Sergios Bergsteiger

Die Marke Jeep feiert sich in Colorado selbst, und das völlig zu Recht. Es geht bergauf.

27.12.2012 Online Redaktion

Die Höhenlage erweitert die Lungen, ­verdünnt das Blut und lässt die Grundstückspreise in schwindelerregende ­Höhen klettern. Deswegen wohnen hier auch nur richtig reiche Menschen, die mehrheitlich in Hollywood ihr Geld ­verdienen. Tom Cruise zum Beispiel. Willkommen in Telluride/Colorado, willkommen im Hoteldorf Mountain Village, 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Im Winter ist es ein beliebtes wie extremes Schigebiet, im Sommer eine Zunderbüchse bestehend aus Nationalparks am unteren Zipfel der Rocky Mountains. Mit Espen, Tannen, Kiefern.

Weitsichtig zeigten sich die Gründerväter bei der Namenswahl vor 135 Jahren. Telluride bildete sich aus dem Satz „to hell you ride“. Neben der Stadt liegt der gefährlichste Flughafen der USA. Die ­tückischen Bergwinde würden ausreichen, um diesen Titel einzuheimsen, die Architekten ließen die Start- und Landebahn aber zusätzlich an einem Abhang enden.

Jeep Camp Colorado Telluride Denver Durango Offroad Grand Cherokee 4x4 Gelände Million Dollar Highway

Zum Glück findet das Jeep Camp größtenteils im Auto statt. Es ist eine ­Veranstaltung, die es gibt, um die Marke zu feiern. In den USA hat das seine Berechtigung. Während es in Europa Prügel für das Badge-Engineering gibt, das auch aus den letzten Rotweinresten der Marke Lancia Cola macht, weiß in den USA kein Mensch, dass Chrysler jetzt zu Fiat gehört. Während die Fiat-Werke nur zu sechzig Prozent ausgelastet sind, wuchs in den USA 2012 der Absatz von Chrysler, Jeep und Dodge um dreißig Prozent. Weil der Gesamtmarkt aber nur um zwanzig Prozent zulegte, bedeutet das zwei Prozentpunkte mehr Marktanteil für Fiats US-Tochter (jetzt 11,2). Aus zwei Einbeinigen wollte Sergio Marchionne, der Fiat-Präsident, einen Marathonläufer machen. Den hat er auch. Aber er ist Amerikaner und muss die ­europäischen Kernmarken mitziehen, die mittlerweile im Rollstuhl sitzen.

Das Jeep Camp ist eine Offroadtour, die in diesem Jahr durch einen kleinen Teil Colorados führt – von Durango über Silverton nach Telluride. Hier kann Jeep wie sonst nirgends auf der Welt die Historie der Marke aufleben lassen. Colorado ist Cowboy-Land mit Cowboy-­Läden, Cowboy-Musik und einem Cowboy-­Magazin mit Überschriften wie „Happyness is a warm gun“. Die Städte sehen noch aus wie in der Zeit der Revolver­helden. Selbst eine alte Dampflok wird noch betrieben. Sie führt von Durango nach Silverton, braucht für 72 Kilometer dreieinhalb Stunden, und an der Strecke stehen Touristen und Einheimische und ehren das Museumsstück aus einer besseren Zeit, indem sie winken. Salut.

Silverton ist das Urmeter der Fahrfreude. Hier beginnt der Million Dollar Highway. Eine vierzig Kilometer lange Betonschlange, die durch Wälder gleitet und Berge umarmt, ohne von Leitplanken verschandelt zu werden. Links und rechts gehen Feldwege ab – für Offroader, die den Berg nicht umgehen, sondern ­erklimmen wollen. Den Red Mountain Nummer drei zum Beispiel. Ein Massiv, so rot, als käme es direkt vom Mars. Der Gipfel liegt auf 4.000 Meter Höhe und ist Geländewagen mit Allradantrieb und Reduktionsgetriebe vorbehalten.

Jeep Camp Colorado Telluride Denver Durango Offroad Grand Cherokee 4x4 Gelände Million Dollar Highway

Jeep hat zwei Vorzeigemodelle in ­Sachen Geländefähigkeit. Den Wrangler und den Grand Cherokee. Der Wrangler beweist, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg eine Marktlücke für harte Kerle mit harten Hobbys gibt. Der Grand Cherokee, dass es eine Marktlücke gibt für Menschen mit den gleichen harten Hobbys, aber mit einer Vorliebe für Lenkradheizung, Ledersitze und Holzinterieur. Sucht man einen Nicht-Macho-Grund, um sich für den Wrangler zu entscheiden, bleibt nur das Dach. Denn mit etwas Geduld (Klammern, Hebel und Schrauben müssen gedrückt, geschoben oder gedreht werden) lässt es sich beim Klassiker abmontieren. Beim Luxusgleiter höchstens ein wenig öffnen. Dafür elektrisch.>

Zwei Tricks seien künftigen Colorado-Ausflüglern verraten. Erstens kommt nur oben an, wer langsam fährt. Es gibt in Colorado nur einen Gipfelsturm, bei dem gerast werden darf, das ist der Pikes Peak – und hier sind Profis am Werk. Zweitens ist, jedem martialischen Auftritt der Fahrzeuge zum Trotz, viel Gefühl im rechten Fuß gefragt. Denn die Felsen, Auswaschungen und Spurrillen können nur souverän gemeistert werden, wenn man gleichmäßig Gas gibt, sonst reißt man die Erde auf, zermalmt sie mit den grobstolligen Reifen und katapultiert sie quer über die Rocky Mountains. Wer ­geduldig die Gaspedalstellung hält, lässt auch noch genug Hindernis für nachfahrende Autos übrig.

Jeep Camp Colorado Telluride Denver Durango Offroad Grand Cherokee 4x4 Gelände Million Dollar Highway

Und davon gibt es hunderte. Colorado ist das Mutterland der SUV, und Geländetouren sind der Nationalsport. Die Äste, die vom Million Dollar Highway weg die Berge hinauf wachsen, dürfen allesamt ­legal und ohne vorherige Anmeldung ­befahren werden. Auch von Touristen im Mietwagen. Mitten im Wald ist mehr Verkehr als in den Ortschaften Silverton oder Durango. Kein Scherz.

Wer den Red Mountain Nummer drei wieder hinunter fährt und dem Million Dollar Highway noch ein paar Kilometer folgt, kann links auf den Imogene Pass abbiegen. Ein Weg, auf dem sich die ­Geschichte Colorados erkunden lässt. Gruselige Geisterstädte, eingefallene Gold- und Silberminen, Ruinen längst vergessener Indianerstädte, die einst in die Felsen gebaut wurden.

Jeep Camp Colorado Telluride Denver Durango Offroad Grand Cherokee 4x4 Gelände Million Dollar Highway

Am Ende dieses Passes liegt Telluride. Riesige Holzvillen kündigen das Rückzugsgebiet für die Reichen und Schönen an. Rad- und Kajaktouren im Sommer, Schifahren im Winter. Natürlich ist der Ort auch über eine betonierte Straße und, wie gesagt, per Privatjet zu erreichen. Oder per Gondel. Mit den Geldern der berühmten Einwohner betreibt die Ortschaft einen Gratis-Lift, der das Stadt­zentrum am Fuße des Berges mit dem Hoteldorf verbindet. Colorado kam in diesem Sommer nicht zur Ruhe. Noch während des Jeep Camps legte nur 350 Kilometer nord­östlich ein Waldbrand ganze Nationalparks und Dörfer in Schutt und Asche.

In Denver wütete ein Geisteskranker in einem Kino. Von Telluride ist das nicht einmal eine Flugstunde entfernt und doch auf einem anderen Kontinent. Es gab Entenbrust. 

pixel