Jeep-Patriot-6
Sehr übersichtlich. Dank steiler Windschutzscheibe und gerader Seiten sieht man, was um einen los ist.
 

Jeep Patriot Testbericht

Der Patriot ist nicht perfekt, er ist für Liebhaber. Die wird er dank Offroad-Flair auch finden.

01.02.2008 Online Redaktion

Niemanden interessiert, ob er in seinem Lieblings-Shirt wie ein Sandler aussieht. Es ist längst mehr als ein Kleidungsstück. Es ist Teil der Seele. Nichts für den Alltag, sondern für Sonntage, an denen gefaulenzt wird. Was soll beim Spaziergang mit dem Hund schon passieren? Im schlimmsten Fall bekommt man einen Euro zugesteckt. Der aber durch das Loch in der Tasche der Lieblingshose wieder verschwindet. Egal.

So ähnlich geht es einem im Patriot. Er passt einem, oder nicht. Auch dieser Jeep ist, wenn auch für den Alltag gebaut, kein alltägliches Auto. Das bewies der Test. Ein üblicher Testwagen wird gefahren, fotografiert und dann am Schreibtisch analysiert. Geht ausnahmsweise etwas kaputt, wird geschimpft. Der Patriot gönnte sich zwar zwischendrin einen Werkstattaufenthalt – ein Kabel am Anlasser war bei einer holprigen Bergauffahrt abgefallen –, doch man verzeiht ihm gerne.

Das zeigt die Sonderstellung eines Jeep: Wir suchten den Fehler bei uns. Warum nur fuhren wir offroad? Wenn doch jeder vorher wusste, dass der Patriot fürs Gelände nur designt, keinesfalls aber gebaut wurde. Jeep kennzeichnet ja neuerdings die Autos, die fürs Gelände gedacht sind, mit dem Trail Rated Pickerl. Schafft es ein Modell des Herstellers, den berühmt berüchtigten Rubicon Trail zu meistern, bekommt es diese Auszeichnung. Dem Patriot fehlt dieses Logo genauso wie Untersetzung oder Achssperren.

Er steht auf der gleichen Plattform wie der Compass und teilt sich mit ihm Motoren,  Getriebe und die Allradtechnik – eine elektronisch zuschaltende Lamellenkupplung. Das heißt: tritt nicht gerade Schlupf an einem Reifen auf, ist der Patriot als reiner Fronttriebler unterwegs. Einzig der 4WD-Lock-Schalter erinnert an die Gelände-Gene der Marke Jeep und verteilt die Kraft 50:50 auf Vorder- und Hinterachse. Doch das reicht eben nicht fürs Grobe. Diese Lektion lernt man schnell.

Das Scheitern des Patriot im Gelände ist das Brandloch im Lieblingshemd. „Neue Welten entdecken“ wird also von der To-Do-Liste für Sonntag gestrichen. Dann doch lieber die bereits vorhandenen genauer erforschen. Dafür steht dem urbanen Entdecker im Patriot ein Zweiliter-Pumpe-Düse-Diesel zur Verfügung. Den hat Chrysler seit Einführung des Compass noch etwas nachgebessert. Die einst spürbare Anfahrschwäche ist verschwunden, das laute Nageln jedoch geblieben. 120 PS sind mehr als ausreichend, und die 6-Gang-Schaltung ist sehr gut abgestuft. Hält man den Jeep ein wenig auf Touren und ist nicht schaltfaul, kann eine Art Freundschaft entstehen.Wenn man es jeepig mag. Denn obwohl der Patriot nicht fürs Gelände geeignet ist, tut der Innenraum so, als wäre er es: Gummimatten an den Füßen, Plastikwanne im Kofferraum und viel lieblos zusammengeschweißter Kunststoff, der den Gesamteindruck beherrscht. Das alles ist immerhin leicht zu reinigen, so wie es Offroader mögen. Aber so sauber, wie man alles putzen könnte, macht man es wahrscheinlich nie dreckig.

Als Entschädigung gönnt einem der Innenraum viel Platz. Die ersten vier Passagiere haben reichlich Arm- und Beinfreiheit, die Stoffsitze sind vorne wie hinten bequem. Wer sich Teilledersitze gönnen will, muss zur höheren Ausstattungslinie Limited greifen. Die ist rund 2000 Euro teurer und bietet etwas mehr Luxus. Billiger geht es auch. Für 24.990 Euro offeriert der Hersteller das Sondermodell My First Jeep.

Erst bei fünf Passagieren machen sich wieder die (lieb gewonnenen?) Marotten des Patriot bemerkbar. Dort, wo die Beine des fünften Passagiers hin sollten, sind die Getränkehalter der Mittelkonsole montiert. Das engt ein.

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