Jeep Grand Cherokee SRT8 Offroad Gelände 4x4 Testbericht
V8-Saugmotor - USA wir danken dir.
 

Testbericht: Jeep Grand Cherokee SRT8

Seriöser Racer mit eingebautem Hochstand und ordentlichem Zug zum Futtertrog.

27.02.2013 Autorevue Magazin

Platz nehmen auf feinen Sitzen mit ordentlich Seitenhalt, das Sportlenkrad hoch und steil vor dir, Leistung jenseits der 400 PS, 16-Ventiler, Allrad-antrieb mit drei Differenzialen – nein, kein WRC, ein SUV: Willkommen an Bord des Jeep Grand Cherokee SRT, dem stärksten und schnellsten Jeep aller Zeiten. Man kann die Vermählung von SUV und Sportwagen für ziemlich bescheuert halten, aber auch ­äußerst reizvoll finden: Einer muss ja den Längsten, den Größten und Stärksten haben.

Im SRT sorgt ein 6,4-Liter-Hemi-V8 für Vortrieb. Erwartungsgemäß ergibt sich durch den Hubraum schon knapp über Standgas imposantes Drehmoment. Überraschend aber ist, wie er ab dreifünf noch einmal richtig zulegt. Ein Blick aufs Datenblatt bestätigt den Verdacht: Das maximale Drehmoment von 624 Nm fällt bei 4100 Touren an. Mit dieser Gewalt macht der Hemi aus dem Jeep einen Eisen­flieger: Die 2418 Kilo werden in 5 Sekunden auf 100 km/h gewuchtet, erst bei 257 km/h ist Schluss mit Beschleunigung: süßer Irrsinn.

Logisch, dass die Kraft aus irgendetwas generiert werden muss. Zwar hat man dem ­Motor zum Sparen eine Zylinderabschaltung mitgegeben, in der Praxis bemerkt man diese nur selten. Im Mitteldisplay leuchtet dann verschämt ein „eco“-Logo, der Motor klingt irgendwie angestochen, aber ohne Vibrationen. Sobald das Gaspedal nur wenige Milli­meter getreten ist, hört dieser Spuk wieder auf. Unterm Strich ­pendelt man sich im Alltag bei rund 17 Litern ein.

Jeep Grand Cherokee SRT8 Offroad Gelände 4x4 Testbericht

Für adäquate Verzögerung gibt’s eine Brembo-Brems­anlage. 6-Kolben-Sättel vorne mit Bremsscheiben so groß wie Kleinwagenfelgen (380 mm, das sind quasi 15-Zöller) und 4-Kolben-Sättel hinten bringen den SRT in 35 Metern von 100 auf 0 km/h.

Der Selec-Trac-Knopf in der Mittelkonsole regelt Stabilitätskontrolle, Stoßdämpfer, Schaltung und Gaspedalkennlinie ein. Klickt man den Schalter auf „Track“, kriegt das Ganze etwas von einem bizarren Naturschauspiel: So ähnlich muss sich ein Vulkanausbruch anfühlen. Der Jeep haut dann erbarmungslos ab, knallt die Gänge der angegrauten Fünfgang-Automatik nur so rein, läuft Spurrinnen nach wie Popeye seiner Olivia – und dennoch gleicht es einer ­Themenverfehlung, denn eigentlich ist er ein Verwöhner. Die Ausstattung ist fully loaded, vom Abstandstempomaten über Navi bis zum Schiebedach ist alles an Bord, was bei deutschen Kollegen extra angekreuzelt werden will. Lieber freuen wir uns an der mächtigen Anlage, cruisen entspannt auf der Autobahn – und ­schrecken gelegentlich aufmüpfige Fünfer mit einer Auspuff-Fanfare.

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