Jaguar-XJR von vorne
Darf es ein bisschen mehr sein?
 

Testbericht: Jaguar XJR

Beim Jaguar XJR handelt es sich um einen einigermaßen einfachen Pimp. Dem klassischen 5-Liter-V8 wurden 40 PSmehr eingehaucht.

29.08.2013 radical mag

 

Dass der Jaguar XJ zwar ein feines Automobil ist, sich aber in unseren Breitengraden so gut wie gar nicht verkauft, das wissen wir unterdessen. Ein 2-Liter-Vierzylinder kann diese Verkaufszahlen nicht sonderlich aufpeppen, – die andere Richtung, sprich: mehr PS, bringt da sicher mehr. Und deshalb gibt es jetzt den XJR.

Es darf ein bisschen mehr sein

So ein bisschen still und heimlich hat ja Jaguar unterdessen auch ein Sport-Programm eingeführt (wobei, es gibt die R von Jaguar auch schon seit 25 Jahren). Was Mercedes mit AMG hat und BMW mit M und Audi mit den RS, das heißt bei den Engländern einfach R und ist mehrstufig, die simplen R, die R-S und dann ganz oben noch die R-S GT. Es gibt auch noch eine spezielle Abteilung bei Jaguar, die sich um den besonders feinen Teil dieser Geräte kümmert, genannt ETO (Engineered to Order), doch die hat mit hier vorgestellten Jaguar XJR nichts zu tun. Aber R ist schon eine gute Sache, solches braucht es heute einfach, gerade in der Schweiz, wo schon der Metzger dauernd sagt: «darf es ein bisschen mehr sein?».

Jaguar XJR Kühlergrill mit Aufschrift R

Wir hören ihn noch immer schnurrrrren

Schade um den feinen Klang

Beim Jaguar XJR handelt es sich um einen einigermaßen einfachen Pimp. Dem klassischen 5-Liter-V8 «Supercharged» wurden 40 Pferdchen mehr eingehaucht (jetzt also 550 PS), dazu gibt es noch 55 Nm mehr maximales Drehmoment (jetzt 680 Nm zwischen 2500 und 5500/min). Das macht den XJR 280 km/h schnell (elektronisch eingebremst), von 0 auf 100 km/h will er in 4,6 Sekunden beschleunigen. Und verbrauchen will er trotzdem nur 11,6 Liter, zumindest gemäß Norm. Da hilft sicher auch das Stop/Start-System, das den feinen Achtzylinder ziemlich grob abwürgt, sobald der große Wagen zum Stillstand gekommen ist. Bisserl schade ist das, denn der V8 hat einen feinen Klang, sonor, unaufgeregt, nicht dieses fiese Gebrüll wie im F-Type.

Jaguar XJR Motor

Schaltet sich bei der Kreuzung aus, schade um den Klang, gut für den Verbrauch

In den Asphalt eingraben

Selbstverständlich hat Jaguar dem XJR nicht bloß mehr Leistung mit auf den Weg gegeben, sondern auch noch fleißig an vielen weiteren Komponenten gearbeitet. Der 8-Gang-Automat von ZF wurde sportlicher abgestimmt, will jetzt auch Kurven erkennen (und am Kurvenausgang dann gleich den richtigen Gang zur Verfügung stellen, haben wir aber nicht gemerkt). Auch das Fahrwerk wurde angepasst, da gibt es geschmiedete 20-Zöller mit speziellen Reifen von Pirelli, die Rechenleistung der Computer für das adaptive Dämpfersystem, die aktiv gesteuerte Differentialsperre und die dynamische Stabilitätskontrolle wurde verbessert, bis zu 500 Mal pro Sekunde wird da nun kontrolliert und geregelt; im «dynamic»-Modus geht nun alles noch ein bisschen straffer, quasi: sportlich. Gebremst wird über fette 380-Millimeter-Scheiben vorne, 376 Millimeter hinten, die graben den XJ quasi in den Asphalt. Auch das passt zum sportiveren Auftritt.

Kein Rennwagen

Und das kann man dann auch tatsächlich erfahren. Es gibt da eine Stellung «trac» beim DSC, die erlaubt erstaunliche Driftwinkel; treibt man es doch zu wild, gibt es weit außen noch ein elektronisches Fangnetz. Nun ist der Drift nicht gerade die Art von Fortbewegung, die man der Luxus-Limousine zumuten mag, doch das Wissen, das es gehen würde, das reicht den meisten Käufern ja schon aus. Wir können nur vermelden: auf der Rennstrecke geht der Jaguar XJR richtig gut. Ein Rennwagen ist er nicht, an die dynamischen Qualitäten eines Maserati Quattroporte kommt er auch nicht heran, die von AMG aufgepeppte S-Klasse kennen wir noch nicht, aber für einen 7er-BMW oder einen A8 von Audi reicht es alleweil. Doch auch da, auf der Rennstrecke: in erster Linie ist der XJR ein sehr, sehr souveränes Automobil, bestens motorisiert, mit ausgewogenem Fahrwerk.

Jaguar XJR Innenraum

Hilfe kommt von der Elektrik

Wenig Zurückhaltung

In Sachen Preis ist Jaguar ja nicht gerade für Zurückhaltung bekannt (was eines der Verkaufsprobleme sein könnte beim XJ, auch deshalb, weil der Wiederverkaufswert nicht gerade auf dem Niveau der deutschen Premium-Anbieter liegt). Das gilt auch für den XJR, der in der Basisversion (kurzer Radstand, was bedeutet: es gibt ihn auch mit dem langen Radstand) mit stolzen 142.000 Euro angeschrieben ist. Trotzdem würden wir den XJR zusammen mit dem starken Diesel als die beste Wahl unter den XJ-Modellen bezeichnen, vor allem deshalb, weil er seine Leistung derart locker auf die Straße bringt. Was gewisse Käufer aber abschrecken könnte: es gibt halt Schwellerchen und Spoilerchen an der Alu-Außenhaut, die sind nicht nach dem Geschmack aller. Dafür ist im Preis das wunderbare 825-Watt-Klangsystem von Meridian inbegriffen.

Vielen Dank an die Kollegen von www.radical-mag.com

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