Jürgen Stackmann Interview Seat Chef Vorstandsvorsitzender
Jürgen Stackmann (52), Vorstandsvorsitzender der Marke Seat.
 

„Früher waren die Produkte einfach nicht da“

Seat – zwischen roten Zahlen und Konsolidierung. Ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Marke Jürgen Stackmann.

24.01.2014 Online Redaktion

Jürgen Stackmann (52) ist seit Mai 2013 Vorstandvorsitzender bei Seat. Er soll die Marke konsolidieren. Im Rahmen der Vienna Autoshow trafen wir ihn für ein Interview. In der aktuellen Autorevue (02/2014 – ab Freitag, 24. Jänner in der Trafik) erklärt er, was Österreich zu Seats Vorzeigemarkt macht, wann mit einem Seat-SUV zu rechnen ist, wie Seat die Abhängigkeit vom europäischen Markt beenden könnte, wo die Probleme beim Händlernetz in Deutschland und Spanien liegen und was es mit den Untersuchungen der spanischen Kartellbehörde im vergangenen Jahr auf sich hat. Doch wir hatten noch mehr Fragen an Jürgen Stackmann. Und die können Sie hier und jetzt nachlesen.

Was können die anderen Märkte von Österreich lernen?
An meinem dritten oder vierten Arbeitstag habe ich die meisten österreichischen Händler am Wörthersee kennengelernt. Da erkennt man, dass die Performance in Österreich kein Wunder ist. Unsere Händler stehen mit Überzeugung für die Marke ein. Das zeigt, was wirklich machbar ist.

Die Öffentlichkeit wird Sie am Betriebsergebnis messen. Bei wie vielen Autos liegt der Break-Even-Point?
Das ist eine große Frage. Seat lebt zu mehr als 80 Prozent vom europäischen Markt. Wir sind im letzten Jahr um 10,6 Prozent gewachsen auf 355.004 Fahrzeuge. Was eine erfreuliche Leistung ist, weil wir das in einem stark zurückgehenden europäischen Markt geschafft haben. In diesem Jahr wollen wir weiterwachsen. Was am Ende rauskommt wird sich zeigen. Aber wir haben gute Karten in der Hand. Der Leon ist voll verfügbar und der Leon ST eröffnet ein neues Segment für uns. Dass der Volkswagen Konzern grosses Vertrauen in die Marke SEAT hat, unterstreichen die Investitionen der letzten Jahre.

Jürgen Stackmann Interview Seat Chef Vorstandsvorsitzender

Jürgen Stackmann im Interview.

Ein weiterer Beweis dafür: Sie fertigen in Spanien auch den Audi Q3.
Der Q3 ist eine große Inspiration für uns alle. Und eine große Gelegenheit Hightech Produktion nicht nur zu lernen, sondern auf den Rest unserer Modelle zu transferieren. Und die Effekte sind für alle Kunden, die derzeit einen Seat kaufen, spürbar.

Seat hat einen Nachholbedarf im Flottengeschäft.
Wir sind in Österreich relativ gut aufgestellt, sind aber natürlich eher eine Privatkundenmarke. Wir wollen jedoch verstärkt ins Flottengeschäft einsteigen. Der Leon ST ist die schärfste Speerspitze die wir haben, um in diesem Markt Fuß zu fassen. Sehr viele von den Flottenkunden fahren Kombis. Für uns tun sich immer mehr Teilmärkte auf. Aber es gilt diese Teilmärkte zu bearbeiten und nicht nur einen Wagen auf den Markt zu bringen.

Sie haben in ihrem Büro neben dem Seat Logo auch ein Apple- und ein Nike-Logo hängen. Was kann Seat von diesen Marken lernen?
Die Klarheit und die Kontinuität in der Markenführung. Das ist etwas, das ich mir zum Ziel gesetzt habe. Es geht darum, die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortzusetzen. Dafür braucht es Kontinuität und Fokussierung. Ich habe mir diese Bilder ins Büro gehängt, damit ich nie vergesse, weshalb ich bei Seat arbeite.

Haben Sie noch ein paar Worte für Ihren Vorgänger James Muir?
Ich sehe mich als Staffelläufer in einem Marathonlauf. Mein Vorgänger hat gute Arbeit geleistet. Ich habe ein Team, das zu den besten im Volkswagen Konzern gehört, davon bin ich überzeugt. Ich habe kein Interesse daran, Dinge von meinem Vorgänger, die ich für zielführend und richtig halte, zu verändern, nur um sie verändert zu haben. Jeder der sich mit Autos auskennt weiß, dass ich den Leon nicht erfunden habe. Aber es ist ein Modell, das markenführend und markendefinierend ist. Ich halte den Leon 5-türer FR für das Auto, das alles sagt, was man über Seat wissen muss. Ich sehe mich als Teil einer größeren Kette.

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