1/2
Ideallinie Die Insignien der Kraftmeierei halten sich in Grenzen, oder besser: Das muskulöse Auftreten wird seitlich nur durch eine dezente Sockelleiste unterstrichen.
 

Dauertest-Zwischenbericht: Espresso Shot – Kia cee’d GT

An der Spitze jeder erfolgreichen Modellreihe der Kompaktklasse steht ein Kraftpaket und wirkt positiv auf die breite Masse zurück. Auch bei Kia?

02.10.2014 Autorevue Magazin

Im Einstiegsbericht im Jänner-Heft war schon eine Menge über die Positionierung dieses flinken Automobils zu lesen, wir wollen das hier noch weiter ausführen. Doch zuerst zur Positionierung der Insassen im Allgemeinen und des Fahrers im Besonderen. Die Sportsitze wirken anfangs ein wenig streng anliegend, der Eindruck verfliegt aber sehr bald. Sie passen punktgenau zur dynamischen Grundausrichtung des Wagens, man wächst mit dem Auto ­zusammen. Ähnlich ist es mit der Härte des Fahrwerks. Sehr bald nach dem Losfahren taucht die Straffheit in der Schlüssigkeit des Gesamt­konzepts unter. Zu ­vermerken ist ferner, dass das Platzangebot hinten auch Großgewachsene erquickt, ­allerdings ist in der zweiten Reihe die sportliche Note des Fahrwerks viel deutlicher zu spüren.

Ergonomisch musterhaft innen – nur der Touchscreen zwickt ein bissl. Gute Recaro-Sportsitze als Bindeglied zwischen Fahrer und Auto.

Ergonomisch musterhaft innen – nur der Touchscreen zwickt ein bissl. Gute Recaro-Sportsitze als Bindeglied zwischen Fahrer und Auto.

Kia cee’d GT: Tolle Ergonomie – mit Abstrichen

Die ergonomischen Verhältnisse sind sehr zu loben. Durch die gegenüber einem Golf noch weiter vorgezogene Windschutzscheibe ergibt sich ein großzügiges Raum­gefühl. Die Sitzposition ist um einen Hauch sportlicher, als in der Kompaktklasse üblich, ­beste Bedingungen also, nicht nur mit Schaltern und Knöpfen, sondern auch mit der kräftigen Motorisierung zu spielen. Die sehr guten ergonomischen Verhältnisse enden allerdings abrupt, sobald man seine Finger in Richtung Touchscreen reckt. Ein Ablenkungsszenario, das im Kia noch härter ausfällt als bei anderen, weil der Bildschirm relativ tief angeordnet ist. Obendrein gelingt das Drücken des richtigen Symbols nur selten auf Anhieb, etwa bei der Wahl des gewünschten Radiosenders oder des Telefonpartners.

Es gibt allerhand Knopferln zum Spielen, und die sind in Ordnung, die hübscheste Überraschung ist aber, wenn die Anzeige der Armaturen von digital auf analog umspringt. Erst kann man sich nicht entscheiden, was einem lieber ist. Dann kommt man aber drauf, dass sich bei Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit in der ­Digitalanzeige das schlechte Gewissen sofort einstellt, während die analogen Zeiger irgendwie toleranter wirken.

Der cee’d zeigt durchaus Selbst­bewusstsein, ohne jeden Anflug von Rüpelhaftigkeit.

Der cee’d zeigt durchaus Selbst­bewusstsein, ohne jeden Anflug von Rüpelhaftigkeit.

Design: Kopf an Kopf mit Mercedes

Angenehm fällt das Fein­gefühl im Design auf. Der cee’d zeigt jede Menge Selbstbewusstsein. Jedoch ohne einen Anflug von Rüpelhaftigkeit und mit bis zu den Alufelgen hin fein aufeinander abgestimmten ­Details. Auffällig sind die seitlich extrem weit nach hinten gezogenen Scheinwerfer in Kombination mit der weit nach vorne gezogenen Windschutzscheibe. Dabei wurden die ­Elemente des automobilen Kraftausdrucks, z. B. die seit­liche Andeutung von Körpermuskulatur, subtiler umgesetzt, etwa im Vergleich zur A-Klasse. Im Design herrscht offenbar ein Kräftemessen zwischen Kia und ­Mercedes. Früher hätte man genau gewusst, wer die Nase vorne hat, wer der Erste war mit einer Idee, wer den besseren Geschmack hat, ­heute ist das nicht mehr ganz so ­sicher.

Das Panorama-Glasschiebedach spendet freundliche Atmosphäre (und Luftzug bei Bedarf).

Das Panorama-Glasschiebedach spendet freundliche Atmosphäre (und Luftzug bei Bedarf).

Mit dem Motor auf der Höhe der Zeit

Vom erstklassigen Fahrwerk war ja schon die Rede, jetzt zum Motor: Dies ist ein Aggregat auf der Höhe der Zeit, müßig zu erwähnen, dass 204 PS in diesem Umfeld eine Wucht sind. Dass bei längerer voller Beschleunigung ein leichtes Ruckeln auftritt, ist eher von geringer Bedeutung, da man naturgemäß selten in diesen Fahrzustand gerät. Der Verbrauch ist kein Grund zur ­Euphorie, aber im Gesamt­paket auch nicht zum Jammern. Mit hohem Stadtverkehrsanteil hat er sich zeitweise über 10 l/100 km erhoben, ­immerhin geht’s auf der Langstrecke unter neun, ein bisschen wenigstens.

Geräumig, wie wir es in der Kompaktklasse erwarten: Großer Kofferraum, hier auch noch mit sauber gefertigtem, doppeltem Boden.

Geräumig, wie wir es in der Kompaktklasse erwarten: Großer Kofferraum, hier auch noch mit sauber gefertigtem, doppeltem Boden.

Daseinsberechtigung

In Form von nackten Verkaufszahlen haben die Top­motorisierungen in der Kompaktklasse ja wenig Bedeutung, ihre Ausstrahlung wirkt aber vehement auf den Erfolg der Massenware zurück. Letztlich sind attraktive Kraftpakete an der Spitze der Preisliste in der Lage, die gerade hier permanent drohende Verbiederung einer Modellreihe abzufangen. Darum ist dieses Auto für ­einen ehrgeizigen Hersteller wie Kia besonders wichtig, um ernst genommen zu werden. Was hiermit wohl auch gelingen sollte.

Zum Dauertest-Einstieg
Zum Dauertest-Abschlussbericht

pixel