Aston Martin Zagato Radical Mag
Der berühmteste Klassiker: Aston Martin DB4 GT Zagato, gebaut 1960/61.
 

Legendenbildung – Teil 1

Aston Martin und Zagato. Eine Legende. Und keiner weiß warum.

01.06.2011 radical mag

Dass der Aston Martin DB4 GT Zagato heute einer der berühmtesten, begehrtesten Klassiker überhaupt ist, dafür gibt es nicht viele gute Gründe. Denn eigentlich war das Fahrzeug Anfang der 1960er Jahre das, was man als einen Schuss in den Ofen bezeichnen darf. Ein kompletter Misserfolg. Nicht einmal die für eine erste Serie geplanten 25 Stück konnten abgesetzt werden.

Und so berühmt der erste Zagato-Aston in der Folge auch wurde, sein Design war alles andere als originär oder originell. Schon 1959 hatte der damals erst 21-jährige Ercole Spada für Bristol den 406 S gezeichnet. Der sah bis auf wenige Details genau gleich aus, die Rundungen bestanden bereits, auch das „Double Bubble“-Dach. Doch der Bristol blieb ein Einzelstück, die Engländer, erst kürzlich wohl endgültig in Konkurs gegangen, hatten schon damals intensive Probleme beim Begleichen der Rechnungen.

Der Aston Martin DB4 war 1958 auf den Markt gekommen – und die Kunden liebten den Engländer, der eine wunderbar englische Interpretation von Gran Turismo war. Die traumhafte Touring-Superleggera-Karosserie, die vordere Einzelradaufhängung und die Scheibenbremsen machten ihn auch zu einem anständigen Sportgerät. 1959 gewann Aston die 24 Stunden von Le Mans mit dem DBR1/300, was den Ruhm der Marke aus Newport-Pagnell weiter mehrte.

Doch die Engländer sahen schon, dass sie mit dem DB4 auf der Rennstrecke keinen Stich tun würden gegen die neuen Ferrari 250 GT. Deshalb schickten sie schon im September 1959 den DB4 GT auf die Straße. Mit kürzerem Radstand, weniger Innenleben und folglich geringerem Gewicht stellte der DB4 GT eine gute Basis dar für Langstrecken-Rennen, vor allem, weil der Reihen-Sechszylinder mit einer Doppel-Zündung, zwei Dreifach-Weber-Vergasern, schärferen Nockenwellen und einer Verdichtung von 9:1 auf stolze 302 PS kam. Es gab zudem noch größere Girling-Scheibenbremsen, ein Sperr-Differential von Salisbury, ein enger abgestuftes Getriebe und eine verstärkte Kupplung. Doch Stirling Moss machte die sportlichen Hoffnungen von Aston Martin bei der Tourist Trophy 1959 mit einem Ferrari 250 GT zunichte, ein Rennen, dass die AM traditionell gewonnen hatten.

John Wyer, der charismatische Rennleiter von Aston Martin, traf Gianni Zagato im Frühjahr 1960 und vereinbarte mit dem Italiener, dass einige DB4-GT-Chassis nach Mailand geschickt wurden. Zagato hatte einen guten Namen nicht nur für schöne Fahrzeuge, sondern vor allem für leichte Wagen; dieser Ruhm stammte allerdings noch aus den Vorkriegs-Jahren. In erstaunlich kurzer Zeit bauten die Italiener einen DB4 GT um, entfernten alles, was nicht unbedingt als nötig erschien, ersetzten noch so manche Stahl-Komponente durch Alu. An der Karosserie selbst ließ sich nicht mehr viel einsparen, der Touring-Superleggera-Aufbau des DB4 war schon erfreulich leicht. Aber rund 100 Kilo blieben noch einmal auf der Strecke Das Leergewicht wurde mit 1225 Kilo angegeben. Der Tank – 113,6 Liter – sowie das Ersatzrad wanderten in den Kofferraum.

Aber die DB4 GT Zagato – offiziell mit 314 PS – konnten auf der Rennstrecke nicht verheimlichen, dass sie ihre Karriere als Straßen-Fahrzeuge begonnen hatten. Sie waren trotz verkürztem Radstand (2,36 Meter) einfach zu groß (Länge 4,27 Meter, Höhe 1,27 Meter), das Chassis war eindeutig zu wenig steif, und außerdem litten die Fahrzeuge an brutalem Übersteuern. Das erste Rennen bestritt ein DB4 GT Zagato an Ostern 1961 in Goodwood. Stirling Moss erreichte den dritten Rang, hinter dem siegreichen Ferrari 250 GT – und einem „normalen“ DT4 GT.

Zwei Zagato-AM erreichten aber trotzdem eine gewisse Berühmtheit auf der Rennstrecke, diese Fahrzeuge sind bekannt als „1 VEV“ (Chassisnummer 0182) und „2 VEV“ (Chassisnummer 0183). Offiziell wurden sie vom „Essex Racing Stable“ gemeldet, der John Ogier gehörte. Doch hinter diesem Engagement steckte viel Werksunterstützung. Beide „Zagato“ wurden 1961 für die 24 Stunden von Le Mans gemeldet, doch sie hatten keine Chance. Auch 1962 startete noch einmal ein DB4 GT Zagato in Le Mans (Chassisnummer 0200), doch er musste nach weniger als der Hälfte des Rennens aufgeben, weil sich die Kolben nicht mehr an ihrem Platz befanden.

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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