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Jeep Cherokee Testbericht

Kante lebt! (Und mit ihr die alten Tugenden, die eine Trennlinie ziehen zu rundgelutschten, hochbeinigen Moden.)

01.04.2008 Autorevue Magazin

Der neue Jeep Cherokee ist ein direkter Verwandter des alten, was sich beide nicht anmerken lassen wollen. Der Alte: Gefälliger Schritt in eine Rundlichkeit vorne und innen, die das knorrige Image echter Jeeps abperlen ließ wie Teflon. Damit zielte Jeep auf SUV-Kunden, aber an Jeep-Kunden vorbei, keine gute Ansage für die Fangemeinde – Jeep als Legende ist älter als alle SUV-Trends, da will kein Modegag auf die Räder gestellt werden, sondern eine eigene Welt.

Der neue Cherokee darf also wieder Kanten tragen, die hauptsächlich von einer höheren Motorhaube und einem Frontdesign im Bücherregal-Look kommen. Auch das Armaturenbrett ist eher ein Wandverbau, und vor dem Beifahrer befindet sich ein Haltegriff, an dem man Pferde anbinden könnte. Von echten Fortschritten künden die Materialien des Innenraumes. Von Billig-Plastik nur mehr wenig Spuren, das meiste fühlt sich hochwertig und liebevoll gefertigt an, lediglich an die Farbgebung muss sich gewöhnen, wer nicht so ein Freund des Schlammbraun in zwei Schattierungen ist.

Farbtöne, die das Leder des Cherokee Limited Plus volley übernimmt und damit nie Gefahr läuft, in graue Beliebigkeit abzugleiten. Kaufpreis des Top modells mit Dieselmotor: 46.590 Euro, da parkt auf Augenhöhe schon ein (karger) BMW X3. Der günstigste Cherokee (gleicher Motor, Basisversion Sport, Handschaltung) ist um 35.890 Euro wohlfeil.

Das Fahren. Wirklich dezent im Klang wird der Cherokee nicht, was man ihm durchaus als Seitenarm seines Charakters anrechnen darf: Üppiges Drehmoment, dem man beim Arbeiten zuhören kann, das aber mit dem Cherokee leichtfüßig umgeht. Nur ein Teil davon geht in der Fünfgang-Automatik verloren, Details zur Aerodynamik will man lieber nicht wissen.Verbrauch also: 10,2 l/100 km, trotz hohem Anteil entspannter Langstrecke.

Das Fahrwerk ist noch immer amerikanisch im Unterton, bei abrupten Fahrmanövern schleicht sich so ein bisserl Pudding ins Fahrgefühl, kurze Stöße hingegen sind fühlbar. Die Allradkompetenz bleibt unangetastet: 4WD kann zugeschaltet werden, die Sperre des Mitteldifferenzials auch.

Der Innenraum ist perfekt dienstbar, besonders üppig sind die Platzverhältnisse im Fond. Der Kofferraumboden ist hoch, so geben die umgelegten Rücksitzlehnen ohne Verrenkungstricks einen ebenen Ladeboden frei. Wer öfters gatschige Schuhe oder tote Fische transportiert, wendet den Ladeboden und legt eine Plastikwanne frei.

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