Das ist die "Powerwall".
 

Ist Teslas neues Energiespeicher-System das Ende der Atomenergie?

Das Energiespeicher-System „Powerwall“ ist Teslas neuester Streich – der, geht es nach Elon Musk, gleich die ganze Welt revolutionieren soll.

06.05.2015 Online Redaktion

Am vergangenen Wochenende kündigte Tesla-CEO Elon Musk wie erwartet an, dass der Elektroauto-Bauer künftig auch Batterien für Gebäude verkaufen werde. Für die stationären Energiespeicher-Systeme sollen die selben Akkus verwendet werden, die bereits in Teslas Autos Verwendung finden. „Powerwall“, so der Name des neuen Tesla-Produkts, speichert Solarstrom und gibt ihn während der sonnenlosen Stunden ab. So ist die Energieversorgung des Eigenheims oder Geschäftslokals auch gesichert, wenn die Sonne über längere Zeit nicht scheint.

Tesla Powerwall: Billig, praktisch, ertragreich

Die neuen Tesla-Akkus sollen bereits ab Mitte diesen Jahres in der Fabrik in Nevada produziert werden. „Powerwall“ soll in mehreren Farben und 2 Speicher-Varianten erhältlich sein: Einmal mit 7 kwH und einmal mit 10 kWH Speicherkapazität. Das Gerät wiegt ca. 100 Kilogramm und misst etwa 130 x 86 x 18 Zentimeter. Wie der Name schon sagt, ist „Powerwall“ für die Installation an einer Wand gedacht. Der „Akku für’s Eigenheim“ speichert die Energie aus der hauseigenen Photovoltaikanlage und kann mit einer Leistung von bis zu 3 kW sogar große Haushalte versorgen. Das System soll ganz einfach zu installieren sein – Musk schätzt, dass 2 Personen die „Powerwall“ in weniger als einer Stunde zum Laufen bringen können. Das ist nicht nur unbestreitbar praktisch, sondern auch unerwartet billig: Hatten Experten vor der Präsentation noch mit 10.000 Dollar und mehr gerechnet, liegt der Preis tatsächlich bloß bei 3.000 Dollar für die 7 kwH-Version bzw. 3.500 Dollar für die „Powerwall“ mit 10 kwH Kapazität. Aber natürlich profitiert auch Tesla selbst von seiner neuen Idee – und zwar ganz gewaltig: Analysten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass der Autobauer mit seinen Energiespeicher-Systemen bis zu 4,5 Milliarden Dollar erwirtschaften könne. Andere Schätzungen nennen sogar weit höhere Zahlen.

„Powerpacks“ für den industriellen Gebrauch

„Powerwall“ eignet sich für Eigenheime und kleinere Geschäftslokale bzw. Büros. Für den Einsatz im industriellen Bereich präsentierte Elon Musk die „Powerpacks“. Diese werden in koppelbaren Modulen zu je 100 kwH ausgeliefert. So soll das System bis zu eine GwH, also eine Million KwH, speichern können. Damit könnte eine kleine Stadt versorgt werden.

900 Millionen Powerpacks sollen die Welt verändern

In seiner typisch unbescheidenen Art denkt Musk natürlich gleich noch einen riesigen Schritt weiter: Mit Teslas neuem Energiespeicher-System sei ein Wechsel zu erneuerbaren Energien möglich, und zwar nicht nur für ein Eigenheim, eine Fabrik oder eine kleine Stadt, sondern für die ganze Welt. Mit 160 Millionen Powerpacks wären die gesamten USA von fossilen Energien unabhängig, so Musk. Mit 900 Millionen Powerpacks könnte die Energieversorgung der gesamten Welt revolutioniert werden, rechnet der Tesla-CEO weiter vor. Mit einer Milliarde Powerpacks könnte zusätzlich auch der gesamte Verkehr auf Erneuerbare Energien umgestellt werden.

Die Präsentation der Tesla Powerwall / Powerpack zum Nach-Schauen

Macht „Powerwall“ Atomenergie überflüssig?

In der Nacht auf den 1. Mai präsentierte Musk „Powerwall“ offiziell. Aber bereits Wochen davor begann er damit, die Öffentlichkeit auf Teslas neues Geschäftsfeld vorzubereiten. Nach mehreren mysteriösen Tweets galt es als gesichert, dass der Elektroauto-Pionier künftig ein Akku-System für Gebäude anbieten würde. Und noch bevor dieses vorgestellt wurde, diskutierten Experten bereits darüber, ob Teslas neuester Coup das Ende der Atomenergie bedeuten werde.

Atomstrom-Kritiker sieht Hauptargument der Atomenergie-Befürworter entkräftet

Atomstrom-Kritiker Arnie Gundersen ließ bereits vor der „Powerwall“-Präsentation mit einer gewagten These aufhorchen. Jordi Roglans-Ribas, Kernenergietechniker am Argonne National Laboratory, hatte im Rahmen einer Studentenveranstaltung soeben behauptet, dass Atomstrom für eine Zukunft ohne fossile Energien unbedingt notwendig sei. Die Erneuerbaren wie Wind oder Sonne seien nicht zuverlässig und ausfallsicher. Gundersen nannte dieses Argument einen „Marketing-Gag“. „Wir alle wissen dass der Wind nicht ständig weht und die Sonne nicht jeden Tag scheint“, zitiert das Magazin Forbes den Wissenschaftler. „Aber die Nuklear-Industrie möchte Sie Glauben machen, dass die Menschheit zwar intelligent genug ist um Atommüll eine Viertel Million Jahre lang sicher aufzubewahren, aber gleichzeitig zu dumm, um eine Technologie zu entwickelt, mit der Solarenergie über Nacht gespeichert werden kann. Für mich macht das keinen Sinn.“ Mit „Powerwall“ sei dieses Hauptargument der Atomenergie-Befürworter entkräftet: „Elon Musk hat mich überzeugt, dass ein Energiespeicher-System auch für industrielle Bedürfnisse möglich ist – und es existiert bereits.“

Was Atomenergie-Befürwortern Sorgen macht, findet Elon Musk offenbar witzig.

  • hellipirelli

    Sie schreiben: „Einmal mit 7 kwH und einmal mit 10 kWH“. Geh bitte, lernen Sie doch ein wenig Grundlagen der Physik: Die Einheit der Leistung ist das Watt, und 1000 davon sind 1 Kilowatt, abgekürzt kW. Eine Stunde muss mit h abgekürzt werden. Die Energie bzw. Arbeit von 1000 Wh ist also 1 kWh. Nicht 1 kwH, nicht kWH, nicht KWH, nicht kwh.

    • aral

      das ist wissenschaftliche notation, allenfalls didaktik aber sicher nicht physik, Sie schlaumeier. wenn wir schon spitzfindig sein wollen

  • Heinz

    Gibts alles schon. Nur wenns ein Autobauer macht, hat er den Stein der Weisen gefunden! http://www.hoppecke.de/fileadmin/_hoppecke/content/download/brochures/rp/sun.powerpack-premium_de.pdf

  • Michael

    endlich!! wird einmal dieser atom/öl/gas-lobby der marsch geblasen! wenn der preis, so wie angegeben,bei ~ 3500 – 4000 Dollar/Euro liegen sollte, werde ich einer der ersten sein, der eine „powerwall“ sein eigen nennt!

    • hellipirelli

      Wenn Sie dabei an einen Inselbetrieb denken (d.h. weder Einspeisung in das noch Bezug aus dem öffentlichen Netz), dann wünsche ich Ihnen jetzt schon viel Glück und riesige freie Dach- und südseitige Wandflächen an Ihrem Haus, denn alle angegebenen Leistungen sind Peak-Leistungen, die Sie im Winter, wenn Ihr Strombedarf am höchsten ist, nie erreichen. Im übrigen: die Förderungen und Einspeisetarife sind im Keller…
      Lassen Sie sich die Anlage vorher von einem Fachmann durchrechnen (Lebensdauer/Abschreibungsdauer der Fotovoltaik-Zellen und der Akkus nicht vergessen)!
      Ob ein Inselbetrieb an Ihrem Aufstellungsort überhaupt möglich ist, erfahren Sie bei der Energierechtsabteilung der Landesregierung. Das müsste im Landes-Elektrizitätsgesetz stehen…

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