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Kawasaki Ninja H2: Kompressorgeladene Übermacht

Kawasaki hat sich mit der Namensgebung für das erste Kompressorbike weit aus dem Fenster gelehnt, denn die Zweitaktende H2 von dazumal war auch unter dem Spitznamen «Wittwenmacher» bekannt.

21.02.2015 radical mag
Es braucht schon was Besonderes, dass wir uns zu ein paar Zeilen zu einem Motorrad hinreißen lassen. Kawasaki hat es geschafft, denn wir trauen den Japanern zu, dass sie ein Motorrad mit Kompressor fahrbar machen können. Die Kompetenz haben sie jedenfalls bewiesen, damals als sie mit der GPz 750 Turbo das einzige aufgeladene Motorrad auf die Räder stellten, dass nicht nur schnell, fahrbar und solide sondern auch langlebig war. Suzuki und Yamaha sind an dieser Aufgabe gescheitert. Weder die XJ 650 Turbo noch die XN 85 konnte der Kawa damals das Wasser reichen. Über die unsägliche Honda CX 500, die Güllepumpe, hüllen wir den Mantel des Schweigens. Jaja, ich hör sie schon wieder rufen all die Yamaha-Fans. Aber sorry, es ist so, Turbo konnte nur Kawasaki. Oder ein gewisser Herr Egli.

Kawasaki Ninja H2 14

Ninja H2: Kompressor mit Planetengetriebe

Nun ist alles anders, die Ninja H2 hat keinen Turbo sondern einen Kompressor. Einen, den die Japaner selber entwickelt haben. Denn Kawasaki Motorcycle- als Teil von Kawasaki Heavy Industries – hat ja auch Helikopter und andere grobe Geschütze im Angebot. Abteilungen dieser «Kollegen» sollen mitgeholfen haben, das Teil zu entwickeln. Und was für ein wunderbares Bauteil es ist. Erinnert an das mechanische Werk einer edlen Schweizer Automatikuhr. Angetrieben wird der Lader (Radialverdichter) von einer Schubgliederkette und einem Planetengetriebe, so soll er unverzüglich ansprechen und vor allem wartungsfrei sein, da kein Zahnriemen zum Einsatz kommt. Die Übersetzung ist so gewählt, dass sich die Laderschaufeln bei einer Motorendrehzahl von 14.000 min rund 130.000 Mal pro Minute drehen. Der 238 kg schwere Supersportler soll 300 PS abdrücken und ein maximales Drehmoment von 133 Nm bieten, das ist mehr als bei einem Basis-Renault-Twingo.

Kawasaki Ninja H2 4
© Bild: Kawasaki

 Feinste Motorentechnik

Fast 240 kg ist für ein Einliter-Motorrad schon etwas gar viel. Aber, Kawasaki war nie dafür bekannt, besonders leichte Bikes zu bauen. Also, wieso sollten sie etwas Neues anfangen? Zurück zur Technik. Der Motor verfügt neben dem Verdichter über Benzineinspritzung mit zwei Düsen (Saugrohr) und natürlich über eine ausgeklügelte Motorelektronik, eine Traktionskontrolle und alles andere, dass aus jedem Bierbauch-Träger einen Kork Ballington macht (Für alle jüngeren Leser: Hugh Neville «Kork» Ballington war der wohl schnellste Kawa-Pilot aller Zeiten, das rasende Kotelett, zwei WM-Titel für Kawasaki). Er hätte Freude am Fahrwerk gehabt, gefühlt etwa zehn Mal mehr Einstellmöglichkeiten als an seinem Weltmeisterbike von 1981.

Kawasaki Ninja H2 11
© Bild: Kawasaki

Witwenmacher?

Die H2 ist so ziemlich mit allem bestückt, was die Motorradtechnik derzeit hergibt. Trotzdem, oder gerade deshalb, wird es ein Nischenprodukt bleiben. Denn billig wird das Ganze sicher nicht. Doch, mit der Kompressor-Kawa könnten die Japaner wieder einmal einen Grundstein für einen Motorradklassiker gelegt haben, wie damals, mit der Dreizylindrigen H2, dem Witwenmacher. Mehr Infos gibts beim Kawasaki-Händler des Vertrauens, falls der gerade geschlossen hat bietet sich unsere Bildergalerie an. Ach ja, es gibt da auch noch eine Rennversion mit 300+ PS, aber man soll ja nicht gleich Übermütig werden…

Kawasaki Ninja H2 8
© Bild: Kawasaki

Vielen Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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