Porsche 911 Exterieur dynamisch heck
Der Sound kann sich, vorsicht Wortspiel, hören lassen.
 

Ingenieurs-Perle (2)

Das ist die Technik des neuen Porsche 911 –Teil 2.

21.10.2011 radical mag

Teil zwei unseres Ausflugs nach Weissach. Im ersten Part haben wir hauptsächlich die Gewichtsreduktion des neuen 911ers behandelt und uns der Aerodynaik gewidmet. Heute beschäftigen wir uns mit der Getriebetechnik und dem Sound.

Dazu kommt ein neues Getriebe. Nicht nur, dass serienmäßig ein Stopp/Start-System verbaut wird, die manuelle Schaltbox verfügt außerdem über sieben Gänge. Dabei ist der 7. Gang als echter Spargang ausgelegt, der gegenüber der sechsten Stufe die Drehzahl des Motors um 19 Prozent reduziert.

Um Fehlmanipulationen vorzubeugen, lässt sich der 7. Gang nur einlegen, wenn vorher der 5. oder 6. Gang eingelegt war. Realisiert wird dies mit einer rein mechanischen Klinke, welche die Schaltgasse nur freigibt, wenn zuvor der richtige Gang eingelegt war. Das neue Handschaltgetriebe ist vom Layout her genauso konzipiert wie das Doppelkupplungsgetriebe PDK. Will heißen: die sieben Vorwärtsgänge sind in zwei separaten Synchronpaketen gegliedert.

Das PDK wurde um die Segelfunktion erweitert. Segeln kann man mit dem 911er, wenn man beispielsweise bei 100 km/h langsam vom Gas geht, um seine Geschwindigkeit zu reduzieren. Dann kuppelt das Getriebe automatisch aus und lässt den Porsche im Leerlauf rollen. Gibt man wieder etwas Gas oder betätigt die Bremse, wird der Gang sofort wieder eingelegt.

Auch das Thermomanagement wurde geändert. Der Motor läuft im Normalbetrieb mit heißen 105 °C Kühlmitteltemperatur. Betätigt man die Sporttaste, oder registriert die Elektronik, dass über längere Zeit viel Leistung abverlangt wird, sorgt ein spezielles Ventil dafür, dass sich alle Schleusen zu den Kühlern im Bug öffnen und die Temperatur massiv absinkt. Im Gegensatz zu einer thermostatischen Regelung, die erst reagiert, wenn die Temperatur über ein bestimmtes Maß steigt, wird die Kühlmitteltemperatur also präventiv gesenkt.

All dieser Technikkram ist gut und recht. Das Schönste ist aber, dass es im neuen Elfer so richtig was auf die Ohren gibt. Und zwar ohne dass man zu elektronischen Tricks greifen muss. Neben einer gesteuerten Auspuffanlage mit Klappen wollte man bei Porsche vor allem die Ansauggeräusche forcieren. Dazu verlegte man kurzerhand einen Schlauch vom Luftfiltergehäuse in die Rückwand der Fahrgastzelle. Mit einer Membran wird sichergestellt, dass der Motor seine Luft nicht im Innenraum ansaugt, dafür aber die Ansauggeräusche ins Innere übertragen werden. Das Ergebnis: ein kehliger, dichter Soundteppich mit großem Gänsehautfaktor. Aber nur, wenn die Sporttaste gedrückt wird.

Im Normalmodus wird die Verbindung zum Luftfilter mittels einer Klappe gekappt, und die Passagiere genießen einen deutlich tieferen Innenlärmpegel. In Summe ist der neue Porsche zwar mit viel Technik vollgestopft, doch setzt man in Zuffenhausen weiterhin auf klassische Ingenieurskunst eher als auf Elektronik-Klimbim. Mal sehen, ob dies in den Händen des VW-Konzerns auch weiterhin so bleibt. Denn die Entwicklung des aktuellen Elfers begann lange bevor VW bei Porsche das Sagen hatte.

Hier geht es zu Teil eins. Und für alle beide bedanken wir uns bei den Kollegen von www.radical-mag.com

Mehr zum Thema
pixel