Range Rover Evoque Dauertest statisch oben
Das weiße Dach über dem schwarzen Körper-Keil überzeichnet die Form nachgerade, dazu riesige Radläufe und 19-Zoll-Räder.
 

Dauertest-Einstieg: Land Rover Range Rover Evoque 2,2 SD4 Prestige Automatik

Wir starten den Selbstversuch für ein Jahr: Wie kann man dem Alltag auf extravagante und herzerwärmende Art begegnen. Der Range Rover Evoque im Dauertest.

01.04.2013 Autorevue Magazin

Herzerwärmend? Wollen Sie mich beleidigen? Die Rührung, die darin mitschwingt, die Weichheit und das Verständnis sind zum Fürchten. Wo würden wir damit bleiben in diesem Auslesezirkus? Den gewinnt doch nur, wer hart ist, berechnend und unangreifbar.

Charmant, herzerwärmend, anmutig:

Das sind aber die Worte, die einem im Evoque auf der Straße zugeworfen werden. Die Leute meinen dabei nicht den Fahrer. Sie meinen das Auto, und das Auto ist ein SUV. Der Range Rover Evoque gehört ganz unzweifelhaft in die Riege dieser modernen schweren Streitwagen, die Rang und Stand und Vermögen repräsentieren mit ihrer Größe und den unfass­baren Möglichkeiten an Technik und alltagserleichternden Komfortgaben. Aber er ist so anders in seiner Extra­vaganz. Man wird gemocht im Evoque, von Autoauskennern genauso wie von Leuten, die einen ­Hyundai nicht von einem ­Dacia unterscheiden können. Und seltsamerweise stößt sich auch keiner groß daran, dass man für einen Evoque wie unseren an die 60.000 Euro ausgeben müsste. Neidlose Anerkennung, dass es so etwas noch gibt.

Range Rover Evoque Dauertest statisch hinten rechts

Selbst freut man sich natürlich auch. Am meisten und jeden Tag. Das Aussehen eines Autos ist immer noch eines der stärksten Kaufargumente, und man ist durchaus bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen, wenn bei jedem Ein- und Aussteigen dafür dieses satte Gefühl der Freude und Zufriedenheit aufsteigt. Ja, auch der Evoque hat einen kleinen Nachteil. Die Sicht nach hinten ist lausig. Die sich zum Heck hin tolldreist verjüngende Fensterfront, die ihn so besonders auffällig macht, und das hohe Heck, das oben auch noch von diesem kessen Dachspoiler bekränzt wird – der Blick ist jedenfalls beträchtlich eingeengt. Es ist, als würde man durch die Schießscharten einer Wehrburg schauen. Aber das macht nichts. Gar nichts. Man muss sich eben zu helfen wissen. Durch dieses enorm kluge ­Kamerasystem etwa, das jeden Zentimeter vor, hinter und ­neben den Rädern ausleuchtet und per Touchscreen-Zoom als Close-up in den Innenraum holt. Auch Rückfahr-­Kamera und akustische Einparkhilfen sind nützliche ­Assistenten. Gewiss, das kostet insgesamt über 5.000 Euro, aber cool und kleinlich verträgt sich nicht, und außerdem sind da auch ein HD-Naviga­tionssystem und eine elektrische Heckklappe dabei.

Der Trick des Range Rover Evoque: seine mächtige Breite

Der Range Rover Evoque ist im Vergleich zu anderen Kompakt-SUVs mit 4,36 Metern ein recht kurzes, aber dafür enorm breites Auto. Die zwei Meter Breite lassen ihn frontal betrachtet besonders mächtig erscheinen, beim Parken in schmalen Gasse rauft man dagegen mit dieser Sperrigkeit. Das Platzangebot drinnen zeigt sich tadellos. Der Kofferraum ist keine ­Kathedrale, und das ist gut so, da in neun von zehn Fällen bei uns hinten nicht mehr ­hineinmuss als ein, zwei Fahrräder, und das geht allemal.

Range Rover Evoque Dauertest statisch vorne rechts

Das Modell, das wir nun ein Jahr fahren werden, ist der stärkste Diesel in bester Ausführung. Der Vierzylinder-TD hat 2,2 Liter Hubraum und 190 PS, sein Drehmoment von 420 Nm ist dem 1,7-Tonnen-Auto angemessen. Die Sechsgang-Wandlerautomatik schaltet sanft, gönnt sich beim Anfahren aber Denkpausen, die man in sein Reaktionsverhalten einplanen muss, wenn früh am Morgen wieder einmal die Zeit drängt und man ein bisschen das Messer zwischen die Zähne nehmen muss. Der permanente Allrad hat vier Fahrprogramme, inklusive Bergabfahrhilfe, und trägt so weit, wie 21 cm Bodenfreiheit und Haldex-Differenzial in unserer zivilisierten Welt reichen.

Die Atmosphäre im Evoque ist meistens laid back.

Das liegt an der englischen Lässigkeit, die das Auto ausstrahlt. Daran haben die feinen Ledersitze ­einen hohen Anteil, beheizbar und elektrisch justierbar selbstverständlich, und der modern per Fingerprint-Direktwahl über den Bildschirm bedienbare Bordcomputer. Auch das Meridian Sound-System mit seinem 380-Watt-Verstärker und zehn Boxen wirkt mit seiner satten Klangqualität sehr entspannend, haben wir festgestellt.

Unser Evoque hat Prestige-Ausstattung. Darin sind das Leder und die Premium-HiFi-Anlage enthalten, aber auch Xenon-Scheinwerfer und die 19-Zoll-Räder, die den coupéhaften Körperbau des Evoque noch um ein Alzerl dramatischer zur Geltung kommen lassen. Mit der minimalistischen Schwarz-Weiß-Lackierung haben wir da noch etwas nachgeholfen, der Body ist
in Sumatra Black Metallic ­lackiert, das Dach in Fuji White (ein Auto, das Evoque heißt, hat Farben mit solchen Namen verdient). Zusammen mit den abgedunkelten Fondscheiben standen deshalb übrigens knapp 2.000 Euro mehr auf der Rechnung.

Range Rover Evoque Dauertest Interieur

Es sind unter anderem diese gelungenen Details, die den Evoque aus dem restlichen SUV-Angebot heraustreten lassen. Und nicht alle muss man extra bezahlen. Ein Willkommens-Licht wirft beim Entriegeln der Tür vom unteren Rand der Seitenspiegel einen hollywoodmäßigen LED-Lichtkegel auf den Asphalt, in dem sich in dunklen Strichen die Silhouette des Evoque abzeichnet. Raffiniert! Wir haben das schon etwa hundertfünfzig Mal gesehen, und es wird immer noch nicht langweilig. Für manche Gäste müssen wir sogar zweimal auf- und zusperren, dabei ist die Freude aber keine laute, das wäre uns peinlich. Die Leute stehen dann nur still, schauen, neigen den Kopf leicht zur Seite, saugen anerkennend die Luft ein und nehmen Platz. Meist entwickelt sich während der Fahrt dann ein Gespräch über Ästhetik, persönlichen Stil und über Herzenswärme. Genau: Herzenswärme!

Den Dauertest-Zwischenbericht finden Sie hier, den Dauertest-Abschluss dort.

Für die Fotos waren wir beim Eisenbahn Museum Strasshof zu Gast.

  • Susanne Hofbauer

    Danke für das Kompliment. Und ich will mich revangieren; Ein feines Auto, das Sie fahren. Wo Geschmack ist, zeigt er sich auch…

  • Beat Rytz-Ries

    Eine extravagante, herzerwärmende Rezension zum Verlieben! Grosses Kompliment an die Frau Hofbauer. Wenn ich nicht schon einen mein Eigen nennen dürfte, würde ich ihn jetzt kaufen wollen!

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