KIA Pro Ceed Testbericht

Unbeschwertheit ist eine Haltungsfrage. Mit Blick auf die richtige Linie und einen entsprechenden Preis.

01.02.2008 Autorevue Magazin

Vergessen wir die Jugend nicht. Ihr steht nicht der Sinn nach marketingkonformer Multimöglichkeit und superschlauer Raumeventualität.  Die Jugend (auch im gereiften Erscheinungsbild) will es schlicht, da kommen die eigenen Ideen besser zum Tragen, und damit kommt unter all den Micro- und Macro-Mobilen der klassische kompakte Dreitürer ins Spiel, der ein bisschen in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Neuester Zuwachs in dieser klassischen Sparte: der Kia pro_cee’d. Er hat nicht den geschmeidigsten Namen, ist aber ein fescher Kerl. Schmal zulaufende Fensterlinie, strammer Hintern plus Spoiler und eine solide Bauart, die wir schon beim Fünftürer schätzen gelernt haben. Dass das Design auch ein bisschen andere Häuser zitiert, darf als Referenz und Würdigung gesehen werden.

Wir fuhren den sportlichen Cee’d-Vertreter als Top-Diesel mit 140 PS und hatten eine wahrlich gute Zeit. Allein das Gefühl, für ein so komplettes Auto, das alle Höflichkeiten einer guten Erziehung intus hat – von der leicht und zuvorkommend sich öffnenden Heckklappe über tadellose Scheibenwischer bis zur multitalentierten Musikeinheit (6-fach CD-Wechsel, USB-Anschluss) –, überschaubare 23.630 Euro zu bezahlen, sorgt für ein tragfähiges, gutes Alltagsgefühl. Und dabei hat man sich nichts entgehen lassen (in Bestausstattung XR) außer Navi, Metallic-Lack und ein elektrisches Schiebedach (das hatten wir, würden es aber nicht brauchen).

Zu den spezifischen Aspekten von Sportlichkeit in Coupéform: Die breiten Reifen sorgen auftrittsmäßig für einen guten Stand, machen das an und für sich hart abgestimmte Fahrwerk aber eine Spur zu unfreundlich. Dem Kupplungspedal fehlt es an Charakterstärke (Lochalu hin oder her), die Servolenkung fühlt sich fürs Einparken und Schnellfahren etwas übertrieben unterstützt an.

Die hintere Sitzreihe ist in einem Auto mit drei Türen von Haus aus kein übermäßig einladender Ort. Das ist auch beim pro_cee’d nicht anders, wobei der Klapp-/Schiebemechanismus der Vordersitze das Beste aus der Sache macht (wenn der Fahrer begriffen hat, dass beim Selber-Einsteigen erst der Sitz zurückgefahren und dann die Lehne wieder aufgestellt werden muss, weil ihm sonst kein Platz hinterm Lenkrad bleibt). Über den Kofferraum gibt es nicht viel weiter zu sagen, als dass er vorhanden ist. In würdiger Größe für einen Kompakten (340 Liter) und erweiterbar durch leicht umklappbare Rücksitzlehnen (1140 Liter). Materialien wie Verarbeitung im Innenraum: astrein. Nur am Neuwagen-Geruch sollte Kia arbeiten. Der pro_cee’d hat eine jugendlichere Duftnote verdient.

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