Benny Oeyen, Director Marketing & Product Planning, Kia Europe
Benny Oeyen, Marketing- und Produktplaner von Kia Motors Europe
 

Auf der Suche nach Pili Pili

Ein Interview mit Benny Oeyen, Director Marketing & Product Planning von Kia in Europa.

27.03.2013 Online Redaktion

Kia hat in Genf cee’d GT und pro_cee’d GT präsentiert, im Vorfeld war zu hören, dass die Entscheidungsträger in Korea zunächst skeptisch waren, so viel Leistung in so ein Auto zu packen – ist diese Skepsis immer noch da?
Nein, sie sind sehr überzeugt davon. Wir haben ja auch kein 300 PS-Allradmonster kreiert, keinen GT-R oder GT-RS, das hätten wir auch machen können, aber wir glauben, dass das ein Schritt zu weit wäre für unsere Marke. Wir haben in den letzten fünf, sechs Jahren unser ganzes Markenportfolio umgedreht, der neue Picanto, der neue Rio, der neue cee’d und so weiter bis hin zum neuen Carens, und im nächsten Schritt wollen wir unsere Marke etwas emotionalisieren. Das geschieht einerseits durch ganz neue Autos und Concept Cars, oder man nimmt bestehende Autos und streut ein paar scharfe Kräuter drüber, ein bisschen Pili Pili, und das haben wir jetzt mit dem cee’d gemacht. Und wir haben eben bewusst nichts von 260 PS aufwärts kreiert mit harter Federung und ähnlichen Kompromissen, sondern ein voll alltagstaugliches Fahrzeug und das ist jetzt einmal der erste Schritt für unsere Marke in Richtung Emotionalität.

Heißt das, es kommen noch andere GT-Modelle nach?
Wir schauen uns an, wie man das auf andere Segmente ausweiten kann, ein Rio GT würde mir persönlich sehr gefallen, oder vielleicht ein C-SUV wie der Sportage, da könnte man sich schon mal umschauen.

Heuer hat Qoros Europa-Premiere gefeiert – wie sehen Sie die Konkurrenz aus China?
Es ist keine Frage, ob die Chinesen ein vernünftiges Auto auf den Markt bringen, es ist nur die Frage, wann. Und ich denke, das könnte noch dauern, weil es immer leichter ist auf dem Heimatmarkt zu operieren, als zu exportieren in Märkte mit unterschiedlichen Ansprüchen, Abgasnormen, Crashnormen etc. Und China ist zur Zeit der Wachstumsmarkt, auf den alle drängen und ich denke, so lange der chinesische Markt so groß ist und weiter wächst, ist der Ansporn, im großen Stil Außenluft zu schnuppern, nicht so groß. Aber ich bin überzeugt, wenn das Wachstum in China abflacht, dann werden die kommen. Wobei sich viele chinesische Hersteller im Super-Tiefpreissegment bewegen werden, und deshalb ist es auch unsere Strategie, dort rauszukommen. Wir bieten immer noch gute Preise, aber wir möchten nicht die Billigsten sein, wir machen keinen Wettbewerb mit Dacia und dergleichen, weil wenn da die Chinesen und vielleicht viel später noch die Inder kommen, dagegen kommt man nicht mehr an.

Wenn Sie sagen, Sie möchten raus aus dem Tiefpreis-Segment – in welche Richtung wird sich Kia in Zukunft entwickeln? In Richtung Premium?
Nein, Premium nicht. Wir wollen hochwertiger und sportlicher werden. Premium ist eher Was für unsere Schwestermarke Hyundai. Wir möchten gute Qualität anbieten, sieben Jahre Garantie, Peter-Schreyer-Design, und das zu einem fairen Preis, wo die Leute sagen: Das passt.

Glauben Sie, dass bei der derzeitigen Modellpalette noch Potenzial ist, Hyundai und Kia stärker zu differenzieren?
Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg, früher war das nicht so. Wir arbeiten eng zusammen in allem, was hinter den Kulissen ist – Plattformen, Motoren etc. – so wie Volkswagen oder PSA, aber nach außen hin sind wir einfach Konkurrenten – für uns ist Hyundai ein Konkurrent, so wie Toyota oder Opel. Wir profitieren natürlich beide von den enormen Skaleneffekten, die sich durch die Zusammenarbeit ergeben.

Also Hyundai wird eher die edlere Schiene bedienen und Kia die sportlichere – was kann man da an sportlichen Modellen noch erwarten?
Wir machen jetzt Marktuntersuchungen mit dem Provo, in Genf und auf anderen Messen, und wenn die Resonanz passt, werden wir einen Business Case machen und sehen, ob wir das Auto machen können. Es muss immer auch finanziell Sinn machen. Wir sind ein finanziell sehr straff gemanagtes Unternehmen, wir stürzen uns nicht in Prestige-Abenteuer, wo wir dann Hunderte von Millionen verbrennen. Wir investieren das Geld lieber in Technologien, neue Fabriken und Qualitätsmaßnahmen.

Stichwort Innovation, inwieweit muss sich Kia da noch entwickeln? Will Kia ein innovationsführender Hersteller werden?
Vor sieben, acht Jahren noch fuhren wir hinterher, technologisch und designmäßig. Wir haben jetzt designmäßig sehr aufgeholt und sich da eigentlich vorne mit dabei, technologisch sind wir in the middle of the pack und holen jetzt wirklich mächtig auf, etwa mit den Turbo-GDI-Benzinmotoren. Wir haben Hybrid-Fahrzeuge schon in Amerika und in beschränkter Auflage auch in Europa im Einsatz, es werden noch mehr Hybrid-Fahrzeuge kommen, es werden Plug-In-Hybrids kommen und wir haben auch schon ein elektrisches Fahrzeug in Korea. Wir arbeiten uns langsam nach vorne – Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden. Aber wir sind zufrieden.

Und wenn man sich anschaut, wie VW zum Beispiel das DSG als erster auf den Markt gepusht hat – ist das eine Position, die Kia auch anstrebt, dass man neue Technologien als erster groß auf den Markt bringt?
Langfristig ja, im Moment nicht. Wir wollen gutes Design und gute Qualität zu fairen Preisen anbieten und wenn man sich die derzeitige Entwicklung in Europa ansieht, dann gibt uns der Markt, denke ich, Recht.

Vielen Dank für das Gespräch.
(Das Interview fand im Rahmen des Genfer Automobilsalons statt.)

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