Testbericht: Land Rover Range Rover Sport

Nach dem Beschleunigen bleibt das gute Gefühl, gerade ein Mammut erlegt zu haben.

26.03.2010 Autorevue Magazin

Alle, die das langweilig finden, weil sie es eh längst wissen, mögen diesen Absatz überspringen, aber die Erkenntnis muss fürs allgemeine bessere Verständnis vorangestellt werden: Range Rover Sport ist nicht gleich Range Rover. Es handelt sich beim Range Rover Sport unter dem Blech um einen Land Rover Discovery, der dem Range Rover allerdings frappant ähnlich sieht. Der Unterschied: Während der Range Rover eine selbsttragende Karosserie besitzt, die in Zeiten der BMW-Liaison entstand, greift der Range Rover Sport auf den Hardcore-Gelände-Unterbau des Discovery mit Leiterrahmen zurück.

Das klingt jetzt, als hätte man damit eine Billigsdorfer-Ebene eingezogen. Was jedoch nicht stimmt. Erstens ist der preisliche Abstand zum „großen“ Range Rover nicht sehr groß, zweitens fährt sich auch der Sport souverän. Und er könnte, wenn doch irgendjemand wollte, auch die uneingeschränkte Gelände­gängigkeit ausspielen (mit 625 Nm Drehmoment und Wandlerautomatik erübrigt sich ein Untersetzungsgetriebe im Wesentlichen).

Die wahre Heimat des Sport ist na­türlich die flotte Landstraße und die Autobahn, wir wollen da kein Klischee auslassen, schließlich liegen Kitzbühel, die Salzburger Festspiele und der Opernball in Reichweite einer Tankfüllung, wenn man respekt­voll mit dem Gaspedal umgeht. Damit der weite Spagat zwischen Geländebetrieb und deutscher Autobahn auch angemessen funk­tioniert und der Range Rover Sport gegen BMW und Mercedes ein Leiberl hat, wird vorzügliche, elektronisch voll­vernetzte Fahrwerkstechnik eingesetzt. Präzise Lenkung, kaum Seitenneigung, gutmütigste Reak­tionen. In diesen lichten ­Höhen der Kraftentfaltung wäre das ohne entsprechend hochgezwirbelte Technik nicht möglich. Da sieht man schon: Es ist kein Privileg der großen deutschen Pre­miummarken, höchstwertige Technik vorzuführen. Die ­direkten Gegner der von uns getesteten Version heißen immerhin AMG-Mercedes und BMW M.

Wichtig ist natürlich der Motor, den überarbeiteten Fünfliter-V8 mit Kompressor und Direkteinspritzung gibt es seit kurzem im Jaguar und jetzt auch schon bei Land ­Rover. 510 PS, 625 Nm Drehmoment. Man will in dieser Fahrzeugklasse ja nichts relativieren oder gar herummoralisieren, eines ist jedenfalls ­gewiss und lässt sich straff verkürzt ausdrücken: 30 Prozent weniger Praxis­verbrauch ­gegenüber dem Vorgänger ­bedeuten an die 100 km mehr Reichweite. Wenn das kein Grund zur Freude ist?

Politisch ist es natürlich nicht korrekt, aber so ein ­pershingmäßiger Ampelstart mit einem Zweieinhalbtonner lässt steinzeitliche Wohlgefühle hochkommen, als hättest du gerade ohne fremde Hilfe ein Mammut erlegt. Immerhin steht nirgends geschrieben, dass starkes Beschleunigen für sich schon strafbar wäre – wenn auch unvernünftig, sagt der innere Zeigefinger.

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