vergleichstest bmw x1 audi q3 mercedes gla vorne front
Wir haben es hier mit einer art Vollwert-Kompaktwagen zu tun, Autos, die sich deutlich von der Kompaktklasse abheben, aber noch immer keine Kombis im klassischen sinn sind.
 

Leichte Vollwertkost: Audi Q3 gegen BMW X1 und Mercedes GLA

Kompakte Crossover: diesmal in der Premium-Variante. Mit dem ­Mercedes GLA wird das Thema noch einmal ziemlich neu interpretiert.

21.08.2014 Autorevue Magazin

Mercedes hat ja seit Jahren genug zu tun mit einer profunden Erweiterung der Modellpalette nach unten, da wundert es nicht, dass das Thema Kompakt-SUV nicht oberste Priorität hatte, wenngleich gerade BMW mit dem X1 schon vor ­Jahren die Latte hoch gelegt hat, inhaltlich wie auch vom Erfolg am Markt her. Jetzt steht die Antwort aber doch vor uns, und es gibt eine Menge dazu zu sagen.

Erste und wohl auch wichtigste Feststellung:

Der GLA ist so gar nicht mehr das, was man sich gemeinhin unter einem Sports Utility Vehicle vorstellt. Und schon sind wir mitten im Vergleichen: Während die Statur des Audi ­stilistisch noch Rudimente eines Gelände­wagens erkennen lässt, ist der BMW X1 schon sehr crossover. Der Mercedes GLA geht noch einen Schritt weiter. Er versucht, überhaupt nur mehr die Vorteile dieser beliebten Fahrzeugklasse zu transportieren, will aber ­offensichtlich nichts mehr mit der Kritik am Thema zu tun haben. So gesehen ist da irgendwie schon wieder eine neue ­Nische entstanden: eine Art Vollwert-Kompaktwagen, ein Auto, das sich deutlich von der Kompaktklasse abhebt, aber auch noch kein Kombi im klassischen Sinn ist.

vergleichstest audi q3 2014 sitz weiß

FEINES GESTÜHL Vielleicht ein bisschen schmutzempfindlich, ­jedoch außergewöhnlich nobel im Design wie auch in der Materialwahl. Audi schlägt die beiden ­anderen in Sachen Noblesse im ­Innenraum.

Alsdann: Mercedes GLA.

Mercedes hat sich auf eine sehr deutliche Designsprache fest­gelegt, zeichnet gewissermaßen mit dem dicken Stift. Heftige stilistische ­Äußerungen mit sicherer Hand gesetzt. So präsentiert sich der GLA als eine ­deftige Variante der A-Klasse, dabei ist der tatsächliche und substanzielle Unterschied gar nicht so riesig. Im Wesentlichen wurde das Fahrwerk um 40 mm ­höher gesetzt, was schon eine feine ­Verbesserung beim Einsteigen bedeutet. (Damit wird man wohl einige Fans der alten hohen A-Klasse abholen, denen das sportlichere Schnittmuster des Nachfolgers nicht mehr so taugt.) Was aber ganz wichtig zu bemerken ist: Mit diesem ­Höhersetzen ging kein nennenswerter Zuwachs an Wankneigung einher. Ähnlich wie beim BMW X1 sitzt man im GLA um eine ­angenehme Spur höher. Und wem das noch immer zu viel ist, der bekommt beim GLA ein um 15 Millimeter tiefer gelegtes Sportfahrwerk. Das Gefühl, tatsächlich hoch zu ­sitzen, hat man ­eigentlich nur im Audi Q3.

Alles Millimeterarbeit offenbar. ­Dennoch ­ergeben sich drei recht unterschiedliche Charaktere. Der Audi als SUV in gewohnter Art, aber mit sehr feinen ­Manieren, mit dezentem Dieselmotor und komfortablem Fahrwerk. Der BMW, der erwartungsgemäß ein strafferes und dichteres Fahrerlebnis bietet, sich also in Sachen Geräusch und Feedback von der Fahrbahn weniger dezent gibt, was für manche reizvoll sein kann. Der Mercedes bleibt eher in der Mitte und hat es sogar geschafft, die Vorzüge von beiden in ­einem hohen Maß übereinanderzulegen. Daran ist Fortschritt durchaus messbar: Mercedes ist als Jüngster den beiden anderen in der Bändigung der Zielkonflikte doch einen kleinen Schritt voraus.

Die Spanne an Motor- und Antriebs­varianten ist erheblich, bei BMW streckt sich das Programm am weitesten nach unten, bei Mercedes am weitesten nach oben. BMW beginnt mit 116 PS, aber schon reichlich Drehmoment, weil Diesel. Den Gipfel stellt der Mercedes GLA 45 AMG mit 360 PS dar. Uns standen die vernünftigen Diesel in der 100-kW-Kategorie zur Verfügung, Audi und BMW mit Allrad­antrieb, Mercedes als reiner Fronttriebler. Alle mit Automatik. Was am deutlichsten zutage trat: Bei allgemein fröhlichem Temperament kappt der Allradantrieb doch die Spitzen des Vortriebserlebnisses ein wenig. Audi und Mercedes besitzen Doppelkupplungs­getriebe, der BMW eine klassische ­8-Stufen-Wandlerautomatik. Von großen Unterschieden im Gebrauch kann nicht die Rede sein, in allerletzter Konsequenz wirkt aber die Wandler­automatik des BMW noch eine Spur ­präziser und feinfühliger.

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FEINES GESTÜHL Vielleicht ein bisschen schmutzempfindlich, ­jedoch außergewöhnlich nobel im Design wie auch in der Materialwahl. Audi schlägt die beiden ­anderen in Sachen Noblesse im ­Innenraum.

Ein wenig westlich arrogant: Keine Ersatzräder

Die Breite dieser Fahrzeuge liegt mit rund 1,80 Metern mittlerweile auf Mittelklasseniveau, das nimmt man im Innenraum ­natürlich angenehm wahr. Als Seiteneffekt des fließenden Designs bietet der Mercedes nur mäßig Sicht nach hinten. Am ­besten sitzt man hinten im Audi, weil nur dort die Oberschenkel tatsächlich auf den Sitzflächen aufliegen. Die Kofferräume ­liegen etwa auf Kombi-Niveau, aber ohne Rekordverdacht, also gut 400 bis knapp 1400 Liter. Audi hat den größten Kofferraum, aber auch den mit der höchsten ­Ladekante. Ein wenig westlich arrogant erscheint die Entscheidung, dass trotz der guten Eignung für schlechte Straßen in keinem der drei Modelle ein vollwertiges Reserverad unauffällig untergebracht ­werden kann. Der Klappmatismus der Rücksitzlehnen ist einfach, gut und günstig beim BMW, denn dort gibt es eine dreigeteilte Rücksitzlehne serienmäßig. Bei Audi und Mercedes kostet eine Durchreiche ­extra. Besonderheit beim Audi: In der ­Zubehörliste findet sich ein klappbarer Beifahrersitz für 192 Euro, als Rüstzeug für den Ausflug zum Ikea.

vergleichstest bmw x1 2014 sitz innenraum

SPORTSITZ Der Sitz im BMW ­verlangt auch vom Fahrerkörper eine gewisse Kontur. Er drückt aber nur kurz beim Einsteigen, danach gibt er wunderbar Halt. Die Schenkelauflage kann bis in die Knie­kehlen nach vorne gezogen werden.

Alle drei bieten tadellose Arbeitsplätze

Der Arbeitsplatz des Fahrers erweist sich funktionell tadellos, die Bedienung der elektronischen Features, die Anbindung von Handy via Bluetooth und ­Audiogerät via USB funktioniert bei allen dreien ohne Beanstandung, so weit überhaupt bei Bestellung gegen Aufpreis ­gewählt.

Hier tauchen wir generell in einen sehr sensiblen Bereich des Autotestens ein. Denn in dieser Fahrzeugklasse bestimmt die Vielzahl an gewählten oder nicht gewählten Aufpreisextras ganz wesentlich den Charakter eines Fahrzeugs mit. Wir können diesen teils atmosphärischen ­Unterschieden aber mit folgendem Pauschalurteil entgegentreten. Der Einstiegspreis, der bei allen dreien bei rund 30.000 Euro liegt, ist im wahren Leben nicht zu halten. Je nach Neigungsgruppe Fahr­dynamik, Komfort oder Design wird man kaum unter 40.000 Euro das Verkaufs­lokal verlassen. BMW bieten zwei Steigerungsstufen des Österreich-Pakets an, der Verkäufer ist naturgemäß darauf geschult, Ihnen zu erklären, warum zumindest ­eines davon gerade für Sie unverzichtbar ist. Ein ähnliches Spiel bietet Audi, auch Mercedes offeriert so genannte ­Ausstattungslinien, jeweils in der Größenordnung eines mittleren vierstelligen ­Betrages. Was diese Fahrzeugklasse aber von den gehobenen Segmenten ­unterscheidet, ist, dass erst wenige der Hightech-Features erhältlich sind. Abstandstempomat etwa gibt’s hier nur bei Mercedes, LED-Scheinwerfer gar nicht.

Warum man vielleicht sonst noch so ein Auto einem Kompaktwagen vorziehen könnte? Vielleicht wegen der Pferde, alter Autos oder eines Wohnwagens, den man nachziehen möchte. Audi und BMW erlauben bis zu zwei Tonnen, ­Mercedes 1800 kg Anhängelast. Aber Sie ­sollten dann auch den richtigen Führerschein dafür haben.

vergleichstest audi q3 mercedes gla bmw x1 hinten

Fazit

Mercedes GLA

+  Überzeugendstes Gesamtpackage aus Komfort und Fahrdynamik. Die Erweiterung des Kompaktwagens schafft ein Wohlstandsgefühl, ohne dick zu machen.
–  Die fließenden Linien gehen auf Kosten der Sicht nach hinten, die ziemlich eingeschränkt ist.

BMW X1

+  Optimiert auf ein verdichtetes Fahrerlebnis, bietet er ein sehr aktives Fahrgefühl.
–  Die Kehrseite seines ausgeprägten Talents in Richtung Fahraktivität: Er fordert den Fahrer mehr, was man auch als Komfort-Defizit verstehen kann.

Audi Q3

Einziges klassisches Sports Utility Vehicle in feiner Ausführung. Entspanntes Sitzen auch hinten.
–  Extras in der Regel noch ein bisschen teurer als bei der Konkurrenz.

vergleichstest audi q3 2014

Technische Daten Audi Q3

Preise von € 31.610,– bis 43.480,–
Steuer jährlich von € 594,00 bis € 1.054,44
Motor, Antrieb  2 Diesel, 3 Benziner, 6-Gang-Getriebe oder 6/7-Gang-Doppelkupplungs-Auto-matik. Frontantrieb oder Allrad.

1,4 TFSI:  110 kW (150 PS)/250 Nm, 0–100 in 9,2 sec/Spitze 203 km/h/CO2 137 g/km/Verbr. 5,9 l/100 km.
2,0 TFSI quattro: 155 kW (211 PS)/300 Nm, 0–100 in 6,9 sec/Spitze 230 km/h/CO2 179 g/km/Verbrauch 7,7 l/100 km.
2,0 TDI: 103 kW (140 PS)/320 Nm, 0–100 in 9,9 sec/Spitze 202 km/h/CO2 137 g/km/Verbrauch 5,2 l/100 km.
2,0 TDI quattro S-tronic:  103 kW (140 PS)/320 Nm, 0–100 in 9,9 sec/Spitze 198 km/h/CO2 152 g/km/Verbrauch 5,8 l/100 km
2,0 TDI quattro: 130 kW (177 PS)/380 Nm/0–100 in 8,1 sec/Spitze 215 km/h/CO2 148 g/km/Verbrauch 5,6 l/100 km

Dimensionen  L/B/H 4385/1831/1608 mm, Tank 64 l, Kofferraum 460–1365 l.
Gewicht 1460–1650 kg. Anhängelast 1800–2000 kg.
Ausstattung Aluräder, Klimaanlage, Halogenscheinwerfer, Rücksitzlehnen 40:60 klappbar mit Durchladeklappe, CD-Radio mit MP3 und AUX-In, Berganfahrassistent, elektrische Parkbremse.
Extras (ab €)  Metallic-Lack 828,–, Klimaautomatik 700,–, Tempomat 344,–, Leder 2.100,–, Panoramadach 1.539,–, Xenonscheinwerfer 1.259,–. Adaptive Light 446,–, Fernlichtassistent 1.172,–, Scheiben hinten dunkel 508,–, Sportsitze 700,–, MMI-Navigation 3.468,–, Bluetooth-Schnittstelle 382,–, iPod-USB -Interface 312,–, Einparkhilfe vorne und hinten 993,–, Spurwechselassistent 636,–, Spurhalteassistent 764,–, elektronische Dämpfer 1.247,–.

vergleichstest bmw x1 2014

Technische Daten BMW X1 

Preise  von € 29.950,– bis € 43.445,–
Steuer  jährlich von € 453,84 bis € 1.279,44
Motor, Antrieb  3 Benziner, 4 Diesel, 6-Gang-Getriebe oder 6/8-Gang-Automatik. Hinterradantrieb oder Allrad.

sDrive18i: 110 kW (150 PS)/200 Nm/0–100 in 9,7 sec/Spitze 202 km/h/CO2 180 g/km/Verbrauch 7,7 l/100 km.
xDrive28i Aut.: 180 kW (245 PS)/350 Nm/0–100 in 6,4 sec/Spitze 205 km/h/CO2 171 g/km/Verbrauch 7,2 l/100 km.
sDrive16d: 85 kW (116 PS)/260 Nm/0–100 in 11,5 sec/Spitze 190 km/h/CO2 128 g/km/Verbrauch 4,9 l/100 km.
xDrive18d Aut.:  105 kW (143 PS)/320 Nm/0–100 in 10,0 sec Spitze 195 km/h/CO2 143 g/km/Verbr. 5,4 l/100 km.
xDrive25d: 160 kW (218 PS)/450 Nm, 0–100 in 6,8 sec/Spitze 205 km/h/CO2 154 g/km/Verbr. 5,9 l/100 km.

Dimensionen  L/B/H 4477/1798/1545 mm, Tank 61–63 l, Kofferraum 420–1350 l.
Gewicht  1480–1670 kg. Anhängelast 1700–2000 kg
Ausstattung  Stahlräder, Klimaanlage, Halogenscheinwerfer, Rücksitzlehnen 40:20:40 umklappbar. CD-Radio mit MP3 und AUX-In, Freisprecheinrichtung mit USB-Schnittstelle, manuelle Handbremse.
Extras (ab €)  Metallic-Lack 806,–, Klimaautomatik 691,–, Tempomat 378,–, Leder 2.240,–, Panoramadach 1.568,–, Xenonscheinwerfer 1.011,–, Fernlichtassistent 173,–, Sonnenschutzverglasung 397,–, Sportsitze 538,–, Sportfahrwerk 333,–, Navigation Professional 2.560,–, Bluetooth-Schnittstelle 717,–, Einparkhilfe vorne und hinten 704,–, Notlaufreifen 294,–.

vergleichstest mercedes gla 2014 vorne front seite

Technische Daten Mercedes GLA

Preise  von € 32.140,– bis € 64.470,–
Steuer  jährlich von € 570,24 bis € 2.044,44
Motor, Antrieb  3 Benziner, 2 Diesel, 6-Gang-Getriebe oder 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik, Frontantrieb oder Allrad.

200: 115 kW (156 PS)/250 Nm/0–100 in 8,9 sec/Spitze 215 km/h/CO2 139 g/km/Verbr. 5,9 l/100 km.
45 AMG 4MATIC Aut.: 265 kW (360 PS)/450 Nm/0–100 in 4,8 sec/Spitze 250 km/h/CO2 175 g/km/Verbrauch 7,5 l/100 km.
200 CDI /Aut.: 100 kW (136 PS)/300 Nm/0–100 in 10,0 sec Spitze 205 km/h/CO2 119 g/km/Verbrauch 4,5 l/100 km.
220 CDI Aut.: 125 kW (170 PS)/350 Nm/0–100 in 8,3 sec/Spitze 215 km/h/CO2 119 g/km/Verbrauch 4,6 l/100 km.

Dimensionen  L/B/H 4417/1804/1494 mm, Tank 50–56 l, Kofferraum 421–1235 l.
Gewicht  1505-1595 kg. Anhängelast 1400–1800 kg.
Ausstattung  Stahlräder, Klimaanlage, Halogen-scheinwerfer, Rücksitzlehne 60:40 klappbar, CD-Radio mit MP3, USB-Schnittstelle und Bluetooth. Berg-anfahrassistent, Müdigkeitswarnung, el. Parkbremse.
Extras (ab €)  Metallic 769,–, Klimaautomatik  663,–, Tempomat 328,–, Ledernachbildung 338,–, Panoramadach 1.550,–, Xenon-Scheinwerfer 1.100,–, Fernlicht-Assistent 131,–, Intelligent Light System 1.825,–, dunkle Scheiben hinten 325,–, Sportsitze (AMG) 2.344,–, Fahrwerk tiefer gelegt  375,–, -Sportfahrwerk (AMG) 975,–, Navigation Command Online 3.844,–, Notlauf-reifen 250,–, Parkassistent 876,–. Gepäckraumklappe 506,–, Spur-Paket 975,–, Abstandstempomat 1.119,–.

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