Jaguar F-Type E-Type Nachfolger Roadster
Fast vierzig Jahre nach dem Ende des E-Type bringt Jaguar wieder einen puristischen zweisitzigen Roadster auf den Markt.
 

Vorstellung: Jaguar F-Type

Puristischer, zweisitziger Roadster ohne stilistische Retro-Silbe.

05.02.2013 Autorevue Magazin

Es war eine Schockstarre von fast vierzig Jahren: 1974 lief der letzte E-Type vom Band, danach hatte Jaguar – als Marke zum Synonym seiner ikonografischen Roadster-Legende geworden – keinen zweisitzigen Sportwagen mehr im Programm, jedenfalls keinen, der die Knackigkeit, Konzentra­tion und Geballtheit des Urahns verkörpert hätte (der XK ist eine andere Schuhnummer). Anfang der Nuller-Jahre sah es kurz nach einem Revival aus, als der damalige Kronjuwelen-Verwalter von Ford, Wolfgang Reitzle, die Premium-Tochter Jaguar auf der Detroit Motorshow ein F-Type-Konzept vorstellen ließ. Statt eines Sport-Zweisitzers kam dann aber die glücklose X-Type-Limousine auf den Markt, und Reitzle wurde Chef der Linde AG.

„Wir mussten erst ein Fundament für den F-Type legen“, sagt Ian Hoban, der Chef der F-Type-Modellreihe. Also wurden erst XK, XF, XJ von Grund auf erneuert und damit ­Jaguars ganzes Erscheinungsbild modernisiert, bevor ein Auto von der leidenschaftlichen Ausrichtung eines ­F-Type mit entsprechendem Grip starten konnte.

Jaguar F-Type E-Type Nachfolger Roadster

Ob als Teil des Markenge­füges oder für sich alleine betrachtet: Der Jaguar F-Type ist sofort als Erfolgsmodell zu erkennen. Ein hoch angespannter, gleichsam zum Sprung ansetzender Körper mit eleganten und kraftvollen Linien, die weder von scharfen Sicken noch von abstehenden Türgriffen oder einem Spoiler (fährt erst aus, wenn 120 kg mehr Downforce gebraucht werden) gestört werden. Dazu ein vorgestülptes Kühlermaul, das sich in den Luftstrom einzusaugen scheint, große Räder, tiefe Sitzposition, ein starkes, schneidiges, schönes Heck. Sichtbar auch gleich die kraftvolle Asphalt­verbun­denheit, die aus der breiten Spur, aus der Breite des Sportwagens an sich resultiert. Auf Retro-Zitate verzichtet der F-Type vollständig. In die Rückleuchten hat Designchef Ian Callum einen versteckten subtilen Hinweis eingezeichnet, der aber nur echten Auskennern auffällt. Ein Augenzwinkern aus der Geschichte, alle Neuhinzugekommenen streift einfach nur die Schönheit der Design-Sprache.

Der Jaguar F-Type zielt eindeutig auf Porsche. Er ist mit 4,47 Metern zwei Zentimeter ­kürzer als der 911, jedoch zehn Zentimeter breiter. Im nächsten Frühjahr wird er erst einmal als Cabrio auf den Markt kommen (ein Coupé folgt nicht viel später). Drei Motorvarianten werden angeboten: ein Dreiliter-V6 mit 340 PS und als S/C mit 380 PS, die Fünf­liter-V8-Version wird 495 PS leisten. Äußerliches Erkennungsmerkmal: zwei mittige Endrohre beim V6, zwei seitliche Paare beim V8.

Das klassische Stoffdach ist der eleganten Linie des F-Type geschuldet. Man habe sehr wohl auch über ein faltbares Hartdach nachgedacht, sagt Ian Hoban, es dann aber verworfen, da die berückend ­flache Hecklinie nicht zu halten gewesen wäre. 45 bis 50 Millimeter wäre sie sonst höher geworden, vom vielen zusätzlichen Gewicht gar nicht zu reden. Mit mindestens 1600 Kilo fügt er sich trotz Voll-Alu-Karosserie zwar ins Umfeld (zum Vergleich: 911 Cabrio ab 1525 Kilo), Leichtgewicht ist er deshalb aber ­keines.

Jaguar F-Type E-Type Nachfolger Roadster

Weil vor allem die Qualität der Steifigkeit den Unterschied zwischen einem guten und ­einem hervorragenden Sportwagen ausmacht, hat Jaguar in diesem Bereich angesetzt, sagt Ian Hoban. Über zehn ­Jahre arbeitet Jaguar jetzt mit Alu, seit dem alten XJ, und das Know-how ist bei der vierten Modellreihe nun beachtlich angewachsen. Man erreichte eine um zehn Prozent höhere Tor­sions­steifigkeit als beim XKR-S, den Jaguar als interne Benchmark zitiert, mit Schwerpunkten vor allem am Design der A- und B-Säule. Die Late­ral­­steifigkeit, mit Konzentra­tion vor allem auf die Vorderrad-Aufhängung, konnte gar um 30 Prozent verbessert ­werden. Im F-Type wird die bekannte ZF-Achtgang-Automatik verbaut, deren Reaktionszeiten jetzt deutlich kürzer sind, so Ian Hoban. Wie das bewerkstelligt wurde? „Wir haben zum Beispiel für den Gangwechsel die Treibstoffzufuhr unterbrochen, was drastisch klingt, aber den Effekt hat, dass die Zugkraft schneller auf den nächsten Gang übertragen werden kann. Dadurch konnten wir die Zeit für den Gangwechsel von 380 Millisekunden (im XKR-S) auf 180 Millisekunden reduzieren.“

Der Einstiegspreis des F-­Type wird in Österreich bei rund 85.000 Euro liegen. Er wird also ungefähr dort ansetzen, wo ein Boxster in Bestausstattung aufhört und noch kein 911er zu kriegen ist. Was ein Argument für oder gegen den F-Type sein kann. Oder auch nicht.

Video zum Jaguar F-Type:

 

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