Fiat Turin Werk Produktion
Das Stammwerk in Turin bleibt erhalten.
 

Investitionen vs. Arbeiterrechte

Mit einem umstrittenen Tarifvertrag beginnt die Sanierung Fiats.

19.01.2011 Online Redaktion

Im Stammwerk von Fiat in Turin wurde ein neuer Tarifvertrag beschlossen. 54 Prozent der mehr als 5000 Beschäftigten stimmten den neuen Arbeitsbedingungen zu.

Fiat-Chef Sergio Marchionne setzte seine Arbeitnehmer dafür allerdings gehörig unter Druck. Er versprach ihnen, sollte der Vertrag angenommen werden, eine Investition von einer Milliarde Euro im Stammwerk in Turin, sowie die Produktion eines neuen Jeep-Modells. Das Ziel ist es, die Produktion von derzeit 120.000 Fahrzeugen pro Jahr zu verdoppeln. Für den Fall, dass die Arbeitnehmer den Vertrag abgelehnt hätten, drohte Marchionne jedoch damit die Produktion ins Ausland zu verlagern. Genau genommen erpresste der Firmenchef seine Angestellten. „Wenn das Referendum nicht durchgeht, werden wir nicht investieren, ganz einfach.“

Der neue Tarifvertrag sieht flexiblere Verträge, längere Arbeitszeiten, weniger Pausen (zwei statt drei, zu je zehn Minuten, die Essenspause wurde auf das Ende der Schicht verlegt), die Einführung von zwei Karenztagen und den Verzicht auf spontane Streiks vor. Angeblich könnten Arbeitnehmer mit diesem System allerdings auch 3.500 Euro pro Jahr mehr verdienen. Dafür wird jetzt in einem Dreischicht-System gearbeitet, der Sonntag ist frei, jede zweite Woche hat ein Arbeitnehmer zwei freie Tage am Stück. Zusätzlich können die Arbeitgeber bis zu 120 Überstunden pro Jahr fordern. Bei zu vielen Fehltagen kann das Krankengeld gekürzt werden

Sergio Marchionne Fiat

Das Problem bei der Abstimmung und damit auch die Ursache für das knappe Ergebnis war, dass nicht alle Gewerkschaften das Projekt unterstützten. Die linke Organisation FIOM beispielsweise bezeichnete den neuen Vertrag als eine „Abmachung der Schande“. Maurizio Landini, der Generalsekretär der Gewerkschaft, betonte: „Diese Abstimmung ist unrechtsmäßig.“ Kritiker bezeichnen den Vertrag als „moderne Sklaverei“.

Eine große Sorge ist, dass der Tarifvertrag nicht nur in Turin, sondern bald für alle 22.000 Angestellten des Fiat-Konzerns in Italien gelten könnte und dadurch an Modellcharakter für die gesamte italienische Industrie gewinnt.

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  • Kujau

    So kann man sein Image auch nachhaltig zerstören. War wohl trotz der Autos die sie bauen noch zu gut.

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