lars thomsen vortrag elektromobilität
Lars Thomsen auf der „Motor und Umwelt"-Konferenz der AVL-List am 12. September.
 

Das Elektroauto wird sich schon sehr bald durchsetzen

Ein Zukunftsmacher sagt ein radikales Ende des Verbrennungsmotors vorher und hält Hybrid für überflüssig

30.09.2014 Autorevue Magazin

Lars Thomsen ist nach eigenen Angaben Zukunftsmacher und hat sein Talent zum Beruf gemacht. Beim Motor-Umwelt-Kongress des Antriebsentwicklers AVL-List in Graz errang sein Vortrag unlängst höchste Aufmerksamkeit.

Lars Thomsen der Wirtschaftsguru

Er zieht Zuhörer in seinen Bann, dass sie fast die Besinnung verlieren und selbst kritische Geister ihre Kritik gegen sich selbst zu richten beginnen. Fundamentale Gegner seiner Thesen geraten ins Schäumen. Wer in der Lage ist, ein wenig Abstand von seiner inbrünstigen Art der Präsentation zu halten, fragt sich vielleicht, ob er hier im Kabarett oder auf einem Esoterik-Kongress gelandet ist. Nicht, dass der Inhalt völlig unglaubwürdig wäre, aber die Argumentationsketten erinnern doch an die Rezepte großer Gurus und an allzu simple Heilsversprechen.

Wir seien verkürzt gesagt einfach Idioten, weil wir beim Autofahren noch immer Erdöl verbrennen, schon in wenigen Jahren wird das Elektroauto auf radikalste Art und Weise alle anderen Antriebsarten abgelöst haben. Er befleißigt sich einfacher Gleichnisse, um uns klar zu machen, dass die totale Revolution in der Automobiltechnik längst im Gange wäre.

lars thomsen

© Bild : Kleine Zeitung/Fuchs

Die Popcorn-Theorie

Lars Thomsen hat dazu einen Vergleich parat, den tatsächlich jeder Idiot versteht: Die Popcorn-Pfanne, in der sich zuerst nichts tut, dann ein Korn aufpoppt, und dann wieder nichts, und wieder ein Korn und plötzlich ist der Topf voll. So sei es auch mit der Elektromobilität.

Tesla hat einen Run wie einst Smartphones und LCD-Fernseher

Er erklärt den Niedergang von Nokia und das Ende des Röhrenfernsehers und zieht Parallelen zur heutigen Dynamik oder besser mangelnden Dynamik im Automobilbau. (Das ist allerdings keine Zukunftsforscher-Leistung, sondern nicht viel mehr als eine Vergangenheitsanalyse.) Er lobt Tesla (das Auto) über den grünen Klee, betont, dass Strom aus Photovoltaik heute schon billiger herzustellen sei als aus Kohle, unterstreicht den Preisverfall der Batterien gleichermaßen wie deren Zugewinn an Reichweite und Zyklenfestigkeit.

Plakativ wirft er mit Zahlen um sich, die im Detail sogar weitgehend stimmen, aber aus allen Zusammenhängen gerissen, ziemlich bunt zusammengewürfelt, ein sehr fragiles Fundament für seine Thesen bilden.

Das Aus der Formel 1

Spätestens, wenn er die rasche Elektrifizierung des Lastwagenverkehrs vorhersagt, und „kein Stadtbus mehr mit Verbrennungsmotor ab 2018“  traut man sich auch wieder Luft zu holen, erwacht aus dem schwindligen Erstaunen, in das er sein Publikum hineingeredet hat. Mann oh Mann, welch ein Messias! Übrigens: Letzte Formel-1-Saison 2017!

Der Vortrag von Lars Thomsen – Elektromobilität: Revolution der Automobilindustrie

  • Max Falb-Forsthuber

    Bezugnehmend zu Ihrem Artikel „Das Elektroauto wird sich schon sehr bald durchsetzen“
    Sehr geehrter Herr Skarics,
    Sie haben´s erfasst, auch wenn Sie (so wie im gesamten Beitrag) nur polemisieren, denn „er“ hat´s auf den Punkt gebracht:
    Wer beim Autofahren noch immer Erdöl verbrennt, ist ein Idiot! Bezogen darauf, was ich tagtäglich auf der Straße so sehe, nämlich ca. 1,1 Insaßen pro Privat-PKW, würde ich sogar meinen; ein Vollidiot!

    Und das mit einem praktischen End-Wirkungsgrad von ca 10% (ich rede nicht von einem theoretischen Maximum).

    Wir sind jedenfalls schon längst umgestiegen und auch wenn Herr & Frau Österreicher besonders „klug“ sind und die E-Mobilität partout ignorieren (weil wir ja am Rockzipfel der deutschen Herren-Autoindustrie nuckeln), dann kann ich nur eine weitere Aussage von Herrn Thomsen zitieren: „Der Fortschritt wird nicht auf Deutschland warten“.
    Ich bin zum Glück noch jung genug, um hoffentlich miterleben zu dürfen, wie ihr ewig-Gestrigen bald dumm dasteht. Auch bin ich froh, dass das Internet nicht vergisst…

    Mit sonnigen Grüßen,
    Max Falb-Forsthuber

    • Chris

      Hallo Max!

      Sie schreiben mir vom Mund – kann nur vollinhaltlich zustimmen! Wenn ich nicht auf diesen Kommentar gestossen wäre, hätte ich ihn in diesem Sinn geschrieben!

      Hr. Skarics – nehmen Sie sich einmal Zeit, sich mit der Problematik Feinstaubhöchstbelastungen in Wien, Lärmschutzwände, peak oil und fracking, und Wegschmelzen österr. Gletscher zu befassen – hoffe, Sie können Zusammenhänge erkennen! Und dann nehmen Sie sich für einen Tag einen Tesla!

      Um an Max anzuschließen: was für ein Idiot muss man sein, wenn man glaubt, es gäbe in Zukunft überhaupt noch eine Alternative zu Elektrofahrzeugen!

  • Vince

    Ein Autokauf ist keine rationale Entscheidung. Apple hat erreicht, dass bei der jungen urbanen Bevölkerung das Auto als Statussymbol abgelöst wurde: man kauft ein iPhone und benutzt die Öffentlichen und Car Sharing. Tesla ist dabei, das Auto mit Verbrennungsmotor als Statussymbol abzulösen. Es mag zwar noch ne Weile rationaler sein, mit Öl zu fahren – aber auch ziemlich uncool.

  • Vince

    Ich könnte mir sogar vorstellen, dass der Verbrennungsmotor bei der Neuanschaffung von Stadtbussen bereits vor 2018 ausgedient hat. Santa Barbara im milden Südkalifornien hat die Downtown-Busflotte bereits in den 90er Jahren auf rein elektrisch umgestellt. Flughafenbusse in Amsterdam Schipol fahren rein elektrisch, und viele andere Städte haben begonnen, Buslinien umzustellen (London, Braunschweig, …)

  • Autojoe

    Toll,ich habe mir noch schnell ein neues Dieselauto gekauft, wenn es nach den Aussagen von Herrn Thomsen geht wird dann der nächste PKW schon ein Elektrauto. Aber was wird bitte dann aus den anderen Verbrennern, den Brummern und Flugzeugen werden diese auch auf Elektro fahren und fliegen?

  • Jörn Gutbier

    Sehr geehrter Herr Skaric,
    hätten Sie auch Argumente die gegen die Einschätzung von Herrn Thomsen von Bedeutung sind? Ich lese nur Floskeln und suffisante Sprüche ohne Inhalt.

  • Lausbub

    Mich erstaunt immer wieder, mit welch emotional aufgeladenen Sprache die Automobil-Experten, die vom Alter her der Generation des Autors angehören, Befürworten von E-Mobilität entgegentreten.
    Bei diesen Aussagen hat man das Gefühl, sie hätten panische Angst, es könnte irgendwas zu Tage treten, wodurch sie erkennen müssten, dass sie ihr Leben lang an das falsche geglaubt haben.
    Wieso haben die das nötig?

  • Weber

    @Marcus Lang:
    1) Die Zahl der Photovoltaik Anlangen soll ja forciert werden; ein Carport/Garage mit Solarzellen am Dach sollte künftig Standart sein.
    2) Es stimmt das E-Autos Akkus benötigen, aber dafür benötigen sie kein Getriebe, keine Kupplung, etc.
    3) Elektroautos haben praktisch keinen Verscheiß, man kann ein E-Auto auch 500.000 km fahren _Verbrenner halten nur beschränft – das schafft zwar mehr Arbeitsplätze, kostet aber auch mehr Energie
    4) Kraftwerke können auch Strom aus Wind/Sonne/Wasser erzeugen, nicht nur aus fossilen Stoffen – und selbst fossile Kraftwerke bieten den Vorteil, dass teure Filter die Umwelt schonen – damit spart man tausende katalysatoren beim Verbrenner, die außerdem nie so filtern wie eine Filteranlage eines kalorischen Werkes
    5) Elektroautos sind leise – die Lärmbelastung durch den Verkehr ist enorm

    ich könnte noch viele weitere Punkte aufzählen – der Verbrenner ist bereits tot – er hätte nie geboren werden dürfen, aber die Öllobby war stets Geburtshelfer und hielt das Baby am Leben

    • Marcus

      Ich würde die Situation so zusammenfassen: Wenn der Akku eines Elektroautos 200.000 km oder länger hält, dann ist ein Elektroauto im Vergleich zu einem besonders effizienten, besonders sauberen Benziner umwelttechnisch ein Nullsummenspiel. Wenn der Akku eines Elektroautos aber nur 100.000 km hält, dann braucht das E-Fahrzeug auf jeden Fall mehr Ressourcen und erzeugt mehr Schmutz, als eine besonders saubere, effiziente Benzin(-Hybrid?) Alternative.
      Wenn ein E-Auto aber ohne Range-Extender angeboten wird, und damit eher nur als ‚Zweitauto‘ in Frage kommt, dann wird damit nicht einmal ein Auto ersetzt, sondern es kommt nur ein Zweitauto dazu. Und 500.000 km in einem Elektroauto mit in Summe 5 Akku (à 250 – 300 kg) ist für mich eher eine Horror-Vorstellung. Im Unterschied dazu sind z.B. 400.000 km in einem japanischen Benzin-Hybrid möglich (mit einem einzigen Pufferakku, der nur ~ 50 kg wiegt). Zumindest entspricht diese Zusammenfassung meiner bescheidenen Wahrnehmung.

    • dreiergustl

      Wie kommst du auf diese Zahlen?

  • Marcus Lang

    Mit Strom aus der Steckdose Autos zu betreiben, ist nicht besonders ökologisch! Und es haben 99% der Bevölkerung keinen Photovoltaik-Park MIT Möglichkeit der Zwischenspeicherung, sodass ohne Primärverbrauch (Gas/Erdöl/…) das Auto geladen werden könnte. Im Kraftwerk müssen für dieselben Jahreskilometer bei den meisten E-Autos mehr Liter Treibstoff verbrannt werden, als bei einem effizienten Verbrennerfahrzeug. Leider habe ich aber beim E-Fahrzeug zusätzlich zum NICHT GERINGEREN, oder sogar höheren Primärenergieverbrauch noch den Nachteil, dass ich 100e Kilo Akku erzeugen, mit mir herumschleppen und wieder entsorgen muss. Besonders schlecht sind in diesem Zusammenhang genau die Autos mit besonders hoher E-Reichweite, von denen manche Konsumenten träumen. Warum soll ich 500 kg Akku das ganze Jahr durch die Gegend führen, wenn ich nur 10x im Jahr mehr als 250 km weit fahre?

    Gute E-Autos mit 15 kWh/100 km oder weniger sind also ökologisch etwa gleichwertig mit sparsamen, sauberen Verbrenner-Autos. Werden diese dann noch mit kleinem, leichtem Range-Extender für Langstrecken fit gemacht, sind sie wenigstens uneingeschränkt einsetzbar. Zur Ökobilanz eines besonders guten, besonders sauberen Hybrid komme ich damit aber immer noch nicht hin, m.M.n. .

    Ach ja: Ein durchschnittlicher 3 Pers. Haushalt mit etwa 3600 kWh jährlichem Stromverbrauch braucht mit einem kompakten E-Fahrzeug (15-16 kWh/100 km) bei jährlich 15.000 km etwa 2300 kWh zusätzlich – mindestens. Der Stromverbrauch steigt also um 64%!

    • Benjamin Maier

      Also mit meinem Tarif wären das 10€ pro monat … klingt akzeptabel im gegensatz zu mehr als 90€ für diesel, zahlt schon mal mindestens die akkumiete. Dazu noch die versicherung um die hälfte und das ist dann reines plus.

  • kalman kovac

    Ich finde super das Elektroantrieb bei Autos.jetzt stimt der radius nicht 150-oder 200 km radius sind zu wenig für ein Auto!Es wird mit der zeit besser in 2-4 jahre.
    Gruß
    Kalman Kovac kroate

  • Ravenbird

    Der Mann ist ein Pessimist.
    WENN Strom dezentral produziert werden kann, zum Beispiel in Gas- oder Ölgeneratoren an Tankstellen.
    WENN Akkus in kurzer Zeit geladen werden können, wie sie in spätestens einem bis zwei Jahren die Regel sein werden (verschiedene Forscher haben die Lösung schon, sie ist einfacher als man denkt und wird bald umgesetzt).
    WENN die Reichweite größer wird, siehe oben – gleiche Technologie – ein Nebeneffekt durch die Vervielfachung der Kapazität.

    DAMIT können ALLE leben. Die Petrochemie liefert weiter den Treibstoff, halt nicht mehr primär für Autos, sondern für „kleine“ abgasfreie (-arme) Generatoren an Tankstellen, diese bleiben bestehen oder werden ausgebaut, Arbeitsplätze entstehen (wieder).
    Die Autohersteller gewinnen, weil Elektroautos viel billiger herzustellen sind als Spritkarren (in der zukünftigen Serie).
    Das wäre – um es neudeutsch zu sagen – eine typische win-win-Situation und so wird es auch kommen (müssen).

    Strom aus dem Netz ist Utopie und wäre nur mit Atomkraftwerken machbar – vielleicht mit Wasserkraft in exponierten Ländern wie bei uns, aber politisch ist das erledigt wegen der Würmer, die wandern müßten – lächerlich, aber so will es die Atomlobby und deren (unbewußte?) Handlanger, Greenpeace und die Grünen.

    • Martin

      Hallo Ravenbird,

      den Strom mit Aggregaten dezentral erst wieder fossil zu erzeugen ist – sorry – absoluter Schwachsinn.
      Was die wenigsten wissen: den gesamten (!) PKW-Verkehr auf Elektroautos umzustellen würde unseren Stromverbrauch nur um rund 20% erhöhen. Dafür braucht man kein einziges Kraftwerk neu zu bauen. Man braucht nur zu schauen, dass man die Autos dann lädt, wenn gerade genug Strom vorhanden ist (z.B. Windstrom in den frühen Morgenstunden).

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