opel insignia opc weiß 2014 vorne front scheinwerfer seite
Wo wenig hilft, kann viel nicht schaden. Die Kamera klickt. Tempo 255.
 

Jenseits des Anstands: Opel Insignia OPC

Günstiger und bequemer als in einem Opel Insignia OPC lässt sich das Hochplateau des Wettrüstens nicht erklimmen.

26.09.2014 Online Redaktion

Das Leben ist von kurzer Dauer, wir empfehlen Happy-Hour. Der Kern des Opel Insignia OPC ist damit an der Ober­fläche. Die glückliche Stunde lässt sich in Zahlen zusammenfassen. Die Limousine gibt es ab 47.790 Euro, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 Stundenkilometern. Klammer auf, abgeregelt, Klammer zu. In Deutschland wird diese Grenze auf Wunsch und gegen Geld nämlich auf 270 angehoben. In Österreich nicht.

Das macht eine Grundsatzdebatte notwendig. Natürlich ist rasen gefährlich, und das Gesetz kennt kein Pardon. Aber in Maßen genossen ist nichts gefährlich. Sportliche Lebensart, Fairness und Souveränität – OPC-Fahrer pflegen sich an dieser Stelle zuzuzwinkern – sind die Leitsätze der Autoindustrie. Zweitens kann der geneigte Fahrer zu den Teutonen auf die Autobahn (A3, A92). Wer hierzulande schnell fahren will, müsste ­warten, bis wieder ein besetztes Haus geräumt wird und kein Polizist mehr für den ­Autobahndienst übrig ist.

opel insignia opc weiß 2014 innen cockpit interieur sitze

HELLIGKEIT Opel ist immer noch im Knopferlwahn. Immerhin lässt sich die ­Beleuchtung dimmen, das hilft nachts wirklich weiter. Die Sitze sind Benchmark,
die Lenkung auch. Ein 1,8-Tonner wird aber nie zum Kurvenräuber.

Verzicht? Nicht im Insignia OPC

Doch das Thema Geschwindigkeit ist nicht mehrheits­fähig. Die Autokundschaft ist gespalten. Kein Wunder, sie wird in immer mehr Segmente aufgeteilt. Scharf gezogene Trennlinien und tiefe Gräben ziehen sich entlang der einzelnen Klassen. Das Trennende zu finden und herauszuarbeiten ist kein ­Problem – die Marketingabteilungen der Hersteller machen das seit ­Jahren. So geht das Verbin­dende – der Wunsch nach ­Geschwindigkeit – unter.

Die gefühlte Geschwindigkeit – kleine Sportwägen, nah an der Straße, laute Motoren in Kombination mit schlechter Dämmung – ist damit nicht gemeint. Tempo achtzig empfindet der Fahrer als Rebellion gegen das Establishment, so unwohl, wie er sich fühlt, muss es verboten sein. Das Glück liegt im Verzicht? Sicher, ­sicher, wir kommen drauf zurück. ­Irgendwann. Dann doch lieber Lederausstattung, Bose-Sound und Navi – Opel Insignia OPC. Ein Name, der Erinnerungen an bessere, weil sportlichere Zeiten auf dem Nürburgring oder in der DTM weckt.

OPC, das Opel Performance Center, stieg im Jahr 2000 furios in die damals neue DTM ein. Ein hochspannendes Match gegen Mercedes ­endete mit Platz zwei für die Opelaner. 2003 gewann ein Opel die 24 Stunden am Nürburgring. Astra V8 Coupé ist bis heute das schärfste Teil, das jemals den Blitz tragen durfte, und die ­grüne Hölle eine Pilgerstätte für Fans. Opel konnte den Schwung aber nicht in die ­Gegenwart mitnehmen. Aus der DTM ist die Marke gleich ganz raus, am Nürburgring überlässt man das Feld BMW, Porsche und Mercedes.

opel insignia opc weiß 2014 rigshot

Heute ist OPC so was wie das McFit-Abo für die Serienmodelle.

Nur ohne abnehmen. Dafür mit reichlich Protein-Shakes vom Getränkeautomaten. Was im Falle des Insignia heißt: 325 PS und 435 Newtonmeter Drehmoment für 1,8 Tonnen Leergewicht.

Dafür ist alles drin, was es für eine entspannte Raserei braucht. Die Sitze lassen sich bis in die vierte Dimension verstellen und sind schon lange ein Geheimtipp. Nirgends sitzt es sich, völlig unabhängig von der Größe des Fahrers, ­bequemer, bei keiner anderen Marke lässt sich das Gestühl derart präzise justieren. Der Testwagen parkt bei 57.338 Euro. Das Opel-Eye (1.627 Euro) hätten wir uns sparen können. Es erkennt die Verkehrsschilder nur bis Tempo 200. Nachts ist bei 150 Stundenkilometern Schluss.

Die Geschwindigkeit soll ausgelotet werden. Auf Wunsch des Fotografen geht es vorher in die Waschanlage. Im Geiste des Fahrzeuges im OPC-Modus. Die Instrumente färben sich rot. Direktere ­Lenkung, schärferes Ansprech­verhalten des Motors, verhärtetes Fahrwerk, Basic-Wäsche mit Trocknen.

Entspanntes Fahren ist eine Stärke des Insignia.

Kein Wunder bei der Ausstattung. Auf dem Lenkrad allein gibt es mehr Knöpfe als bei manchem Konkurrent in der gesamten Mittelkonsole. Bordcomputer, Unterhaltungselektronik … ­lediglich das Navigations­system wurde vereinfacht. Der Suchende gibt nicht mehr Stadt und Straße in entsprechende Felder ein, sondern klopft per Touchscreen alles gleichzeitig in eine Zeile. Das funktioniert dann eher nicht. Am besten lässt sich der Pilot zuerst in die gewünschte Stadt lotsen und gibt dann die­ ­Straße ein. Das System sucht nämlich die nächstgelegenen Plätze.

opel insignia opc weiß 2014 display 255 km/h tacho digitaltacho

Die wahre Stärke ist die ­Autobahn.

Abstandtempomat, Toter-Winkel-Warner – unendlich viele Möglichkeiten, nichts zu tun. Knochentrockene Sportlichkeit, ein klares und schlichtes Arrangement von Dynamik stand nicht im ­Lastenheft. Der Wagen dreht bis maximal 5000 Touren, ­wobei ab 4500 lediglich die Geräuschkulisse steigt. Das andere Ende der Drehmomentkurve hat ein Motivations­problem. Bis 2000 Touren geht nichts, ab 2000 wenig und ab 3000 plötzlich alles. Tritt ins Kreuz. Die Kunst ist es, den Wagen zwischen 3000 und 4500 Touren zu halten. Egal ob auf der Landstraße oder der Autobahn.

German Autobahn also. Der OPC zieht los wie erwartet. Plötzlich geben auch die 20-Zöller und der Entenpürzel-Spoiler am Heck Sinn und haben die Aussagekraft eines Überrollkäfigs. Endlich ein ­wenig Verständnis für Tuner. Erster Gang, zweiter Gang. Bei 4800 Touren wird jeweils geschaltet. Kurz. Knackig.

Der digitale Tacho, der ­einen analogen imitiert, hat sich durchgesetzt. Keiner weiß, warum. Niemand kauft so was, es ist plötzlich einfach da. Das ist wie mit der Knopferl-Handbremse.

Dritter Gang. Gewalten schalten. Vierter. Ist ein Auto auf Tempo 270 ausgelegt, sind 250 kein Problem. Eine Freundin pflegt zu sagen: Wo wenig hilft, kann viel nicht schaden. Fünfter Gang. Hinter mir klickt die Kamera. Tempo 255.

  • Vectra OPC

    Servös,

    kurz zum Artikel. Das was Sie beschreiben sieht es wie ein Diesel Auto. Es gibt aber kein Insignia OPC mit dieselmotoren. D.h. die technische Daten mit den Umdrehungen sind falsch. Der Motor ist V6 benziner mit Turbolader und hat die Leistung von 325ps/435Nm die genau bei 5350 Umdrehungen liegt. Der Begrenzer setzt sich bei 6500U/min.

    MfG

  • Steinert

    Ich fahre seit 5 Jahren einen Insignia OPC ST – mit Steinbauerbox. Da ist bei 435 Nm noch nicht Schluß. Auch mein nächster wird ein OPC sein, aber da lass ich die Abregelung lieber gleich weg. Und noch zum Schluß – mit den Sitzen ist auch ein Ritt von 500 km, von dem Tankstop abgesehen, keine Belastungn für den Rücken.

  • Dr. Gerhart Häusler

    Dr. med. univ. Gerhart Häusler
    4020 LINZ
    8010 GRAZ

    Wollte Ihnen nur mitteilen, das Unlimited-Paket ist jetzt auf besonderen Wunsch sehr wohl auch in Österreich bestellbar!
    (Kaufvertrag vom 27.09.2014 – Opel Insignia OPC 4 Türer Unlimited mit Vollausstattung – Fahrzeug-Produktion Bearbeitungsnummer I-207623)

    Mit besten Grüßen, Dr. G. Häusler

pixel