Jaguar F-Type dynamisch links
Greift drei Oktaven des Glücks, liefert Performance für alle Fahrsituationen und sieht dabei hinreißend aus.
 

Vorstellung: Jaguar F-Type

Dieses Auto wird uns noch lange beschäftigen. Mit dem F-Type hat Jaguar zu einer Hochform zurückgefunden, die man ihnen kaum noch zugetraut hätte.

02.06.2013 Autorevue Magazin

Zweiundfünfzig Jahre nachdem der essenzielle E-Type vorgestellt wurde, gelingt in Gaydon mit dem Jaguar F-Type ein schlagartig überzeugender Roadster, der die gesamte Marke mitreißt und dementsprechend auch unsere Begeisterung. Gleich mit dem Designchef an die Bar: „Ian Callum, was ist passiert? Welcher Lucky Star leuchtete den Weg?“ „Mr. Tata himself. It is definitely his car. His personal decision. He loves sports cars and we talked a lot about it. He is very satisfied with what we came out. I think, we found a new definition for Jaguar.“

Jaguar F-Type: Sie können noch Roadster bauen in England

Ja wirklich, sie können noch Roadster bauen, wenn man sie nur lässt. Der voll aus Aluminium durchgenietete ­Jaguar F-Type mit den Kompressormaschinen ist selbsterklärend, weil er keine Schwächen oder Kompromisse kaschieren muss und genau so aussieht, wie er sich fährt.

Alle drei Motorisierungen stehen für unterschiedliche Charakterausbildungen, und es sei vorweggenommen: Schon die Grundversion, Kompressormotor, Benzindirekteinspritzung mit 340 PS, liefert alles, was man braucht, um den Glauben an klassisches, schönes, kurvenbetontes Autofahren wieder zu ­finden. Die 85.600 Euro Grundpreis sind knapp an den Porsche ­Cayman R ­bemessen, aber der hat kein 12-Sekunden-Z-Faltdach, das den Jaguarspaß in befreite Dimensionen steigert.

Das feinmechanisch faustdicke Grundpackage, die klassische Gewichtsaufteilung 50:50, der tiefe Schwerpunkt, die ziegelfeste Steifigkeit, das fulminante Fahrwerk und die auf Schnelligkeit übersetzte Lenkung schaffen ideale Vorgaben für wirklich erwachsenes Sportwagenfahren in allen Lagen. Achtgang-Quickshift-Automatik, Dreieckquerlenker vorn und hinten, steifer Hilfsrahmen plus Domstrebe vorne, zwingende Aerodynamik und sinnreich eingesetzte Elektronik ergeben ein passendes Umfeld für den 3,0-Liter-V6,
der herabgeleitet wurde vom ge­feierten 5-Liter-V8 und auch in einer gesteigerten S-Variante mit 380 PS zu ­haben ist. Passend dazu wurde auch beim hier schlupfbegrenzenden ­Differenzial nachgeschärft, beim Aktiven Auspuffsystem (lautes Röhren, kon­vulsivisches ­Röcheln, böses ­Plotzen) und folgerichtig bei den größer dimensionierten Bremsscheiben hinter den nun 19 Zoll großen Felgen. Schnell befindet man sich in der 100.000-Euro-Liga, aber damit hat man eigentlich die bestmögliche Konfiguration gefunden, denn die weitere Steigerung zum (neuen) V8-Triebwerk mit 495 PS zeigt ­eigentlich nur mehr, was geht, wenn man möchte, wie be­lastbar der Wagen in seiner Grundstruktur ist, aber unter uns gesagt: Alles, was sich rund um 500 PS abspielt, ist im Grunde too much. Dieser Hammerschlag ist machbar, aber wenn wir nun zur feinen britischen Art zurückkehren wollen, reichen schon die 340 PS völlig aus für könnerhaftes Autofahren mit Stil und Geschmeidigkeit. Und Kompressoren haben sie alle.

Sehr sympathisch: die mechanische Gesamtanmutung

Tief sitzt man ins Cockpit eingebettet; es kann nur einen Chef geben, und dem ist alles zugeneigt: das großräumig verstellbare Lenkrad, der wie eine Hundeschnauze in die Hand schmeichelnde Shifter (ausgebildet als Vor-/Zurück-Wippe), die blind erfühlbare Sport-­Taste, die verfeinerungswürdigen Rundarmaturen, das große Display. Die Gesamtanmutung des Jaguar F-Type bleibt MECHANISCH, wurde nicht zu sehr ins CADmäßige versenkt. Mächtige Mittelkonsole. Dem Beifahrer bleiben immerhin ein mächtiger Haltegriff und der Knopf fürs Handschuhfach. Die Sitze ­lassen sich hervorragend verstellen samt Schraubstockfunktion am Oberkörper. Plötzlich hat sich etwas im Raum verändert, man weiß erst nicht, was: Die gesamte Mittelventilation stieg auto­matisch aus dem Dashboard, weil rätselhafte Vorgänge in der Klimaanlage dies befohlen haben. Ein Novum.

Haben wir schon vom Heck gesprochen? Grandioser Abgang. Definierte Stoßstange. Hecklichter von erhabener Schönheit. Und ab Tempo 96 werden noch einmal 120 kg draufgelegt, weil dann der Spoiler automatisch ausfährt. Kofferraum darunter: sympathische Größe.

Ian Callum, was ist mit den ausklappenden Türgriffen passiert? Wirken reichlich plump (im Vergleich etwa zu Aston Martin). Und die Intarsien, mit Verlaub – sehen irgendwie selbstgebastelt aus. Die Antwort, sinngemäß: „Wir hatten lange Diskussionen darüber. Es ging letztlich um Sicherheit, deshalb sind sie voll. Und mit den Intarsien haben Sie wahrscheinlich recht. Wir werden darüber nachdenken.“

Hier geht´s zur Studie auf Basis des F-Type: Jaguar Project 7

 

  • Mayrhofer Gerhard

    Ist und bleibt ein Traum Auto.

  • Florian Dutzler

    Sehr schönes Fahrzeug

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