elfer beerben und obsolet machen. Die Marketingabteilung griff der Tatsache unbewusst vor, indem sie mit dem Modellwechsel 1977 wieder die Typbezeichnung SC einführte – stand diese beim 356 doch auch für die letzte Modellvariante.

Den Anweisungen des Beifahrers ist unbedingt Folge zu leisten!

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Tatsächlich war der SC jedoch eine Art „Super Carrera“. Mit breiten hinteren Kotflügeln und dem Dreilitermotor war er noch lange nicht bereit für den Ruhestand. Auch die Verkaufszahlen sprachen eine deutliche Sprache. Die Differenzen zwischen der Familie Porsche und Fuhrmann, der den Stuttgartern in den Fünfzigern den legendären Typ 547 Königswellenmotor erfand, sorgten schließlich dafür dass der Ingenieur seinen Posten räumte und mit Peter W. Schutz Ende 1980 ein großer Freund des Konzepts 911 die Führung der Firma übernahm.

Illustre Runde am Mittagsstop.

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Mit Schutz wurde der 3.0 SC sukzessive verbessert, vor allem die Einführung des 204PS starke 930/10 Motors machte den 911 wieder zu einem reinrassigen Sportwagen. Hochverdichtet und mit den scharfen Steuerzeiten der alten Carrera-Motoren ist das KE-Jetronic-Triebwerk bis heute eines der feinsten Aggregate aus der luftgekühlten Ära. Drehfreudig und gleichzeitig hochelastisch, zurückhaltend im Verbrauch und standfester denn je, erschien der 911 im Modelljahr 1981 jung wie nie.

Auch Bugatti und Flügeltürer fehlten in Bensberg nicht.

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Auch heute entzückt der Elfer noch: Spontane Gasannahme, feines Hochdrehen und das unnachahmlich heisere Sägen. Diese Euphorie steckt an. Schnell auch hatte der indischrote Targa seine Pilotin um den Finger gewickelt und ihr die anfängliche Unsicherheit genommen. Rasch wurden die Gänge länger ausgedreht, die Drosselklappe weiter geöffnet, später gebremst und flinker eingelenkt. Dass er sie dabei nie vor unlösbare Probleme stellte, trotz hoher Bedienkräfte an Lenkrad und Pedalen viel Fahrspaß bereitete und zeigte wie schön pures und ungefiltertes Fahren sein kann, ließ sie schnell eins mit der Maschine werden.

Team 111 bei der Arbeit.

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Entsprechend blieb mehr Konzentration für die Ansagen aus dem Roadbook, für das perfekt gezeitete Durchfahren der Gleichmäßigkeitsprüfungen und präzise Einparkmanöver bei den Gymkhana-Wertungen. Im Ziel fand sich der 911 SC 3.0 Targa deshalb auf Platz 32 von 116 Startern und war damit lange nicht Letzter.

Nix da mit Letzter, 32. von 116!

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