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Jeep, Lebensraum Schlamm, Fluss – Off-Road

Einst war der Jeep Wrangler am liebsten im Gelände unterwegs und dabei unerbittlich zu Fahrer und Untergrund. Heute ist das nicht anders.

18.12.2015 radical mag

Wenn man von offroadtauglichen Fahrzeugen spricht, dann fallen oft Namen wie die G-Klasse von Daimler (das entsprechende Budget vorausgesetzt), den Land Rover Defender (dessen letztes Stündchen geschlagen hat) oder – Jeep. Besonders der Jeep Wrangler ist für Hardcore-Offroader die Waffe der Wahl wenn es darum geht, im Gelände so weit wie möglich zu kommen. Auch heute noch ist der Wrangler (egal in welcher Konfiguration oder welches Sondermodell) sehr, sehr geländetauglich. Er ist sozusagen der Fahnenträger der Offroad-Jünger. Puristisch und doch einigermaßen modern, hoher Alltagsnutzen und auch auf der Straße nicht mehr so ein Schlagloch-Suchgerät wie einst. Einst, ja das waren die Zeiten des Willys-Jeep, mit welchem die USA in den Krieg zogen. Das waren auch die zivilen Varianten wie der CJ-5 und der etwas größere CJ-7. Ich selbst bewegte eine Zeit lang einen CJ-7 als Alltagsauto, ich habe das Teil geliebt. Dies, obwohl er soff wie ein Loch. Nur dann federte, wenn er wirklich nicht darum herum kam. Die Lenkung bot etwa so viel Feedback wie ein Mürbeteig beim Kneten, die Heizung war – vorhanden. Windgeräusche? Keine! Es war immer ein Orkan, egal bei welchem Tempo. Trotzdem habe ich meinen Jeep geliebt, aber faustgroße Rostlöcher im Chassis machten der Sache ein Ende.

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© Bild: Werk / Willys' Jeep

Jeep Wrangler, heute wie damals

Nun aber zurück zu den aktuellen Wranglern. Die können immer noch gnadenlos Klettern, Kraxeln, Waten – Überhängend oder noch steiler ist kein Problem. Und ja, Windgeräusche gibt’s immer noch, die Lenkung ist immer noch so gefühlvoll wie ein eingeschlafener Arm. Aber, alles ist doch deutlich besser geworden. Es ist ein gutes Maß an Luxus an Bord, nicht so viel, dass sich die Puristen angewidert wegdrehen, aber doch so viel, dass die Passagiere trocken bleiben, nicht frieren müssen und auf Sitzen Platz nehmen, die mit modernen Sitzmöbeln schon einmal im selben Raum waren.

Der Chef sitzt am Steuer

Wir sind schon länger keinen Wrangler mehr gefahren, umso erstaunter meinten Fahrer und Beifahrer nach den ersten paar Kilometern: hey, das Ding macht ja echt Spaß. Ja, irgendwie hat es Jeep geschafft, dass man im Wrangler Freude am Fahren erlebt. Weit abseits von Ideallinie, Burn-Outs oder Driftwinkel. Der Wrangler gibt dem Fahrer etwas, dass in unserer Welt sehr selten geworden ist: das Gefühl, dass er der Chef ist. Dass der Wagen alles kann, wenn es der Fahrer auch kann. Keine Offroad-Fahrprogramme, nur ein mächtiger Hebel mit dem man den Allrad zuschaltet oder die Untersetzung einlegt. Der Rest liegt im Geschick des Piloten, da gibt es keine Computerprogramme für Sand, Schlamm oder Felsen (aber eine Bergabfahrhilfe, okay). Wie erfrischend in einer Zeit, in denen Autos mehr über den Fahrer und die anstehende Strecke wissen, als der Fahrer selbst. Natürlich gibt es moderne Features. Was haben wir gelacht, als der Jeep in einer sehr engen, etwas dunkleren Passage das Licht automatisch eingeschaltet hat. Klar ist die Automatik auf der Straße bequem. Wenn’s aber hart auf hart kommt, hilft dir nur eines: Hirnschmalz.

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© Bild: Werk

Durch den Schlamm und Fluss

Etwas anderes hat uns dann auch noch beeindruckt. Der Trail rund um den Vulkan auf Sizilien war nun nicht gerade sehr einfach. Nicht so selektiv wie der Rubicon-Trail, aber doch gespickt mit einigen echten Hindernissen, Wasserdurchfahrten und sehr felsigen Abschnitten. Dass der Wrangler das schafft, war keine große Überraschung. Aber, dass auch der Plastik-Offroader Renegade oder der Grand Cherokee problemlos durchkamen, war dann doch erstaunlich. Und dies ohne, dass man den Autos spezielle Reifen verpasst hätte. Klar, die Computerprogramme zur Steuerung des Allrads sind in diesen Fahrzeugen mittlerweile so gut, dass man echt keine Scheu vor schwierigen Trails haben muss. Zumindest, wenn man sich beim Kauf für die richtige Version entschieden hat. Denn Geländeuntersetzung gibt es teilweise nur bei den Trailhawk-Modellen, die zur Vergrößerung der Rampenwinkel auch ein anderes Design haben. Trotzdem, die Schlamm- und Flussdurchfahrten mit Hochleistungs-Sommerreifen, das war schon beeindruckend.

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© Bild: Werk

Ein echter Off-Roader

Jeep macht also einen großen Spagat, will für Outdoor-Fans die Marke werden. Und die Amerikaner in italienischem Besitz profitieren derzeit auch davon, dass es den Land Rover Defender bald nicht mehr gibt. Davon, dass eine G-Klasse oder ein Range Rover fürs Fußvolk kaum bezahlbar sind. Und viele SUV einfach nur nett anzusehende Vehikel sind, teilweise aber nicht einmal mehr über 4×4-Technik verfügen. Und sich von ihren tief montierten Front- und Heckschürzen bereits an der Gehsteigkante entledigen. Die Verkaufszahlen lügen nicht, Jeep kann sich über eine steigende Nachfrage freuen. Erstmals wurden weltweit mehr als eine Million Fahrzeuge der Marke produziert. Und ganz ehrlich: nach meinem CJ-7 könnte ich mich durchaus wieder einen Jeep verlieben, in den 4×4-Fahnenträger namens Wrangler.

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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