Lancia Thema Detail
Chryslancia?! Keine Panik, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
 

Quo Vadis?

Ein erstes Herantasten an Lancias Renaissance.

03.03.2011 Online Redaktion

In Genf wurde Lancia neu geboren: fast alle Modelle wurden entweder ersetzt oder aufgefrischt, das musste natürlich gebührend inszeniert werden – der repräsentative Stand glänzte mit den Karosserien um die Wette (das viele Schwarz machte das Fotografieren allerdings zur Herausforderung).

Aber was kann man vom neuen Portfolio erwarten? Zwei der Serienmodelle wurden bekanntlich von Chrysler übernommen, der Flavia (a.k.a. Chrysler 200) ist vorerst als Studie zu sehen, man will die Reaktionen abwarten.

Setzen wir uns also einmal in den Thema. Oberklasse, wie Lancia stolz verkündet. Man will sich nicht mit 5er-BMW und Co. messen, sondern gleich eine Klasse höher einsteigen: 7er-BMW, Lexus LS etc. Mit 5,1 Metern Außenlänge ist man jedenfalls auf Augenhöhe.

Der erste Eindruck im Interieur stimmt positiv: feines Leder wird mit matten Holzeinlagen und Chrom kombiniert, wo Kunststoff unvermeidlich ist, fühlt er sich angenehm an. Die Verarbeitung wirkt solide, der Sitzkomfort lädt zu Langstrecken ein, auch auf der Rückbank geht es nicht gerade beengt zu.

Das Außendesign scheint einem Mafia-Film entsprungen, man wird jedenfalls keine Probleme haben, die schlichte Karosserie in der italienischen Ecke abzuspeichern.

Drei Motorisierungen werden angeboten, allesamt mit sechs Zylindern. Der Benziner leistet 292 PS (214 kW) und stemmt 353 Nm auf die Kurbelwelle, die Kraft wird von einer Achtgang-Automatik sortiert, ehe sie an die Hinterachse gelangt. Etwas bescheidener müssen die Dieselkunden sein, die beiden Selbstzünder von VM Motori sind an einen Fünfgang-Automaten gekoppelt, die Leistung liegt hier bei 190 PS (140 kW) bzw. 224 PS (165 kW). Die stärkere Version verfügt über 550 Nm maximales Drehmoment. Verbrauchswerte sind noch nicht bekannt, lediglich der CO2-Ausstoß des Benziners ist mit 199 g/km angegeben.

Auch im Bereich der Technologie klopft Lancia auf den Tisch, erhältlich sind zum Beispiel Keyless Go, ACC (adaptiver Tempomat), FCS (ein Kollisionswarnsystem), Blind Spot Detection, Cross Path Detection (informiert beim Ausparken über herannahende Hindernisse), Rückfahrkamera sowie ein Touchscreen-Navigationssystem mit einer 506 Watt-Audioanlage. Nachtsichtgerät, Head-Up-Display, Internetzugang und derlei sind nicht vorgesehen, zu 7er-BMW und Co. wird also doch ein Respektabstand bleiben…

Der Lancia Thema kommt hierzulande im Oktober auf den Markt.

Das zweite Chrysler-Modell im Lancia-Portfolio wurde gar nicht erst umbenamst, wäre ja auch schön töricht, den so bekannten Namen „Voyager“ endgültig sterben zu lassen (in den USA hört der Van seit 2004 auf den Namen „Town & Country“). Lancia Voyager also, das Gerät ist bekannt und seit 2008 auf dem Markt, hier wurde vor allem das Armaturenbrett überarbeitet und an den Lancia-Anspruch angepasst. Das Auto rundherum ist angenehm, ohne herausragende Höhen oder Tiefen – auch hier angemessene Materialqualität und natürlich Platz im Überfluss.

Für den Van werden die zwei bekannten Motorisierungen angeboten, ein 2,8-Liter-Diesel mit 163 PS (120 kW) und 360 Nm (sic!) Drehmoment sowie ein V6 mit 283 PS (208 kW), das maximale Drehmoment ist hier noch nicht bekannt.

Alles Honigkuchenpferd also? Naja, ein Modell fehlt noch: nach acht Jahren gibt es wieder einen neuen Ypsilon. Ob man das Design des neuen Winzlings mag oder nicht, ist Geschmackssache, auf der Habenseite sind nunmehr fünf Türen, was der Praktikabilität zuträglich ist (Dass der Fond sehr eng ist, steht auf einem anderen Blatt). Das Interieur wirkt bemüht, man merkt jedoch (besonders im Vergleich zu Thema und Voyager), dass bei den Materialien Kompromisse eingegangen werden mussten – immerhin: das Lederlenkrad sorgt für eine angenehme Verbindung zum Auto. Die Instrumente haben es noch immer nicht ins Blickfeld des Fahrers geschafft, der Kasten wirkt zudem etwas klobig auf dem ansonsten dezent gestalteten Armaturenbrett.

Die drei Motorisierungen sind ident mit denen des Plattform-Bruders Fiat 500 (dass uns jetzt ja niemand das Wort Panda in den Mund nimmt): 1,2-Liter-Vierzylinder mit 69 PS (51 kW), 0,9-Liter-Zweizylinder mit 85 PS (63 kW) und MultiAir-Technologie sowie ein 1,3-Liter-Turbodiesel mit 95 PS (70 kW).

Alles in allem ist der Ypsilon durchaus eine der edlen Alternativen im Kleinwagensegment, auf dem Niveau eines Audi A1 ist er vom ersten Eindruck her jedoch nicht. Für ein endgültiges Urteil fehlt zugegebenermaßen noch der Fahreindruck der italienischen Renaissance, wir werden berichten, sobald sich die Möglichkeit ergibt.

Dem Delta ist eine Auffrischung widerfahren, die sich vor allem auf optische Updates beschränkt, weiterhin im Programm bleiben der Musa sowie die dreitürige Ypsilon-Version.

Ob der Phönix die Asche aus seinem Gefieder schütteln kann, wird sich weisen, wir warten jedenfalls schon auf die ersten Fahrmöglichkeiten.

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