Land Rover Defender Bowler Challenge 2014 drift vorne seite
Den Bowler Defender hätten wir den Engländern jetzt nicht zugetraut.
 

Land Rover Bowler Defender Challenge – Schlammsack

Ein ganz spezielles Auto mit dem wir, so kurz vor dem Ableben des Defenders, nicht mehr gerechnet haben.

10.03.2014 radical mag

Engländer sind: anders. Sie haben dauernd Angst vor dem Erstickungstod, deshalb wollen sie nicht, dass die Fenster an ihren Häusern dicht sind. Sie haben auch Angst davor, dass sich das kalte und das warme Wasser durchmischen könnte, deshalb gibt es immer zwei Wasserhähne in ihren Badezimmern; sie hassen Duschen (da kommt das Wasser ja auch aus einem Hahn), deshalb kaufen sie so viele Cabrios. Sie essen das Lamm mit Pfefferminzsauce – und sie haben auch diesen ganz speziellen Sinn für Humor. An diesen denkt man auch zuerst, wenn man liest, hört, dass der Land Rover Defender jetzt zum Rallye-Auto werden soll.

Doch Land Rover meint das: ernst.

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Es wird auch eine eigene Renn-Serie geben, die «Defender Challenge». Und wenn man dann sieht, wer der Partner von Land Rover für dieses Projekt ist, dann weiss man dann auch, dass es sich hier nicht um einen Scherz handeln kann. Wir sagen nur: Bowler. Die Jungs sind so ein bisschen schräg,bauen unter anderem ein herrliches Teil namens EXR, haben viel Erfahrung in Sachen Paris-Dakar und überhaupt Rallye-Raids – und durften jetzt aus dem Defender ein Gerät basteln, mit dem im Rahmen der englischen Rallye-Meisterschaft so ein bisschen gespaßt werden kann. Man rechnet sich keine Chancen auf Gesamtsiege aus, aber Drew Bowler sagt, dass ein gutes Team durchaus in die Top Ten fahren könnte. Mit mindestens 15 Teilnehmern an der «Defender Challenge» rechnet Bowler im ersten Jahr, später soll die Rennserie auch in andere Länder exportiert werden.

Bowler legt überall am Defender Hand an

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Nun denn, ein Defender, so denkt man und so ist es auch, hat andere Stärken als die reine Fahrfreude. Doch Bowler hat so ein bisschen am Fahrzeug gearbeitet, der 2,2-Liter-Diesel aus dem Ford Transit muss nicht mit 122 lahmen Shetland-Ponies den Berg hoch schleichen, sondern schafft jetzt 170 PS. Und ein maximales Drehmoment von 450 Nm; damit kann man tatsächlich Freud‘ haben, wie wir sowohl auf Asphalt wie auch im Dreck herausfinden durften. Geschaltet wird weiterhin manuell über ein 6-Gang-Getriebe, das wurde aber verstärkt – und verfügt über einen neuen Schalthebel, der das Rührwerk auch still hält, nicht wie im «normalen»Defender, wo den Knüppel dauernd irgendwo im Innenraum suchen muss. Kleines Lenkrad – und grober Überrollkäfig. Komplett neues Fahrwerk, alles viel härter, steifer, 18-Zöller, bessere Bremsen. 50.000 Pfund kostet so ein Bowler Defender Challenge, mit etwa 10.000 zusätzlichen Pfündern muss gerechnet werden, wenn man die ganze Saison bestreiten will, 7 Rallies sind bisher geplant.

Defender-Challenge: optimal für Nachwuchstalente

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Doch es geht Land Rover/Bowler gar nicht darum, Erfolge auf den Rallye-Strecken einzufahren. Man sieht das mehr: pädagogisch. Drew Bowler erklärt das so: man habe in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen erhalten von Nicht-Profis, die unbedingt einmal die Paris-Dakar oder einen anderen Rallye-Raid fahren wollen. Bubentraum und so. Nun kostet aber ein anständiges Auto für so eine Langstrecken-Rallye im Bereich von 250.000 Pfund. Und es braucht eine Lizenz. Und es braucht auch so ein bisschen Erfahrung; er habe auch schon Kunden gehabt, erzählt Bowler, die haben ein Team für die Paris-Dakar aufgestellt, viel Geld ausgegeben – und nach zwei Tagen hatten sie genug. Mit der «Defender Challenge» sollen nun Interessenten die Möglichkeit kriegen, für ein noch vernünftiges Geld mal testen zu können, ob der Bubentraum wirklich das ist, was sie wollen in ihrem Leben. Und sie können Erfahrungen sammeln, mit einem Spielzeug, das ihre fahrerischen Qualitäten zwar fordert, aber nicht überfordert. 170 Diesel-PS sind ja auch keine WRC-Kiste. Bowler meint außerdem, dass die «Defender Challenge» sich ausgezeichnet für Nachwuchs-Talente eignet, auch deshalb, weil die Kosten absolut überblickbar bleiben. Und weil der Bowler-Defender so aufgebaut ist, dass man am Freitag zum Rennen, am Weekend das Rennen und am Montag wieder zur Arbeit fahren kann. (Dass die einzelnen An- und Umbauteile auch für gewöhnliche Defender erhältlich sind, ist ein angenehmer Nebeneffekt – Bowler will allerdings nicht zum Werkstuner werden für Land Rover, das könne zwar ein interessanter Geschäftszweig werden, sagt Drew, doch die Kernkompetenz sieht man bei der kleinen Firma immer noch in der Entwicklung eigener Fahrzeuge (auf Basis von Land und Range Rover) sowie dem Aufbau von Rallye-Raid-Fahrzeugen.)

Der Defender wird zum Spaßvogel

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Zuerst scheuchen wir eine zivile Variante des Bowler-Defender über ein paar Landstraßen in der Umgebung von Gaydon. Wir kennen den Defender ja so ein bisschen (siehe: Fahrbericht Defender LXV) – und können vermelden: oh, ja! Erstens zieht der Wagen wunderbar ab, viel mehr Leistung, viel mehr Drehmoment – aus dem Arbeitstier ist ein Spaßvogel geworden.

Nein, natürlich wird man einem Clio RS keine Schamesröte ins Gesicht jagen können, aber man muss auch nicht mehr den Traktor fürchten, der im Rückspiegel bedrohlich größer wird. Das Fahrwerk verdient jetzt seinen Namen, die Bremsen sind definitiv besser, als wenn man in einem normalen Defender den Anker wirft und dazu noch hofft, dass auch der massive Luftwiderstand etwas zur Bremsleistung beiträgt. Die Lenkung ist viel besser, und man findet nun nicht nur den Schalthebel, sondern auch die Gänge. Ja, wir können uns durchaus vorstellen, mit diesem Bowler-Defender am Berg, über einen Pass zu knallen, und die Langsamsten wären wir dabei nicht. Und wenn es dann auch noch Schnee hätte…

„Und dann sitzst Du da – und lächelst nur noch.“

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Dann geht es auf die Schotterdreckschlammwasser-Piste. Zuerst zeigt uns ein Profi, was alles möglich ist – und hey, das geht gut. Das geht wunderbar quer, das ist – sehr fröhlich. Und dann dürfen wir endlich auch noch selber. Man muss es so sagen: so ein Defender mit kurzem Radstand ist ja ein eher nervöses Teil. Und baut ziemlich hoch. Also nicht gerade die optimalen Voraussetzungen für die Piste. Man merkt das dann auch schnell, man muss viel arbeiten am Volant und auch im Rührwerk, das passende Drehzahlband ist eher schmal, so zwischen 3000 und 4000/min. Und anfangs hat man nicht so das Vertrauen, weil die Wankbewegungen doch als beträchtlich zu bezeichnen sind – der Schwerpunkt befindet sich weiterhin auf gefühlten zwei Metern. Aber wenn man den Dreh dann mal raus hat, spürt, dass man mit einem beherzten Tritt auf den Pinsel durchaus etwas bewegen kann, auch in die Quere, dass es anständig bremst auch auf Schotter, dann. Mehr nach innen ziehen, denn nach draußen drängt es den Defender ganz von selbst, weniger nervös lenken, mehr dem Hintern vertrauen, mehr auch antizipieren – dann geht das prächtig. Und dann sitzst Du da – und lächelst nur noch. Wann genau ist uns das in einem Defender schon mal geschehen?

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Ach, er ist laut, der Bowler-Defender. Und alles klappert und und knarrzt und stöhnt und ächzt; aber es verwindet sich nicht, da hilft der massive Käfig. Über den man beim Hinsteigen nur hinwegkommt, wenn man die Kletterausrüstung dabei hat und sich anseilt. Coole Recaros, auch wenn das irgendwie nicht in einem Defender passt, doch schon in der ersten Kurve ist man froh um die Dinger. Bowler selber sagt, der Kurze sei nicht unbedingt Langstreckenrallye tauglich, was so viel bedeutet wie: es wird auch noch einen 110er geben von Bowler. Mit dem kann man dann zur Paris-Dakar, sich den Bubentraum erfüllen.

Land Rover " Bowler" Defender

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com.

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