Porsche 911 Technik Exterieur dynamisch Front
Unter dem Kleid des neuen 911er steckt reichlich neue Technik.
 

Ingenieurs-Perle (1)

Die neue Technik im genauso neuen Porsche 911 – Teil 1.

20.10.2011 radical mag

Nach Weissach, ins Hauptquartier der Fahrzeugentwicklung. Des neuen 911ers wegen. Zwar durften wir den neusten Jahrgang noch nicht selber fahren, aber immerhin als Passagier ein paar Runden auf der hauseigenen Teststrecke absolvieren. Und wurden in die technischen Details der neusten Sportwagen-Generation eingeweiht. Es wird also wieder einmal sehr technisch.

Gleich vorneweg: Der neue Porsche fühlt sich auch auf dem Beifahrersitz sehr gut an. Das Auto liegt enorm ruhig auf der Strasse, ist vor allem bei Lastwechseln deutlich weniger zickig als sein Vorgänger. Und das Auto geht richtig gut. Denn die Ingenieure haben sich mit viel Elan der Geräuschkulisse im Innenraum angenommen. Doch der Reihe nach…

Die Grundvoraussetzung für ein sehr fahraktives Auto ist das Gewicht. Und hier hat es Porsche endlich geschafft, das Auto leichter zu machen. Rund 45 Kilo wiegt der neue Elfer weniger als sein direkter Vorgänger. Rund 1400 Kilo bringt die S-Version nun auf die Waage, und dies obwohl der Radstand um genau zehn Zentimeter angewachsen ist und das Auto ganz leicht breiter und länger wurde.

Erreicht hat man die Gewichtseinsparung aber nicht durch den Einsatz von unglaublich teuren Verbundmaterialien, sondern durch einen wilden Materialmix. Der 911er, der bisher fast komplett aus Stahl bestand, hat nun einen hohen Anteil an Aluminiumbauteilen. Vordere Kotflügel, Türen und Motorhaube bestehen aus dem leichten Werkstoff.

Stahl-Aluminium-Hybridbauweise setzt aber nicht nur auf zwei Grundmaterialien. So kommen auch Magnesiumgussteile, Kunststoffkomponenten (teils mit Faserverstärkung) und modernste Klebetechnik (Länge der Klebeflächen total rund 130 Meter) zum Einsatz. Aber der Mix aus Stahl und Aluminium kann durchaus zu Problemen beim Korrosionsschutz führen. Deshalb werden an allen sensiblen Stellen die Nähte mit PVC beschichtet. Insgesamt spart Porsche bei der Karosserie rund 80 Kilogramm, die allerdings dann für andere Komponenten, wie den mächtigen Rädern in 19- oder 20-Zoll wieder draufgehen.

Obwohl die Entscheidung, ob es vom 11er wieder eine Targa-Version geben soll, noch nicht gefallen ist, hat man in Weissach viel Hirnschmalz für die Konstruktion des neuen Schiebedachs gebraucht. Denn die Aerodynamik ist eine weitere Merite des Porsche 911ers Während die bisherigen Modelle teils massiv Auftrieb erzeugten, ist das neue Blechkleid nun nahezu beim Wert null angelangt (Gesamtauftriebsbeiwert 0,05). Mit Sportfahrwerk soll der neue Porsche sogar Abtrieb erzeugen.

Doch wenn man ein konventionelles Schiebedach öffnen würde, wäre es mit der Aerodynamik schlecht bestellt. Damit man beim Elfer auch bei Tempo 270 noch Frischluft genießen kann, wurde ein komplett neues Dachmodul entwickelt, das per Ende 2012 auch in Glas verfügbar sein wird. Beim öffnen des Dachs wird automatisch ein Windabweiser ausgefahren. Dieser fährt, je nach Fahrzeuggeschwindigkeit, unterschiedlich weit aus. Bis 130 km/h ragt der Windabweiser 48 mm über die Dachkante hinaus. Ab diesem Tempo sind es dann noch 30 Millimeter. Und ab 180 km/h reduziert sich dieser Wert auf 18 mm.

Neben der Aerodynamik widmete man auch Motoren und Getriebe große Aufmerksamkeit. Besonders umfangreich wurde der «S»-Motor überarbeitet. Dieser leistet nun 400 PS, dreht satte 7800 Umdrehungen und soll auch dank Mehrlochinjektoren wesentlich sparsamer sein als jener aus dem Vorgängermodell.

Morgen finden Sie an gleicher Stelle den zweiten Teil. Für die Geschichte bedanken wir uns bei den Kollegen von www.radical-mag.com

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