Eine Straßenblockade vor dem Militärflughafen in Sevastopol (Ukraine).
Eine Straßenblockade vor dem Militärflughafen in Sevastopol (Ukraine).
 

Krim: Anspannung auch bei Autoherstellern

Die Autohersteller weltweit beobachten die Entwicklung mit Argusaugen: Zu wichtig ist der russische Markt für künftiges Wachstum.

04.03.2014 APA

Die Welt beobachtet derzeit angespannt die Lage in der Ukraine. So auch die Autohersteller, die vor allem um den russischen Markt besorgt sind. „Wir beobachten die Situation genau“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Genfer Autosalon. Da die Situation auf der Krim sich aber jede Minute verändere, sei es derzeit schwer, eine Schlussfolgerung zu ziehen. Auch BMW-Chef Norbert Reithofer betonte, es sei derzeit schwierig zu beurteilen, wie sich die Krise entwickle und auswirke.

Wichtigkeit des russischen Automarkts

Die Autohersteller weltweit beobachten die Entwicklung mit Argusaugen: Zu wichtig ist der russische Markt für künftiges Wachstum. Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann hatte am Montag gewarnt, dass die Ukraine zur Gefahr für den noch zaghaften Aufschwung auf dem europäischen Markt werden könnte. Der Verband rechnet in Westeuropa 2014 nach Jahren der Krise mit einem Plus von zwei Prozent. Zugleich verteidigte Wissmann Investitionen in Staaten wie Russland. Die Branche könne sich bei solchen Entscheidungen nicht an Regierungsformen orientieren._apa-grafik-truppenbewegungen-krim

Russland wichtiger Markt für Toyota

Toyotas Europa-Chef Didier Leroy zeigte sich am Montagabend besorgt. Die Dinge in der Ukraine entwickelten sich sehr schnell, sagte er. Nach seiner Ankunft in Genf habe er sich per E-Mail vergewissert, dass die Mitarbeiter des weltgrößten Autobauers dort wohlauf seien. Toyota hat 43 Händler in der Ukraine und verkaufte dort 2013 rund 16.000 Autos. Für den weitaus wichtigeren russischen Markt, auf dem die Japaner vergangenes Jahr 172.000 Autos absetzten, hatte der Konzern für 2014 ohnehin eine Stagnation erwartet.

Zetsche erwartet Aufschwung

Daimler-Chef Zetsche erwartet, dass das Geschäft in Westeuropa ungeachtet der Ukraine-Krise anzieht. „Wir sehen den Beginn einer Erholung“, sagte er. „Wir bekommen positive Signale selbst in den Märkten in Südeuropa.“ BMW-Chef Reithofer sprach von einem „leichten Trend nach oben“, warnte jedoch: In Frankreich etwa gebe es viele Fragezeichen. Der Automarkt im Krisenland Spanien liege noch immer am Boden. „Dort haben wir einen weiten Weg vor uns.“

Neue Daimler-Werke möglich

Trotz der Schwäche in der Heimatregion arbeiten die Hersteller am Limit. Weltweit könne Daimler derzeit nicht so viele Autos bauen, wie nachgefragt würden, sagte Zetsche. Daimler denkt deshalb über neue Werke nach: „Nordamerika ist sicher ein möglicher Ort für so ein Werk“, sagte Zetsche. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte der Daimler-Chef – er deutete an, dass das in den kommenden zwölf Monaten der Fall sein werde.

BMW-Werk in Mittel- oder Nordamerika möglich

Auch BMW spielt mit dem Gedanken einer neuen Fabrik in Mittel-oder Nordamerika. Die Entscheidung über eine weitere Produktion im sogenannten NAFTA-Raum (Kanada, USA und Mexico) sei aber noch nicht gefallen, sagte BMW-Chef Reithofer.

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  • frank

    Ich bin vor allem gespannt, wie es Renault/Nissan mit der Situation geht. Immerhin sind die ja mit Avtovaz verbandelt, weshalb sie Wirtschaftssanktionen besonders treffen würden. Gibt es diesbezüglich Stellungnahmen?

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